Eintracht Frankfurt gegen Bochum
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Tuta von Eintracht Frankfurt im Zweikampf mit Bochums Anthony Losilla.

Bundesliga

Eintracht rutscht in den Abstiegskampf

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Das Auf und Ab geht weiter: Nach dem Höhepunkt in der Europa League verliert Eintracht Frankfurt mit einer bedenklichen Leistung beim Aufsteiger VfL Bochum.

Bochum – Nun ist also selbst der Aufsteiger aus Bochum besser, zwei Punkte zwar nur in der Tabelle der Fußball-Bundesliga, aber immerhin. Die Frankfurter Eintracht, die Mannschaft mit den zwei Gesichtern, präsentierte sich am Sonntagabend nur drei Tage nach ihrem überzeugenden Erfolg in der Europa League gegen Piräus in einer bedenklichen Verfassung und verlor im Stadion an der Castroper Straße nicht unverdient mit 0:2 (0:1). Nur zur Einordnung: Die vergangenen fünf Pflichtspiele gegen den VfL konnten die Hessen allesamt für sich entscheiden, die letzte Niederlage gegen den Ruhrpottklub datierte gar vom 16. Mai 2009, mehr als zwölf Jahre ist das her, der Frankfurter Trainer damals hieß noch Friedhelm Funkel.

Auch an diesem neunten Spieltag also setzte sich die wilde Achterbahnfahrt, das Auf und Ab der insgesamt so dürftigen Spielzeit aus hessischer Sicht weiter fort. Die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner wähnte sich zwar schon häufiger auf dem richtigen Weg, riss und reißt sich das mühsam Aufgebaute dann aber viel zu häufig wieder selbst ein. So auch in Bochum. Spielerisch gelang es den Frankfurter kaum, den tiefstehenden Gegner auszuspielen, sich Torchancen zu erarbeiten, und letztlich den Kontrahenten zu bezwingen. Das niederschmetternde Resultat: Im Tableau zogen die Bochumer durch ihren Heimsieg an der Eintracht vorbei, die mittlerweile 15. ist mit lediglich zwei Zählerchen Vorsprung auf den Relegationsrang. Vorsicht, ach was, große Vorsicht sollte darob geboten sein.

Eintracht Frankfurt: Sebastian Rode ist nach dem Abpfiff bedient

Der eingewechselte Kapitän Sebastian Rode war nach dem Abpfiff sichtlich bedient und wählte mahnende Worte: „Wir haben den Kampf nicht angenommen“, sagte der 31-Jährige. „So sieht man dann ein Spiel mit Bundesligafußball von Bochum gegen eine harmlose Eintracht.“ Und weiter: „Ich hoffe, dass jetzt jeder gemerkt hat, was in der Bundesliga abgeht und wie man da Fußball spielen muss.“ Ein eindringlicher Appell des Anführers, der nicht ungehört verklingen sollte. Da lässt einer schon jetzt die Alarmglocken schrillen. Zu Recht.

Im Ringkampf: Frankfurts Martin Hinteregger gegen Bochums Sebastian Polter.

Im Vorfeld der Partie hatte Oliver Glasner seinen Trainerkollegen Thomas Reis ganz offenbar ein wenig in die Irre führen wollen, jedenfalls bewahrheiteten sich die freitäglichen Bedenken des Frankfurter Übungsleiters am Sonntagabend nicht. Das vermeintlich angeschlagene Quartett um Makoto Hasebe, Djibril Sow, Almamy Touré und Tuta konnte auflaufen. Glasner bot gar die identische Startelf wie noch am Donnerstag in der Europa League auf - eher ungewöhnlich, in diesem Falle aber verständlich. Da hatte sich gegen Piräus ein Team eingegroovt, das den Schwung mitnehmen und sich erneut bewähren sollte. „Die Jungs sind fit, sie haben alles dafür getan, wieder frisch zu sein“, begründete Glasner.

