Eintracht Frankfurt
+
Timothy Chandler und Eintracht Frankfurt wollen den Schwung des Auswärtssieges in München mitnehmen.

Bundesliga

Eintracht Frankfurt: Hertha BSC angeschlagen – SGE will Schwung nutzen

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
    schließen

Eintracht Frankfurt will den Schwung vom Sensationscoup in München mitnehmen und die Weichen stellen für eine gute Saison – aber Vorsicht ist geboten.

Frankfurt – Timothy Chandler hat’s kapiert, zumindest sagt er das so, die mahnenden Worte des Trainers sind offenbar angekommen beim Spieler. Motto: Jetzt aber bitte, bitte nicht das Erreichte leichtfertig wieder wegschleudern, diesen Sensationscoup von München. Nein, auf gar keinen Fall soll das passieren. „Am Wochenende müssen die drei Punkte zu Hause bleiben, sonst hat uns das Bayern-Spiel nicht viel gebracht“, erklärt Chandler, aktuell wieder so etwas wie eine Stammkraft beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Und ein Vorredner der hessischen Fußballtruppe sowieso.

Also sagt Timothy Chandler hoffnungsvoll vor dem samstäglichen Heimauftritt gegen die Berliner Hertha: „Ich hoffe, dass uns dieser Sieg in München noch eine Weile trägt und uns Selbstvertrauen gibt. Tatsächlich werden wir immer noch darauf angesprochen, viele sind überglücklich, es dort mal wieder nach 20 Jahre geschafft zu haben.“ In der Tat.

Es geht für Eintracht Frankfurt in naher Zukunft darum, den Oktober möglichst zu einem golden glänzenden zu veredeln – klingt abgedroschen, ist es wohl auch, trifft aber so ziemlich zu. Der Stolperstart mit all den verflixten Eins-zu-Eins-Spielen sollte nun dringlichst und endgültig vergessen gemacht, der Schwung nach dem 1:0 in Antwerpen und vor allem dem 2:1 beim FC Bayern mitgenommen werden. Das hat der Frankfurter Trainer Oliver Glasner bereits Minuten nach dem Erfolg gegen den deutschen Rekordmeister betont, und es den Spielern ganz offenbar gleich wieder zu Beginn dieser Vorbereitungswoche auf das Hertha-Spiel eingetrichtert. „Wir haben gesehen, dass unser Level hoch ist. Wenn man in München gewinnt, hat man automatisch Selbstvertrauen, das müssen wir gegen Berlin nutzen“, sagt Jens Petter Hauge.

Eintracht Frankfurt gegen angeschlagene Berliner

Es ist ja nicht so, dass die Sorge des unfreiwilligen Lockerlassens nach einem Erfolg gegen die Bayern ganz unbegründet wäre. Die jüngere Vergangenheit zeigt, dass Vorsicht geboten sein sollte. Etwa als die Frankfurter im Frühjahr dieses Jahres mit 2:1 gegen die Bayern gewannen (Der große Tag des Amin Younes’ – eigentlich der letzte des Dribblers seither) folgte eine überraschende Niederlage beim Abstiegskandidaten Werder Bremen (1:2). Oder, ein anderes Beispiel: An die 5:1-Heimgala im Herbst vor zwei Jahren schlossen sich sieben Ligapartien ohne Sieg an.

Eintracht gegen Hertha

Fredi Bobic und Markus Krösche – Ein anderer Stil

Chandler warnt daher lieber eindringlich vor den Berlinern, lediglich Vierzehnter in der Tabelle: „Eigentlich ist Hertha eine gute Truppe, sie haben momentan nur keinen guten Lauf. Trotzdem ist die Hertha ein Team mit viel Qualität. Ähnlich wie es bei uns war, wollen sie endlich einen Sieg erzwingen. Das wollen wir verhindern und endlich einen Heimsieg landen.“ Auch die Eintracht hat ja nur zwei Zählerchen mehr gesammelt bisher als die Hauptstädter, ist Dreizehnter. Das darf bei allem Lob für die vergangenen beiden Erfolge nicht vergessen werden.

Ein Schwergewicht des deutschen Fußballs aber kommt am Samstag gewiss nicht auf das Glasner-Team zu, auch wenn sich die Hertha diesen Statuts lieber vorgestern statt gestern selbst verliehen hätte. Eigentlich seit Jahren taumeln die Berliner von Krise zu Krise, kurze Zwischenhochs sind rar und bleiben wirklich sehr kurz.

Gerade wieder gibt es reichlich Diskussionen um das Berliner Führungspersonal: Der CEO Carsten Schmidt verschwindet bald „aus privaten Gründen“ aus der Hauptstadt, Trainer Pal Dardai sollte tunlichst in Frankfurt gewinnen, will er nicht das gleiche Schicksal unfreiwillig teilen. Und Prince Boateng, dem alternden Anführer der Berliner Fußballer, wurde gar vom Lodda, dem TV-Experten Matthäus, die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. „Frech“ sei die Aussage, entgegnete der 34-Jährige Ex-Eintrachtler auf seiner mittlerweile 15. Station. Alles in allem also: Hertha BSC - ein machbarer Gegner, ohne Wenn und Aber.

Auch anschließend stehen für die Frankfurter gleichermaßen wichtige wie anstrengende Wochen bevor, welche, in denen eine Richtung eingeschlagen werden kann - national und international. So ein dritter Pflichtspielsieg am Stück würde da gewiss für die nötige Ruhe und Selbstvertrauen sorgen. Auf das Berlin-Spiel folgt kommenden Donnerstag jenes in der Europa League gegen Olympiakos Piräus, den wohl schwierigsten Gegner der Gruppe, und schließlich wiederum zwei Wochen später das Rückspiel in Griechenland. Zwei Siege, natürlich völlig hypothetisch zum jetzigen Zeitpunkt, und die Gruppenphase wäre quasi überstanden. Reine Zukunftsmusik, ebenso wie das auf Berlin folgende Gastspiel in Bochum, einem ebenfalls schlagbaren Kontrahenten. Kann der Oktober also tatsächlich zu einem goldenen werden für Eintracht Frankfurt?

Noch eine letzte Mahnung vor allzu großem Übermut: Vor bald 21 Jahren nämlich, damals als die Eintracht zuvor letztmals sensationell in München triumphierte, folgte nur sieben Tage später die große Ernüchterung. Mit 0:4 verloren die Hessen im heimischen Waldstadion. Der Gegner war, wie passend, Hertha BSC mit ihrem Mittelfeldantreiber Pal Dardai. Aber keine Sorge, das war schließlich im trüben November und nicht im Oktober. (Daniel Schmitt)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema