Jesper Lindström, Witzbold ohne Bizeps. afp
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Jesper Lindström, Witzbold ohne Bizeps.

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Lindström, Lammers und Co.: Eintracht Frankfurt-Neuzugänge im FR-Check

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Von Fabio Blanco bis Kristjan Jakic: Ein Leistungscheck der geholten Neuzugänge von Eintracht Frankfurt, der – vorab verraten – Spielraum für Steigerungen lässt.

Frankfurt - Sebastian Rode, der Kapitän von Eintracht Frankfurt, der schon unter solch Trainergrößen wie Pep Guardiola, Thomas Tuchel oder - lang ist’s her - Christoph Daum lernte, wies gerade erst im FR-Interview noch einmal darauf hin, was beim hessischen Fußballbundesligisten nötig sei in absehbarer Zukunft: Geduld. Nicht mit ihm, auch wenn der 31-Jährige diese nach seiner Knie-OP selbst braucht, sondern bezüglich der vielen neuen und jungen Kollegen. Gute Ansätze hätten sie, so Rode, „aber es ist dann halt doch etwas anderes, Bundesliga zu spielen“.

Soll heißen: Wegen der Verjüngung des Kaders, im Sommer vorangetrieben vom neuen Sportvorstand Markus Krösche, sollten die Erwartungen nicht zu hoch sein. „Man kann nicht erwarten, dass man dann ganz oben angreift“, sagt Rode, was freilich kein Freifahrtsschein für eine langweilige Runde sein soll. Das Team wurde umgekrempelt, Stammkräfte gingen, Leihspieler kehrten zurück, neun externe Zugänge kamen. Ein Leistungs-check der geholten Neuen, der – vorab verraten – Spielraum für Steigerungen lässt.

Eintracht Frankfurt: Rafael Borré kämpft sich rein

Rafael Borré (773 Einsatzminuten/1 Tor/1 Vorlage): Hat sich ein Fleißsternchen verdient, nur Djibril Sow läuft bei der Eintracht mehr, dafür aber nicht so schnell. 183 Sprints schon, die siebtmeisten aller Bundesligakicker, dazu 459 intensive Läufe, kein Frankfurter flitzt häufiger. Das ist gut. Weniger gut dagegen seine Abschlüsse, 17 bereits an der Zahl in der Liga, von denen nur einer im Netz zappelte. Zu wenig für einen Stürmer, der vorne nicht mehr alleine stürmen sollte. Das taugt ihm nicht. Trotzdem: Die Fantasie ist da, dass sich der Kolumbianer nachhaltig durchsetzen kann in der deutschen Eliteklasse. Den Willen hat er, sollte dafür nur auch an Ort und Stelle sein. Fürs Heimspiel gegen die Hertha am Samstag wird’s schon mal eng, ist Donnerstagnacht noch in Barranquilla gegen Ecuador gefordert.

Jesper Lindström (457/0/1): Braucht Raum für sein Spiel, hatte er aber fast nur gegen Dortmund und Bayern, waren wenig überraschend seine besten Auftritte. Dazu ein elfmeterbringendes Dribbling in Antwerpen. (Noch) nicht bundesligatauglich, verliert die meisten seiner Zweikämpfe (64,6 Prozent), zu verschnörkelt. Lässt sich die Laune nicht verderben, ist ein dufter Typ, positiv, witzig, selbstbewusst. Hat Vertrauen und Zeit verdient, muss sich aber gehörig steigern. Kostete die Eintracht immerhin eine Ablöse von sieben Millionen Euro, teuerster Einkauf im Sommer - ob er das irgendwann sportlich rechtfertigen kann?

Eintracht Frankfurt: Hauge mit vielen Ballverlusten

Jens Petter Hauge (412/2/0): Immerhin schon zwei Tore, gegen Dortmund und Bielefeld, pendelt zwischen Startelf und Ersatzbank. Mal rechts, mal mittig, mal links eingesetzt, hat seinen Platz noch nicht gefunden. Rennt viel, aber auch viel sinnlos herum. Führt ein teaminternes Ranking an, das er lieber nicht anführen sollte: König der Ballverluste, 24 Stück sammelte er schon. Viel zu viel, selbst für einen risiko-suchenden Offensivmann wie ihn.

