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Musterschüler Kolo Muani: Besser als Messi

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Von: Ingo Durstewitz

Stürmt doch noch nach Katar: Eintracht-Stürmer Randal Kolo Muani.
Stürmt doch noch nach Katar: Eintracht Frankfurt-Stürmer Randal Kolo Muani. © Philippe Ruiz/Imago

Eintracht-Angreifer Randal Kolo Muani mischt die Bundesliga auf und stürmt auf den letzten Drücker mit Frankreich zur WM nach Katar.

Frankfurt – Eigentlich war der große Traum schon geplatzt, peng, wie eine Seifenblase. Katar? Abgehakt! Am Montag kletterte der französische Fußballspieler Randal Kolo Muani mit seinen Frankfurter Spielkameraden in den Flieger nach Tokio, Eintracht Werbetour in Fernost statt weltumspannendes Turnier am Persischen Golf. Selbst das letzte Ticket für den Trip auf die arabische Halbinsel zur WM ging nicht an den Frankfurter Überflieger, sondern an den Gladbacher Marcus Thuram, den Nationalcoach Didier Deschamps als 26. Mann nachnominierte. Schade für Kolo Muani, den Senkrechtstarter aus der deutschen Premiumklasse.

Doch dann schlug das Schicksal zu und meinte es nicht gut mit dem Leipziger Zauberkünstler Christopher Nkunku, der sich am Dienstag im Training der Equipe Tricolore am Knie verletzte und für die WM ausfallen wird. Definitiv. Ein schwerer Schlag für den 24-Jährigen, der eine furiose Saison spielt und die Torschützenliste der Beletage mit zwölf Treffern anführt. Doch wie es so oft ist im Leben: Des einen Leid ist des anderen Freud.

Eintracht-Zeugnis

Europa-League-Triumphator, Champions-League-Achtelfinalist, Tabellenvierter in der Bundesliga mit so vielen Punkten nach 15 Spieltagen wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr – Eintracht Frankfurt blickt auf ein außergewöhnliches, ja historisches Jahr zurück, das beste und schönste seit einer ganzen Ewigkeit. Grund genug, die Mannschaft zu würdigen, die ein Zwischenzeugnis mit der Note eins erspielt hat.

Das große Klassenbuch der Eintracht, dieses Mal in Serienform und loser Folge. Spieler für Spieler im Einzelportrait – vom Musterschüler bis hin zu jenen mit einem Blauen Brief. Eine Gesamtübersicht mit Artikeln zu allen Spielern.

Randal Kolo Muani fährt zur WM: Großes Lob von Eintracht Frankfurt

Für den Leipziger wird nun nämlich ein anderer Bundesligaspieler die Farben der Grande Nation vertreten, Nationalcoach Deschamps berief eben Eintracht-Stürmer Kolo Muani, der sich auf den allerletzten Drücker noch den WM-Traum erfüllen wird. Am Mittwoch war er schon nicht mehr dabei, als die Eintracht in Saitama in aller Freundschaft gegen die Urawa Red Diamonds antrat und mit einer C-Elf 2:4 verlor. Von Japan ging es für Kolo Muani direkt ins Trainingscamp des Titelverteidigers. Spätes Glück für den Shootingstar aus Frankfurt. Der 23-Jährige, der erst vor zwei Monaten in der Equipe Tricolore debütierte, hatte sich bereits mit der Nichtberücksichtigung abgefunden. „Das wird mich nicht umhauen. Ich bin nicht betrübt“, sagte er vor wenigen Tagen. Nun kann er sein Glück kaum fassen.

Die Berufung in letzter Sekunde ist aber definitiv „verdient“, wie auch Sportvorstand Markus Krösche findet. „Das Turnier kann dazu beitragen, dass er den nächsten Schritt in der Entwicklung nimmt.“ Die deutsche Eliteklasse hat er schon mal im Sturm genommen, der Zugang aus Nantes rockt die Bundesliga. Fünf Treffer hat er erzielt und elf Vorlagen eingebracht – damit liegt er an der Spitze, nicht nur national, auch international. Selbst Lionel Messi kommt bei Paris St. Germain „nur“ auf zehn Assists.

Randal Kolo Muani bei Eintracht Frankfurt: Die SGE-„Waffe“

Und Kolo Muani erzielt wichtige Tore, in der Champions League hat er zweimal siegbringend getroffen, einmal gegen Olympique Marseille zum 2:1 und dann im „Endspiel“ in Lissabon. Gerade dieses Tor in seiner ganzen Brachialität steht stellvertretend für den Stil des Angreifers: Unnachahmlich ließ er Goncalo Inacio wie einen Schulbub stehen und drosch die Kugel in die lange Ecke zum erlösenden 2:1. „Eine absolute Willensleistung“, lobte Kapitän Sebastian Rode. „Wir haben jetzt eine Waffe“, stellte Vorstandssprecher Axel Hellmann treffend fest. Der 51-Jährige glaubt sogar, dass die Eintracht mit dem Pfeil aus Bondy mal richtig Kasse machen kann. „Das könnte ein 80-Millionen-Mann werden“, sagt Hellmann. Aber nur dann, wenn er vor dem Tor abgebrühter wird.

Denn trotz seiner herausragenden Performance im ersten Halbjahr hat die 1,87-Meter-Kante mit kongolesischen Wurzeln noch Luft nach oben, gerade was die Chancenverwertung angeht. Da ist er oft zu hektisch oder, wie jetzt in Mainz, technisch zu unsauber. Auch bei der unglücklichen Heimniederlage gegen Borussia Dortmund versiebte er mehrere Hochkaräter. „Ihm fehlt noch die Ruhe. Das ist ganz klar auf der Agenda“, sagt Trainer Oliver Glasner, der den Spieler generell noch lange nicht am Ende seiner Entwicklung sieht. „Er ist noch nicht da, wo er hinkommen kann. Er wird noch besser.“

Kolo Muani weckt mit seiner zielstrebigen Spielweise Erinnerungen an den legendären Tony Yeboah, nicht vom Bewegungsablauf her, aber in seiner Durchsetzungskraft. Der Stürmer, Marktwert 30 Millionen, ist nicht zu stoppen, wenn er ins Rollen kommt. Sein zuweilen unkonventioneller Spielstil, der ihn auch mal mit dem Kopf durch die Wand oder in drei Gegenspieler rennen lässt, ist dabei seine größte Stärke, selbst wenn er ab und an etwas mehr Struktur vertragen könnte. Doch dieses Unberechenbare, Unkalkulierbare macht Kolo Muani zu einer der heißesten Nummern in ganz Europa. Jetzt darf er das sogar in der Wüste zeigen. (Ingo Durstewitz)

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