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Bayern-Jagd vorerst abgeblasen

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Von: Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

Konnte sich dieses Mal nicht so durchsetzen: Jesper Lindström. Foto: AFP
Konnte sich dieses Mal nicht so durchsetzen: Jesper Lindström. Foto: AFP © AFP

Eintracht Frankfurt erkämpft sich ein gerechtes 1:1 in Freiburg, fällt in der Tabelle etwas zurück und fährt am Samstag zum nächsten Spitzenduell nach München.

Es wäre dezent übertrieben zu behaupten, dass die Begegnung SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt ein Bundesligaklassiker ist, der die Menschen der Republik in hohem Maße elektrisieren würde. Das nicht. Aber die Aufeinandertreffen sind gewachsene, traditionsreiche, teils hitzige Duelle, in denen schon mal ein Trainer (Christian Streich) von einem außer Kontrolle geratenen Anführer (David Abraham) über den Haufen gerannt wird. Das war im November 2019, 1:0 für die Schwarzwälder. 42 Spiele der beiden Kontrahenten sind gelistet, die Bilanz ist fast ausgeglichen, 17-mal siegte die Eintracht, 15-mal der Sportclub. Noch nie aber standen sich beide Klubs in derartig luftigen Gefilden gegenüber, noch nie rangierten beide gemeinsam so weit oben, vor dem Spieltag gar auf einem Champions-League-Rang, und balgten sich darum, wer denn nun der erste Verfolger der Bayern sein würde.

Nach 96 intensiven, aber gewiss nicht hochklassigen Minuten lautet die Antwort: keiner von beiden. Mit einem letztlich gerechten 1:1 (0:1) gingen die Teams am letzten Hinrundenspieltag auseinander, für die Eintracht traf Randal Kolo Muani (42.), für die Freiburger glich Matthias Ginter aus (47.). Das war es im Schwarzwald. Somit geht die Eintracht auf Rang vier ins samstägliche Duell mit dem Meister aus München. Vielleicht hört ja das Gerede vom Bayern-Jäger auf, sicher ist das freilich nicht.

Für die Eintracht begann die Partie denkbar schlecht, bevor sie überhaupt angepfiffen wurde. Torwart Kevin Trapp, aus der Winterpause mit beachtlicher Frühform gekommen, musste kurzfristig passen. Der Schlussmann meldete sich mit einer Erkältung ab, für den 32-Jährigen hütete der Youngster Diant Ramaj das Tor. Der 21-Jährige hatte bis dato nur ein einziges Bundesligaspiel auf dem Buckel, vor Jahresfrist feierte er beim 1:1 in Augsburg ein ordentliches Debüt. Ramaj, so viel vorneweg, machte seine Sache ausgesprochen gut. Er strahlte Ruhe und Souveränität aus, von Nervosität keine Spur.

Der frühere Heidenheimer gilt generell als Keeper mit großem Potenzial und Talent, auch mit großen Selbstvertrauen. Aber bisweilen ist er auch ein ganz schöner Hitzeblitz, übermotiviert. In Breisgau indes war er kühl wie ein Eisblock. Einer hatte es schon vorher gewusst, Trainer Oliver Glasner. „Wir haben allergrößtes Vertrauen in Diant. Ich bin überzeugt, dass er seine Sache gut macht“, sagte der Österreicher vor dem Anpfiff.

Nachdem Schiedsrichter Deniz Aytekin die Partie dann freigegeben hatte, entwickelte sich erst mal ein recht zähes Treiben auf dem Platz. Die Freiburger waren sichtlich darum bemüht, gleich eine Reaktion auf die schlimme 0:6-Züchtigung in Wolfsburg zu zeigen. Sie wirkten entschlossener und druckvoller, aber auch nicht wirklich gewitzt oder zwingend. Und die Gäste aus Hessen fanden, wie schon beim mühevollen Auftakt gegen den FC Schalke 04, gar nicht in die Partie. Ballstaffetten waren selten, Kombinationen ebenfalls, alles wirkte sehr angestrengt und ruckelig.

Kein Wunder, dass die Schwarzwälder sich dem Eintracht-Kasten eher annäherten als das umgekehrt der Fall war. Stürmer Lucas Höler gab einen ersten Warnschuss ab, freilich zu zentrale und leichte Beute für Ramaj (20.), anschließend bugsierte Ritsu Doan eine scharfe Flanke übers Tor und nicht hinein (28.).

Die Eintracht beschränkte sich bis dahin ausschließlich aufs Verteidigen, in der Offensive war von ihr nichts zu sehen. Und hinten wackelte Abwehrchef Hrvoje Smocic gewaltig. Unverständlich, weshalb er abermals den Vorzug vor Routinier Makoto Hasebe erhielt. Der Kroate war es auch, der die Freiburger kurz darauf um ein Haar zum Toreschießen eingeladen hätte, doch Keeper Ramaj reagierte hellwach und spitzelte Höler den Ball vom Fuß (31.).

Der Freiburger Torwächter Mark Flekken hätte sich derweil eine Hängematte zwischen seine Pfosten spannen können, die Frankfurter, dieses Mal von Djibril Sow als Kapitän angeführt, brachten lange gar keinen Schuss auf seinen Kasten – bis zur 42. Minute. Da schnappte sich Durchstarter Randal Kolo Muani nach einer unübersichtlichen Situation den Ball, tänzelte an der Strafraumgrenze entlang und schlenzte die Kugel dann sehenswert und überlegt hinein ins Freiburger Tor. Ein sehenswerter Treffer. Kolo Muanis sechstes Bundesligator, hinzu kommen zwölf Vorlagen – das ist Spitze. Verdient war das Halbzeitresultat nur bedingt, aber das störte im Eintracht-Lager niemand.

Und so fluffig ging es auch nicht weiter, nach dem Seitenwechsel dauerte es nicht mal 120 Sekunden, ehe der Ball im Netz der Gäste zappelte. Nach einer Flanke war es Nationalspieler Matthias Ginter, der den Ball ins Tor köpfte – zuvor hatte Smolcic das Abseits aufgehoben und der matte Daichi Kamada den Freiburger Verteidiger aus den Augen verloren. Und die Eintracht, noch lange nicht in der Galaform wie im alten Jahr, konnte sich glücklich schätzen, dass SC-Stürmer Michael Gregoritsch nach 62 Minuten den Ball per Volleyabnahme freistehend neben das Gehäuse setzte – vor einem Jahr hatte er, noch im Dress des FC Augsburg, besser gezielt und den Ball rotzfrech in die kurze Ecke des Eintracht-Tores gejagt. Es war der erste Bundesligatreffer, den Keeper Diant Ramaj überhaupt schlucken musste.

Die Eintracht brachte weiterhin nicht viel zustande, blieb zumindest im Ansatz gefährlich. Dass sie nicht viele Chance benötigt, um eiskalt zuzuschlagen, hat sie inzwischen häufiger bewiesen. Gestern im Breisgau sollte es bei dem einen Treffer bleiben. Am Samstag steht das nächste Spitzenspiel an, dann geht es zu den angeschlagenen Bayern - der Rückstand beträgt weiter fünf Punkte.

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