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Der stete Aufstieg des Kofi Kyereh

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Von: Jakob Böllhoff

Endlich oben angekommen: Freiburg Daniel-Kofi Kyereh. Foto: AFP
Endlich oben angekommen: Freiburg Daniel-Kofi Kyereh. Foto: AFP © Raul Arboleda/afp

Beim SC Freiburg, Gegner von Eintracht Frankfurt, ist der Nationalspieler Ghanas endlich in Liga eins angekommen.

Auch Kofi Kyereh ging verloren in der Autostadt, trotz bester Ortskenntnis. Aus allen möglichen Perspektiven hatte er das Stadion des VfL Wolfsburg ja schon erlebt, er war dort Einlaufkind, Balljunge und Zuschauer. Nun betrat er den Rasen zum ersten Mal als Fußballprofi, zu Gast mit seiner Mannschaft, dem SC Freiburg. Ein stolzer Moment für den ehemaligen Jugendspieler des VfL. Für etwa eine Minute. Dann erzielte Wolfsburg das erste Tor, bald gefolgt vom zweiten Tor und vom dritten und schließlich von allen anderen, und am Ende musste Kyereh die bittere Erkenntnis ereilen, dass er auch bei diesem Besuch in der Wolfsburger Arena nicht über die Rolle eines Statisten hinauskommen würde.

Keinem Freiburger dürfte die 0:6-Niederlage zum Wiederbeginn der Bundesliga am vergangenen Samstag so wehgetan haben wie Kyereh. Für den 26-Jährigen Edeltechniker war es die Rückkehr an jenen Ort, wo 2014 sein Traum vom Profifußball zu platzen schien. Der VfL sortierte ihn damals trotz offensichtlicher Begabung aus seiner Akademie aus – weil „ich vom Kopf her nicht reif genug war“, wie Kyereh inzwischen selbst sagt. Wegen einer Verletzung scheiterte zudem der Wechsel in die A-Jugend des Hamburger SV. Stattdessen: TSV Havelse, vierte Liga.

Aber er ist dann stetig nach oben gekraxelt auf der Karriereleiter, Station für Station, Liga für Liga, mit einem ganz eigenen Rhythmus. Regionalliga in Havelse, bis 2018: 61 Spiele, 16 Tore. Dritte und zweite Liga beim SV Wehen Wiesbaden: 62 Spiele und 21 Tore. Zweite Liga mit dem FC St. Pauli, 2020 bis 2022: 63 Spiele, 21 Tore. In aller Ruhe hat er sich angepasst an die wachsenden Anforderungen, körperlich vor allem, am Fußballerischen hat es ohnehin nie gemangelt.

Bei St. Pauli hatte Kyereh als Individualist beeindruckt, auch der VfB Stuttgart, Borussia Mönchengladbach und vor allem Werder Bremen wollten ihn deshalb haben. Doch Freiburg reizte mit der sportlichen Perspektive eines Europa-League-Teilnehmers und dem Trainer Christian Streich, der als Bessermacher bekannt ist. Und andersherum: Die Freiburger wollten Kyereh unbedingt, um spielerisch voranzukommen.

Starker Techniker

Dafür ist der Techniker gut zu gebrauchen. Er ist ballsicher, kann das Spiel mit einem Kontakt beschleunigen, kann aber auch selbst ins Dribbling gehen. Dazu ein herausragender linker Fuß und ein guter rechter. Kyereh ist eine Art Rundum-sorglos-Paket als hängende Spitze, jedenfalls in der Theorie. In der Praxis benötigt er dafür einen gesunden Körper, den hatte er noch nicht, seit er nach Freiburg kam. Am Anfang Rückenschmerzen, dann ständig muskuläre Probleme.

Dass Streich ihn immer aufstellte, wenn es die Gesundheit zuließ, zeigt Kyerehs Stellenwert beim SC. Bislang kommt er auf zehn Einsätze in der Bundesliga (zwei Tore) und vier in der Europa League (ein Tor). Mit Ghana, Heimatland des Vaters, nahm er an der WM in Katar teil, in allen Gruppenspielen wurde er eingewechselt. Mehr war nicht drin, weil Kyereh nicht fit genug war und Ghana in der Vorrunde ausschied.

Den wahren Kyereh, sagen in Freiburg alle, die ihn täglich im Training erleben, hat die Öffentlichkeit noch nicht gesehen. Die Vorbereitung aufs neue Jahr verlief gut, er hat jetzt seinen Körper dabei. Der Start ins Jahr verlief miserabel, auch wenn er in Wolfsburg in einer unterirdischen Freiburger Mannschaft noch einer der etwas weniger Schlechten war. Und wie man sich wieder aufrafft, wenn man in Wolfsburg auf die Nase geflogen ist – wer wüsste es besser als Kofi Kyereh.

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