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Eintracht Frankfurt: Die Antwort auf alles

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Von: Thomas Stillbauer

So, liebe Eintracht-Fans: Wenn ihr nach Sevilla wollt, fahrt hin. Aber Tickets bitte erst besorgen, wenn es wirklich vollbracht ist gegen West Ham.
So, liebe Eintracht-Fans: Wenn ihr nach Sevilla wollt, fahrt hin. Aber Tickets bitte erst besorgen, wenn es wirklich vollbracht ist gegen West Ham. © dpa

Eine Lehre aus der jüngeren Eintracht-Vergangenheit: Bloß nicht schon vor dem Halbfinale die Karten fürs Finale besorgen!

Gesundheit, liebe Leserinnen und Leser! Und Gesundheit vor allem für unsere Kicker mit dem Adler auf der Brust, denn darum ging es ja nun offenbar in den vergangenen zwei, drei, sieben Bundesligaspielen der Eintracht: gesund und unverletzt bleiben für Europa. Das dürfte geklappt haben.

Falls nicht einer der Jungs noch schnell im Supermarkt war oder Kinder im schulpflichtigen Alter hat. Sie wissen schon. Die Maskenpflicht, die vergangene. Und die Tests in der Schule, die ehemals täglichen. Das Leben ist nicht leicht, im Gegenteil. Es lauern so viele Gefahren, Kriegstreiber und Menschenfeinde. Da täte ein entspannter Heimsieg gegen West Ham doch gut. Meinetwegen auch ein Unentschieden. Wir sind ja gar nicht so. Hauptsache, man macht alles richtig. So wie in den bisherigen Europapokal-Halbfinals der Eintracht.

1960 beispielsweise, in den zwei Spielen gegen die Glasgow Rangers, habe ich gar nichts gemacht. Ich war einfach noch nicht auf der Welt. Das genügte für den ausgesprochen lockeren Einzug ins Endspiel. Eine gute Taktik übrigens, die sich für viele bis ins relativ späte 20. Jahrhundert ausgezahlt hat: einfach gar nichts machen und warten, bis einen jemand fragt, ob man beispielsweise bei einer Zeitung arbeiten möchte. Das geht heute nicht mehr so einfach, zugegeben. Heute muss man sich überall anstrengen.

Apropos relativ spätes, wenn auch noch nicht ganz so spätes 20. Jahrhundert: 1980 habe ich im Europapokal-Halbfinale gegen Bayern München durchaus etwas gemacht. Ich war beim Rückspiel im Waldstadion. War ein netter Abend. Als eine der schönsten Szenen hab ich bis heute im Kopf, wie Bruno Pezzey beim Stand von 5:1 den Ball übers Dach der Haupttribüne knallt. Oder war es Werner Lorant? Das kann auch sein – und Pezzey war der Mann mit der Sensationsgrätsche. In beiden Fällen jedenfalls: Riesenjubel.

Was ich beim Rückspiel 1980 noch nicht hatte, war: das Ticket fürs Finale. Damals konnte man nämlich nach einem gewonnenen Semifinale einfach in Bernd Nickels Eintracht-Shop an der Bethmannstraße gehen und sich eine Stehplatzkarte fürs Finale besorgen. Heute undenkbar. Heute musst du in siebter Generation Vereinsmitglied, nie bei Rot über die Straße gegangen und der beste Freund von Michel Platini, ach Moment, nein, von Aleksander Ceferin sein (das ist der Uefa-Präsident), um das Billet für so ein Endspiel zu kriegen.

Oder du gewinnst in einer Lotterie. Das gelang mir 2019. Ich habe nicht eins, nicht zwei – ich habe vier Karten fürs Europa-League-Endspiel 2019 in Baku gewonnen. Gut, bezahlen musste ich sie trotzdem. Und dann nur noch das Halbfinale gewinnen. Nur noch das Rückspiel überstehen. Sebastien Haller musste nur noch eine seiner zwei Riesenchancen .... Hinti hätte nur seinen Elfer ...oder Goncalo ...

Wir alle kennen das Ende. Was daraus folgt: Bloß nicht schon vor dem Halbfinale die Karten fürs Finale besorgen! Jedenfalls gilt das für mich. Und habe ich Karten für Sevilla? Habe ich nicht. Na also. Beste Voraussetzungen.

Abgesehen davon sprechen auch die Zahlen für uns. Zahlenspiele sind wichtige Hinweisgeber. 2018 vor dem Pokalfinale habe ich auf dem Berliner Breitscheidplatz jedem und jeder erzählt, der/die noch nicht durch warmes Dosenbier in der Konzentration beeinträchtigt war, dass gar nichts schiefgehen kann: Es ging um Bayern Münchens fünfte Niederlage in einem DFB-Pokalendspiel – und für die Eintracht um den fünften Sieg. Welches Schicksal wollte gegen diese plausible Rechnung ankommen?

Das Zahlenspiel in diesem Jahr: Vor 42 Jahren standen wir zuletzt in einem europäischen Endspiel. Und 42, fragt Douglas Adams, Jeschäftsfreunde, 42 ist bekanntlich die Antwort auf alles. Schönen Abend allerseits. (Thomas Stillbauer)

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