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Eintracht Frankfurt: Eigene Jugend wird wieder wichtig

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Von: Ingo Durstewitz

Hat viel vor am Riederwald: Alex Richter.
Hat viel vor am Riederwald: Alex Richter. © Eintracht

Der neue Eintracht-Nachwuchschef Alexander Richter hat große Pläne: „Stöpsel raus, damit mal einer durchkommt“.

Frankfurt – Am Anfang hat sich Alexander Richter, ein Kind des Ruhrpotts, überwinden müssen. Klar, der 51-Jährige ist in Bochum geboren, lebt ganz in der Nähe in Datteln, arbeitete 14 Jahre für den VfL. „Ich bin sehr verwurzelt“, sagt der neue Nachwuchschef der Frankfurter Eintracht. „Deshalb war der emotionale Aspekt schwierig.“ Wegzugehen, was Neues anzufangen, die Familie zurückzulassen. Da war so manche schlaflose Nacht dabei.

Er hätte seinen VfL nicht für jeden x-beliebigen Verein verlassen, da musste ordentlich Wums dahinter sein, Tradition, Renommee, Perspektive. „Die Eintracht habe ich als sympathischen Verein mit großer Strahlkraft wahrgenommen“, sagt er. Daher war es für ihn „eine Ehre“, gefragt worden zu sein. „Das hat mir ein richtig gutes Gefühl gegeben.“ Irgendwann hat er dem Werben von Sportvorstand Markus Krösche nachgegeben. Gut drei Monate ist das nun her, seitdem schuftet er quasi rund um die Uhr und ist mit seiner Entscheidung glücklich. „Ich bereue nix. Ich bin mit Haut und Haaren hier.“

Eintracht Frankfurt: Aymen Barkok schaffte 2016 zuletzt den Sprung zu den Profis

Arbeit gibt es genügend. Die Jugendabteilung der Eintracht hat, defensiv formuliert, nicht den besten Ruf, da soll nun einiges umgekrempelt und verbessert werden. Dass Aymen Barkok der letzte Spieler war, der es 2016 vom Riederwald zu den Profis schaffte, registriert ein Fachmann wie Richter mit einigem Unglauben und auch Unbehagen. „Das ist schon ein bisschen her, das ist zu lange her“, sagt er. „Wir müssen da den Stöpsel aus dem Waschbecken ziehen, damit mal einer durchkommt.“ Das ist sein Ziel, jährlich mindestens ein Talent, „vielleicht auch mal zwei“, zu den Profis zu geben, Spieler, die nicht das Kontingent auffüllen sollen, sondern reelle Chancen haben, sich durchzusetzen. So wie das in Bochum bei Leon Goretzka, Lukas Klostermann oder jetzt Armel Bella-Kotchap war. Der 20-Jährige wechselt nun in die Premier League zum FC Southampton und bringt dem VfL die Rekordablöse von rund zehn Millionen Euro.

Bis dahin ist es bei der Eintracht noch ein langer Weg, „das ist ein Prozess“, befindet der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). „Da muss man vier, fünf Jahre ansetzen.“ Richters Philosophie fußt auf mehreren Pfeilern. Für ihn ist klar, dass „der Spieler im Mittelpunkt stehen muss“, er soll gezielt gefördert werden, eigens dafür ist Ex-Profi und TV-Experte Ralph Gunesch engagiert worden.

Junge Spieler sollen bei Eintracht Frankfurt eine Perspektive haben

Zudem soll der Eintracht kein begabter Spieler mehr durchs Netz gehen, der Fokus liegt klar auf der Region. „Internationale Transfers sind die Ausnahme.“ Und: „Wir müssen unsere Scoutingabteilung so aufstellen, dass wir jedes einzelne Talent sofort erkennen und ihm auch was bieten, nämlich die Chance, nach oben durchzukommen.“ Dazu müsse allein schon die Anzahl der Späher um acht bis zehn erhöht werden, im Vergleich zu anderen Vereinen habe die Eintracht nur ein Drittel des Personals. „Und die Scouts müssen gut sein.“ Dass die Talente woanders hingehen, nach Mainz oder Hoffenheim, dürfe nicht mehr sein. „Die Strahlkraft der Eintracht ist höher als die der anderen Vereine in der Region. Aber wir müssen Vertrauen zurückgewinnen.“ Die Youth League, analog zur Champions League der Profis, ist für die Reputation natürlich nicht schlecht. „Das ist eine Riesengeschichte, für die Entwicklung der Spieler wichtig, es ist ein Bonbon.“ Organisatorisch eine Herkulesaufgabe.

Die Einführung der U21 sei in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung, weil manche Akteure noch mal einen Zwischenschritt brauchten. Das neuformierte Team wird in der Hessenliga an den Start gehen, tabellarisch gibt es kein Ziel, der Aufstieg in die Regionalliga werde erst mal nicht angepeilt. Perspektivisch hält Richter eine zweite Mannschaft in der dritten Liga für sinnvoll.

Durchpusten muss der neue Mann beim Thema Infrastruktur. Das liegt ihm schwer im Magen, denn die Kapazität am Riederwald ist eingeschränkt, es gibt nur drei Trainingsplätze (Mittelwert in anderen NLZ: sechs bis sieben) und nur einen Kunstrasen mit Flutlicht. Unhaltbare Zustände. „Wir müssen ein paar Euro in die Hand nehmen und irgendwo einen Kunstrasenplatz erschaffen.“ Das Problem: Wo genau, weiß er auch nicht. (Ingo Durstewitz)

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