Eintracht Frankfurt: Beim Gegentor steht Almamy Touré neben sich

Eine Einschätzung, die nicht standhielt. Die Eintracht kam mies in die Partie hinein, richtig mies sogar. Tuta spielte sofort unbedrängt einen Ball ins Seitenaus, dann Filip Kostic, ehe nach nicht mal drei Minuten Almamy Touré, der – überspitzt formuliert – beste Bochumer, entscheidend einnickte. Statt entweder Danny Blum zu verfolgen oder den ehemaligen Frankfurter ins Abseits laufen zu lassen, entschied er sich für den rückstandbringenden Mittelweg. Blum also spritzte in den freien Raum hinter der Dreierabwehrkette, Touré verweilte seelenruhig, und ließ den Bochumer Außenangreifer freistehend durch die Beine von Torwart Kevin Trapp einschießen - das 0:1 aus hessischer Sicht, der größtmögliche Fehlstart in diese Begegnung. Die Frankfurter immerhin erholten sich mental recht rasch von diesem frühen Rückschlag, zwar nicht alle Spieler, da irrlichterten doch drei, vier Männer bedenklich über den Rasen, aber zumindest in der Gesamtheit.

Der VfL warf das rein, was er reinzuwerfen vermag: Laufstärke, Zweikampfhärte, Leidenschaft. Bezeichnend fürs harmlose Spiel der hessischen Gäste: Alleine das reichte schon zur Bochumer Pausenführung. Die Frankfurter verzettelten sich viel zu oft, waren ungenau in ihrem Passspiel, was freilich nicht erst seit Sonntagabend ein Problem darstellt. Die ganze Saison schon verdaddelt die Eintracht viele Angriffe aufgrund leichtfertiger Ballverluste.

Eintracht Frankfurt: Goncalo Paciencia verschießt den Elfmeter

Die beste Ausgleichschance vor der Pause ließ Goncalo Paciencia bei einem ruhenden Ball liegen. Nach einem Handspiel des Bochumer Stürmers Sebastian Polter schnappte sich Paciencia die Kugel und verbockte es. Manuel Riemann, Keeper des VfL, lag schon auf dem Boden, als der Frankfurter ihm den Ball in die Arme passte (11.). Schlechter, das muss so klar benannt werden, lässt sich ein Strafstoß kaum schießen.

Der Nebeneffekt: Nach zuvor 18 verwandelten Bundesliga-Elfmetern beendete Paciencias Fehlversuch auch diese Frankfurter Rekordserie. Letztmals war zuvor Marco Fabian im April 2017 gegen Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach gescheitert.

Eintracht Frankfurt: Daichi Kamada trifft nur den Pfosten

Mit Ausnahme des Elfmeters hatte die Eintracht in den ersten 45 Minuten wenig bis nichts Gefährliches zu bieten. Die offensiven Unterschiedsspieler Filip Kostic und Daichi Kamada erwischten einen gebrauchten Tag. Die Eintracht verhedderte sich zudem von Minute zu Minute mehr in den garstig geführten Zweikämpfen - und gewann nur 40 Prozent. Gerade der willige Rafael Borré rieb sich auf, steckte ein, sogar ein rotwürdiges Nachtreten von Elvis Rexhbecaj, das weder vom Schiedsrichter noch von dessen Videoassistenten erkannt und geahndet wurde. Stattdessen gab es Freistoß für Bochum – seltsam, unverständlich, schlicht falsch.

Den zweiten Abschnitt, den die Eintracht ohne die angeschlagenen sowie ausgewechselten Paciencia und Kristjan Jakic bestreiten musste, begannen die Gäste engagierter, sie drückten den VfL nun deutlich tiefer in dessen Hälfte. Die nächste echte Chance ließ jedoch auch wieder bis in die 74. Minute auf sich warten. Der eingewechselte und erneut schwache Sam Lammers köpfte aufs Bochumer Tornetz. Während die Hausherren einige gute Kontergelegenheiten liegen ließ, verpasste in der Schlussphase Daichi Kamada den möglichen Ausgleichstreffer. Der ansonsten recht blasse Spielmacher dribbelte sich gekonnt frei und feuerte den Ball an den Pfosten - klong, die letzte Frankfurter Chance war verpufft, die nächste, bittere, auch alarmierende Pleite besiegelt. Das 2:0 von Sebastian Polter in der Nachspielzeit bedeutete da nur das geringste Übel aus hessischer Sicht. (Daniel Schmitt, Ingo Durstewitz)

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