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Almamy Touré: Der Geduldige bei Eintracht Frankfurt

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Von: Daniel Schmitt

Hat sich enorm gemausert: Almamy Touré. Foto: AFP
Hat sich enorm gemausert: Almamy Touré. © AFP

FR-Serie, vierter Teil: Vom fußballspielenden Hallodri zur verlässlichen Alternative - die Wandlung von Eintracht-Verteidiger Almamy Touré.

Frankfurt – Ein etwas intensiverer Blick in die Statistik fördert eine durchaus erstaunliche Erkenntnis zutage: Ausgerechnet Almamy Touré, der in der vergangenen Saison für sehr lange Zeit kaum berücksichtigte Verteidiger von Eintracht Frankfurt, war ein Erfolgsgarant für den hessischen Bundesligisten und europäischen Titelträger. Denn wurde dem 26-Jährigen von seinem Trainer Oliver Glasner in den Spielen tatsächlich von der ersten Minute an Vertrauen geschenkt, sprang für die Eintracht (fast) immer etwas Zählbares dabei heraus. Eine Niederlage nur musste der Startelf-Touré auf dem Platz erleben, Ende Oktober beim VfL Bochum (0:2). Ansonsten gewannen die Frankfurter wettbewerbsübergreifend sechs Partien, oder holten zumindest zwei Remis.

Warum also durfte Almamy Touré nicht häufiger vom Start weg auflaufen für die Glasner-Truppe? Nun, noch im Winter urteilte auch die FR in ihrem Halbjahreszeugnis recht kritisch über den Hinterbänkler: „Er bringt zwar beste Voraussetzungen für Bundesligafußball mit, ist schnell, technisch begabt, robust, aber auch ein Hallodri. Wollte seine Konzentrationsfähigkeit erhöhen, hat er gesagt, ist ihm nur manchmal gelungen. Schlurft zu häufig über den Rasen.“ Einmal, Anfang November in Fürth, wechselte Trainer Glasner seinen wankelmütigen Spieler zur Pause ein und kurz vor dem Abpfiff wieder aus - die Höchststrafe. Insgesamt kam der noch bis 2023 an die Eintracht gebundene Defensivmann nur auf 18 Saisoneinsätze in Liga und Europacup, fünfmal saß er auf der Tribüne. Erst im spannenden Saisonendspurt - dazu gleich mehr - wurde Almamay Touré wieder wichtig für die Eintracht, sehr wichtig.

Eintracht Frankfurt: Almamy Touré äußert sich zur Ersatzrolle

Der Spieler selbst lieferte dieser Tage in einem Interview mit dem französischen Podcast-Format „Baco“ diverse Einblicke in sein Seelenleben. Er, Touré, habe auch in für ihn persönlich schwierigen Phasen der Saison nämlich immer Geduld bewiesen. „Wenn du aufgibst, bestätigst du den Trainer, dann bist du auf jeden Fall der Verlierer.“ Seine große Stärke sei daher gewesen, „im Training immer weiter hart an sich zu arbeiten, auch wenn ich nicht gespielt habe.“ Der Lohn, so Touré, seien schließlich die herausragenden Momente am Ende der Spielzeit gewesen. Er meint, na klar: den Triumph in der Europa League.

Der Viertelfinalcoup von Barcelona, die direkten Duelle gegen Stars wie Ferran Torres und Memphis Depay, die Halbfinalspiele gegen West Ham United, das direkte Duell mit Jarrod Bowen, dem besten Londoner Angreifer. Und natürlich das Finale gegen die Rangers aus Glasgow, die 120 nervenaufreibenden Minuten samt Elfmeterschießen in Sevilla. Almamy Touré hat in den größtmöglichen Spielen dieser Saison, auch in den größtmöglichen Drucksituationen für ihn persönlich, abgeliefert, so gut gespielt wie selten zuvor in seinen dreieinhalb Dienstjahren in Frankfurt, vor allem so fehlerfrei wie selten zuvor. Einzelne Stockfehler verliefen sich in sein Spiel, aber mal ehrlich, solch abgeklärte Leistungen wie gegen Barca, West Ham und die Rangers hätten Touré noch vor zwei, drei Monaten kaum Beobachter:innen zugetraut - in letzter Instanz nicht mal sein Trainer, sonst hätte er ihn, logisch, häufiger aufgestellt. Auch im Europa-League-Finale überzeugte der Nationalspieler Malis. 75 Prozent Zweikampfquote, 76 Prozent Passquote, dazu kein besonders auffälliger Schnitzer - eine tadellose, ja sehr gute Leistung.

Eintracht Frankfurt: Almamy Touré fühlt sich wohl in der Innenverteidigung

Ohnehin half es Touré, der von Sperren (Tuta, Ndicka) und Verletzungen (Hinteregger) der Kollegen profitierte, dass er sich zuletzt in der Dreierabwehrkette einreihen konnte, er sich nicht wie manch anderes Mal draußen auf der rechten Bahn rumtreiben musste. Hinten rechts konnte er sich auf einen Job konzentrieren, die Abwehrarbeit, musste nicht ständig versuchen, auch noch das Offensivspiel anzuschieben. Nicht umsonst sagte der Rechtsfuß bereits vor längerer Zeit: „Als Innenverteidiger fühlt es sich für mich etwas natürlicher an, weil ich auf dieser Position ausgebildet wurde.“

Galt Touré bei den Frankfurter Verantwortlichen vor einigen Wochen als Wechselkandidat für den anstehenden Transfersommer, ist diese Idee mittlerweile recht sicher vom Tisch. Viel eher hat sich der 26-Jährige zu einer echten Alternative für die Abwehr entwickelt. Er wird gewiss nicht als Nummer eins für den Posten des rechten Innenverteidigers in die kommende Saison starten, dort haben andere, vor allem Tuta, die Nase vorn. Touré aber erhöht die Frankfurter Flexibilität in hinterster Linie. Sollte etwa Tuta als Libero gebraucht werden, was mittel- und vor allem langfristig ein Eintracht-Plan ist, oder Trainer Glasner auf eine Viererabwehrkette umstellen wollen, dürfte Almamy Touré bereit sein. Die Statistik jedenfalls belegt: Er hat sich weitere Startelfeinsätze verdient. (Daniel Schmitt)

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