Kristijan Jakic (481/0/0): Kam spät im August und trumpfte sofort auf. Sahnetag gegen Stuttgart - fußballerisch wie kämpferisch. Seitdem basiert sein Spiel eher auf letzterem, mehr Ruhe am Ball würde ihm helfen. Dennoch: ein Gewinn fürs Team, unumstrittene Stammkraft (auch weil Rode verletzt fehlt), der beste Sommertransfer. Typ Zerstörer mit Herz. Schämt sich auch für Tränchen nicht wie jüngst nach seinem Länderspieldebüt für Kroatien. Kann Bundesliga, das wollte er sich ja unbedingt beweisen.

Sam Lammers, Torjäger mit Hang zum Verzetteln.

Sam Lammers (378/2/0): Die Eintracht-Gemeinde musste lange warten auf den André-Silva-Nachfolger, sie wartet noch immer. Klar, gemessen an der Fabelsaison des Portugiesen kann Lammers quasi nur scheitern, aber ein bisschen mehr darf es dennoch sein. Zwei Tore, okay, darunter ein tolles gegen Fenerbahce, aber auch viel Mühsames. Dribbelt gerne in Gegner rein. Gewinnt 45 Prozent der Kopfballduelle, heißt aber auch, dass er die Mehrzahl verliert. In Bergamo nur Ersatzmann, will sich nun bei der Eintracht empfehlen. Auf Leihbasis geholt, bisher scheint das sinnvoll gewesen zu sein.

Eintracht Frankfurt: Lenz bisher kein Faktor

Christopher Lenz (404/0/0): Profitierte von des Trainers erdachter Systematik mit einer Viererabwehrreihe, ist schließlich der einzige, gelernte Linksverteidiger im Kader. Schaufelte Flanke nach Flanke aus dem Halbfeld in den Sechzehner, hätte einst Bastian Oczipka nicht häufiger machen können. Konstante und solide Leistungen, was nichts Schlechtes sein muss, gelang anderen Neuen nicht. Dennoch kein Mann, der das Eintracht-Spiel auf eine höhere Stufe bringt, rechtfertigt daher eher nicht die Viererkette. Zuletzt verletzt, soll nach der Ligapause wieder mitmischen. Eher einer der Kategorie Masse statt Klasse.

Fabio Blanco, Lehrling mit Wuschelkopf.

Fabio Blanco (0/0/0): Ist ständig im Einsatz, zuletzt am Freitag fürs spanische Nationalteam gegen die Türkei (3:0). Das vierte Länderspiel schon seit Saisonbeginn, dazu fünfmal in der Liga (zwei Tore) am Ball. Blöd: Waren halt Jugendspiele, spanische U18, Frankfurter U19. So hat er sich das sicher nicht vorgestellt, wollte bei den Profis mitmischen, ist aber selbst ab und an im Training außen vor. Zeit zu Entwicklung braucht er, ganz klar, aber eben auch Spiele gegen starke Gegner. Ein bisschen seltsam, dass er so gar keine Rolle spielt. Einerseits. Andererseits kann Oliver Glasner seinen Leistungsstand am besten einschätzen, sollte man einem hochbezahlten Trainer zugestehen. Die wohl nächste Prüfung für den 17-Jährigen: am Samstag gegen die Bayern, die Münchner A-Jugend ist am Riederwald zu Gast.

Diant Ramaj und Jens Grahl (beide 0/0/0): Üben fleißig für den Ernstfall, die beiden Ersatztorsteher, sollte sich die Krake von München, Kevin Trapp, doch mal eine Blessur zuziehen – kaum vorstellbar bei all den unverschämten Eightpacks. Ramaj und Grahl, ein Frischling und ein Alteingesessener, bisher lediglich Trainingsbuddies für Deutschlands Nummer vier. War auch nie anders geplant. Ramaj immerhin, 20, soll weiter herangeführt werden an die Profi-Torwarterei.

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