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Buta und Borré trumpfen bei Eintracht Frankfurt auf - Mit Hilfe des Mental-Gurus

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

Die Bankangestellten Aurelio Buta und Rafael Borré entscheiden die Partie und stehen exemplarisch für den Mannschaftsgeist von Eintracht Frankfurt.

Frankfurt – Dieses doch eher trübselige Bundesligaspiel in der Kühltruhe Waldstadion hat für die noch im Winterschlaf befindliche Frankfurter Eintracht dann doch noch ein paar positive Aspekte abgeworfen. Da wäre, erstens, der schmucklose 3:0-Sieg gegen Schalke 04 als solcher, der drei wichtige Punkte bringt, die die Hessen, zweitens, auf Platz zwei des Klassements gespült haben. Da wäre, drittens, die Weiße Weste des doch arg ehrgeizigen Schlussmanns Kevin Trapp, der, viertens, gezeigt hat, dass mit ihm trotz einiger Unruhe auch im neuen Jahr zu rechnen sein wird. „Toller Torwart“, fabulierte SO4-Coach Thomas Reis. Solcher Hexer zwischen den Stangen bedarf es, will man sich ganz oben einnisten oder sich sogar an die Fersen der Bayern kleben.

Und der mühselig errungene Erfolg war, fünftes, einer, den die Bankangestellten aus der zweiten Reihe sichergestellt haben. Rafael Borré und Aurelio Buta, Torschützen zum 2:0 und 3:0. Deckel drauf. Ende Gelände. „Das hat mich ganz besonders gefreut“, sagte Trainer Oliver Glasner. „Dieser Mannschaftsgeist war ganz sicher das Positivste an diesem Nachmittag.“

Erster Einsatz, erster Treffer: Für Aurelio Buta verlief das Debüt im Eintracht-Trikot wie in einem Märchenbuch.
Erster Einsatz, erster Treffer: Für Aurelio Buta verlief das Debüt im Eintracht-Trikot wie in einem Märchenbuch. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Eintracht Frankfurt: Glasner lobt Borré

Sinnigerweise hatte der Fußballlehrer in der Mannschaftsbesprechung vor der ersten Partie im neuen Jahr genau dieses Thema behandelt, weil er spürte, dass da Bedarf war, vielleicht sogar, dass etwas brodelte und gärte. „Bei dem einen oder anderen war schon der Kopf unten, weil er nicht gespielt, aber sehr gut trainiert hat“, gab der Coach zu bedenken. In erster Linie dachte Glasner da an Stürmer Rafael Borré, der eine fürwahr exzellente Vorbereitung hingelegt hat, mit Feuereifer und höchstem Engagement bei der Sache war. Doch an Senkrechtstarter Randal Kolo Muani führt derzeit nun mal kein Weg vorbei.

„Rafa war vom ersten Tag an wahnsinnig agil und hat sehr, sehr gut trainiert“, betonte der Österreicher. „Er hätte es sich verdient zu spielen.“ Doch der Kolumbianer hat sich nicht hängengelassen, nach seiner Einwechslung auch auf dem Feld seine gute Form bestätigt. Die Folge: cleverer Treffer zum 2:0, blitzsaubere Vorarbeit zum 3:0. „Das ist eine Reaktion, von der die Mannschaft profitiert“, lobte der Trainer und befand dann, ganz allgemein: „Wir werden jeden Spieler benötigen, nur wenn wir es alle gemeinsam anpacken, werden wir ein erfolgreiches Frühjahr spielen.“

Kein Ersatz für Ebimbe bei Eintracht Frankfurt

Das gilt seit Samstag in verstärktem Maße auch für Aurelio Buta, den 25 Jahre alten Rechtsverteidiger. Denn der auf seiner Position spielende Eric Dina Ebimbe verletzte sich gegen Schalke schwerer, zog sich eine Syndesmosebandverletzung zu und wird schon am Montag operiert. Der Franzose wird sicher zwei bis drei Monate fehlen. Einen Ersatz zieht die Sportliche Leitung nicht in Betracht. „Wir sehen momentan keinen Bedarf, auf der Position noch mal was zu machen“, sagt Sportvorstand Markus Krösche.

Umso wichtiger, dass Aurelio Buta rechtzeitig fit geworden ist. Gegen die Königsblauen feierte er sein Debüt mit dem Adler auf der Brust, spielte sehr manierlich mit und stellte mit einem strammen Schuss in den Torwinkel in der Nachspielzeit den Endstand her. Der Portugiese, vor dieser Saison ablösefrei von Royal Antwerpen gekommen, wusste gar nicht wohin mit seinen Emotionen. Er ballte die Fäuste, griff sich an den Kopf und reckte die Zeigefinger gen Himmel. Danke, lieber Gott.

Traum-Debüt für Eintracht Frankfurt-Neuzugang Buta

Es gab im Eintracht-Kosmos keinen, der es dem sympathischen Iberer mit angolanischen Wurzeln nicht gegönnt hätte. „Unfassbar“, befand Christopher Lenz lachend. „Es freut sich jeder für den Jungen – gerade nach dem, was er durchgemacht hat. Dieses Glücksgefühl soll er mitnehmen.“ Die Jubelarie auf dem Platz ging gar so weit, dass Potenzialtrainer Martin Daxl wie von der Tarantel gestochen von der Bank aufsprang und im Vollsprint aufs Feld jagte, um Buta abzufeiern. Da hat offenbar einer großen Anteil an dem beachtlichen Comeback des Spielers. Die Aufgabe des renommierten Reflexionscoaches: die Optimierung des Leistungspotenzials sowie Stärkung der Persönlichkeit. Sein Leitspruch: Der Spaß ist der Treibstoff zum Erfolg. Negative Gedanken sind Störfelder. Muss bei Buta ja geholfen haben.

Denn der Abwehrmann hat ein verdammt hartes Jahr hinter sich. In Belgien zog er sich erst einen Muskelriss zu, anschließend verlief eine Knie-OP nicht so, wie sie hätte verlaufen sollen. Das Gelenk reagierte, Keime bildeten sich, Buta kam nicht auf die Beine. An Fußball war nicht zu denken. „Auch den Rückschlag hat er verarbeitet, das zeigt seine mentale Stärke“, betonte Krösche.

Buta neue Option für die Rückrunde von Eintracht Frankfurt

Buta selbst dankte seiner Familie, „die mir durch diese Zeit geholfen hat“. Und hob seine Einstellung hervor. „Ich habe hart gearbeitet“, sagte er und schickte, wenn man so will, schöne Grüße an Mental-Guru Martin Daxl. „Ich bin immer positiv geblieben.“ Sein Wunsch fürs neue Jahr? „Einfach nur gesund bleiben.“ Klingt logisch.

Manchmal reicht auch die Pike für ein Bundesligator: Rafael Borré macht gegen Schalke seinen zweiten Saisontreffer.
Manchmal reicht auch die Pike für ein Bundesligator: Rafael Borré macht gegen Schalke seinen zweiten Saisontreffer. © IMAGO/Jan Huebner

Noch fast eine Stunde nach dem Abpfiff hatte sich das Hochgefühl nicht verflüchtigt, Adrenalin pumpte durch seinen Körper. „Ein überwältigendes Gefühl“, sagte er. „Ich kann mir nichts Besseres vorstellen.“ Wunderdinge sollte man von ihm freilich nicht erwarten, aber ein Anfang ist gemacht – und was für einer. (Ingo Durstewitz, Thomas Kilchenstein)

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