Ist bereit für große Aufgaben: Eintracht-Torwart Kevin Trapp. Foto: Imago images
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Ist bereit für große Aufgaben: Eintracht-Torwart Kevin Trapp.

Europapokal

Eintracht Frankfurt in Europa League: Oliver Glasner liebäugelt mit neuem System

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt ist voller Vorfreude, sich endlich wieder europäisch und gegen namhafte Gegner messen zu können. Wechselt Trainer Oliver Glasner das System?

Frankfurt – Oliver Glasner wird das Beste aus der misslichen Situation machen müssen, nicht unten auf der Trainerbank sitzen zu können, sondern oben in einer Loge. Das hat immerhin zwei Vorteile: Zum einen hat er den deutlich besseren Blick von der Tribüne als seine beiden Vertreter, die Herren Co-Trainer Ronald Brunmayr und Michael Angerschmid, die Eintracht Frankfurt am Donnerstagabend (21 Uhr im Liveticker und im Livestream) im ersten Europa-League-Gruppenspiel gegen Fenerbahce Istanbul coachen werden. Zum anderen dürfte der Kühlschrank in der Loge bestens gefüllt sein, womöglich gibt es ja nach den 90 Minuten was zu feiern.

Aber „happy“ ist der Trainer der Hessen natürlich nicht über seine von der Uefa verhängte Sperre, keinesfalls, „für mich ist das ja auch ein Highlight“, so oft habe er in den vergangenen 15 Jahren auch nicht auf europäischer Bühne gestanden. „Ich weiß auch nicht, wie es mir in der Loge ergeht.“ Trotzdem muss Glasner in den saueren Apfel beißen, er muss die Mannschaft nach der Ankunft im Stadion alleine lassen, darf erst 15 Minuten nach Spielende wieder zu ihr. „Das sehe ich für uns nicht als Problem“, sagte Torwart Kevin Trapp, einer, der sich auskennt auf Europas Spielfeldern. „Der Matchplan steht ja. Und wir als Spieler können auch Verantwortung übernehmen.“

Eintracht Frankfurt wieder in der Europa League: Die Vorfreude steigt

Die Vorfreude auf die Europa League, auf das „Messen mit großen, namhaften Mannschaften“ wie Fenerbahce oder später Olympiakos Piräus, sei riesengroß, sagte der Ballfänger, endlich wieder magische Nächte, endlich Flutlicht, endlich wieder Spektakel, wenn auch weniger Publikum in der Arena sein wird und ohne Choreographie deutlich abgespeckter. „Die Europa League ist für die Stadt, für den Klub, für die Region wie ein Geschenk. Wir sind uns der Bedeutung bewusst und wollen ihr gerecht werden“, findet Glasner, der von den traditionell rauschenden Frankfurter Nächten ja nur aus der Ferne etwas mitbekommen hat. Beeindruckt hat ihn das aber dennoch. „Positiv nervös“ könnte der eine oder andere Spieler sein, vielleicht die neuen, die das Flair noch nicht so kennen, wie „an Weihnachten, wenn man die Geschenke unter dem Baum sieht“. Aber im Grunde sieht sich Eintracht Frankfurt gerüstet, einem „super Europa-League-Abend steht nichts im Weg“, frohlockte Trainer Glasner.

Natürlich erhoffen sie sich in Frankfurt von den Europapokal-Auftritten einen Schub für den Alltag, der bislang doch eher grau und sieglos daherkommt. So wie vor drei Jahren, als Eintracht Frankfurt so phänomenal durch Europa marschierte. Freilich wissen sie auch, dass im zweiten Europapokaljahr, in der Saison 2019/2020, auch nicht alles Gold war, was glänzte: Da ging, an einem 19. September 2019, das erste Gruppenspiel mit 0:3 sang- und klaglos verloren. Gegner war allerdings auch der FC Arsenal. Über Vitoria Guimaraes und Standard Lüttich qualifizierte man sich am Ende doch noch, mit viel Glück und deutlich weniger glanzvoll als im Jahr zuvor.

Eintracht Frankfurt: Kevin Trapp zuversichtlich

Dass es in der Liga momentan nicht ganz rund läuft, beunruhigt Torwart Kevin Trapp noch nicht. „Die Ergebnisse stimmen nicht, da brauchen wir nicht drumherum zu reden“, aber die „Art und Weise, wie wir spielen macht Mut und Hoffnung.“ Weil für viele die Vorbereitung recht zerstückelt abgelaufen war, sei das Team noch nicht perfekt eingespielt, die Automatismen griffen noch nicht. „Das braucht seine Zeit“, sagte Trapp, der allen empfiehlt, „sich nicht verrückt machen zu lassen“. Immerhin habe man die vergangenen drei Gegner, FC Augsburg, Arminia Bielefeld und VfB Stuttgart, im Grunde „im Griff gehabt“ - bis halt auf die späten Tore.

Für die Partie gegen den türkischen Tabellenzweiten kann Oliver Glasner weitgehend aus dem Vollen schöpfen. Einzig hinter dem Einsatz von Christopher Lenz steht noch ein kleines Fragezeichen, er hat aus dem Stuttgart-Spiel leichte muskuläre Probleme davongetragen. Am Morgen des Spieltags werde man entscheiden, ob er einsatzfähig ist. Sollte der Neuzugang nicht spielen können, könnte das bedeuten, dass die Eintracht „auf eine Dreierkette umswitcht“, wie Glasner sagte. Denn einen weiteren echten Linksverteidiger habe man nicht im Kader. Ohnehin halten viele dieses taktische Konzept als die bessere Variante für Eintracht Frankfurt, weil dann Dynamik, Power und Tempo von Filip Kostic mehr zum Tragen kommen.

Eintracht Frankfurt: Fenerbahce Istanbul „eine spielstarke Mannschaft“

Glasner erwartet auf jeden Fall eine recht spielstarke Mannschaft aus Istanbul, die eine „sehr gute Mischung“ aufweise zwischen erfahrenen Spielern (wie Özil, Sosa, Gustavo) und jungen, schnellen Talenten. „Fenerbahce ist eine spielstarke Mannschaft, die es gewohnt ist, viel Ballbesitz zu haben.“ Ob sie freilich mit der in der Bundesliga üblichen Härte und Intensität zurechtkomme, werde man sehen. Der Coach jedenfalls rechnet mit „einem offenen Schlagabtausch, weil beide Mannschaften nach vorne spielen.“

Die Europa League ist freilich nicht nur sportlich, sondern auch finanziell sehr lukrativ für Eintracht Frankfurt. Die Hessen erhalten, wie alle anderen 31 Klubs auch, als Startprämie 3,63 Millionen Euro. Für den Gruppensieg schüttet die Uefa 1,1 Millionen Euro aus, der Zweite erhält 550 000, der Dritte noch eine halbe Million. Pro Sieg gibt es 630 000 Euro, ein Remis wird mit 210 000 Euro vergütet. Im Achtelfinale, das am 17. und 24. Februars 2022 ausgetragen wird, gibt es weitere 1,2 Millionen. Dem Sieger im Finale am 18. Mai in Sevilla winken 8,6 Millionen Euro. Insgesamt schüttet der Europäische Fußball-Verband unter den 32 teilnehmenden Teams 465 Millionen Euro aus. Neben den Prämien winken weitere Gelder aus dem Marktpool sowie aus der TV-Übertragung.

Und dieses Mal reicht zum Überwintern in Europa sogar der dritte Gruppenplatz: Dann allerdings geht es in der ungeliebten Conference League weiter.

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