War nicht immer eine Führungsspielerin: Merle Frohms
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War nicht immer eine Führungsspielerin: Merle Frohms

Eintracht-Torhüterin Merle Frohms

Dirigentin im Tor

  • vonKatja Sturm
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Keeperin Merle Frohms ist die große Konstante bei den Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt / DFB-Pokal-Halbfinale gegen Frohms Ex-Klubs SC Freiburg ist die Chance, eine durchwachsene Saison zu retten

Im wankelmütigen Spiel der Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt wirkt Merle Frohms wie ein Fels in der Brandung. Zwar konnte die 26-Jährige die bislang sieben Niederlagen der Hessinnen in dieser Bundesligasaison nicht verhindern. Doch ihre schnellen Reaktionen und starken Paraden bewahrten den Tabellensiebten oft vor weiteren Rückschlägen. Seltene Schnitzer wie jener, der vor einer Woche bei Bayer Leverkusen die Wende zum Schlechten für die Adlerträgerinnen einleitete, stellen für die ehrgeizige junge Frau nur den Ansporn dar, noch härter an sich zu arbeiten.

Mit ihrem Fleiß hat es die gebürtige Cellerin weit gebracht. Im Tor der Nationalmannschaft wurde sie jüngst von Martina Voss-Tecklenburg als Nummer eins bestätigt, auch wenn die Bundestrainerin vor den Länderspielen am 10. April gegen Australien und am 13. gegen Norwegen einräumte, Bayern-Keeperin Laura Benkarth in Wiesbaden ebenfalls eine Chance zu geben. Frohms selbst sieht sich in einem Prozess. Diesen voranzutreiben, dafür kam sie im Sommer nach zwei Jahren beim SC Freiburg an den Main.

Gegen Ex-Klub SC Freiburg

Im DFB-Pokal-Halbfinale an diesem Samstag (13 Uhr) stehen sich Frohms‘ früherer und aktueller Verein im Stadion am Brentanobad gegenüber. Für die Gastgeberinnen soll das Duell, das über die Teilnahme am Endspiel Ende Mai in Köln gegen München oder den VfL Wolfsburg entscheidet, die bisher enttäuschende Spielzeit retten. „Das wollen wir nutzen und alles reinhauen“, betont die Torfrau. „Vermutlich können wir nach dem Abpfiff vom Platz getragen werden.“

Sie selbst will in den 90 und mehr Minuten davor „keine Freunde“ bei den Gegnerinnen kennen. Obwohl einige zu finden wären. Aus der Nähe von einst könnte sie Kapital schlagen. „Es kommt mir zugute, dass ich noch weiß, wie sie spielen.“ Und wie sie ihre Elfmeter schießen.

Die Begegnung mit dem Ligasechsten wird eine auf Augenhöhe sein. Dass die BWL-Studentin der sonnigen Stadt im Breisgau zugunsten der Bankenmetropole, deren Vorzüge sie pandemiebedingt noch nicht kennenlernen durfte, den Rücken kehrte, hat mit den langfristigen, internationalen Perspektiven zu tun, die sie hier sieht. Zudem erfüllte die Eintracht ihre Forderungen nach einer intensiveren und individuelleren Betreuung. Marcel Schulz steht den Torhüterinnen als hauptamtlicher Torwarttrainer „rund um die Uhr“ für Training und Spielanalyse zur Verfügung.

Wichtig war der populärsten Neuverpflichtung im Sommer darüber hinaus die vorgesehene Rolle. Frohms, die während ihrer 2018 endenden Zeit beim VfL Wolfsburg stets im Schatten ihrer Vorgängerin im DFB-Tor, Almuth Schult, stand, wollte klar als Führungsspielerin wirken und Verantwortung übernehmen.

Den Teamkolleginnen auf dem Platz Anweisungen zu geben und Präsenz zu zeigen – das ist für die gebürtige Niedersächsin nicht selbstverständlich. „Es war früher nicht meine Art, lautstark aufzutreten“, sagt die 1,75 Meter große Blondine. Voss-Tecklenburg kritisierte 2019 sicht- und hörbare Zurückhaltung. Frohms nahm sich das zu Herzen. „Das sind Dinge, die nicht schnell lernbar, aber leicht umzusetzen sind.“ Während bei Defiziten in der Technik der eigene Körper womöglich unüberwindbar im Wege steht, könne an Persönlichkeitsentwicklung jeder arbeiten. „Das ist eine Sache des Wollens“, betont Frohms.

Ihre Eigenmotivation stärkt die spezielle Position. In jedem Spiel spiegele sich das Training während der Woche wider, und „im Tor kann man sich nicht verstecken“. Doch das hat Merle Frohms, die längst als auffällige Dirigentin ihrer Mitspielerinnen wirkt, auch gar nicht vor.

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