Fußball und Taktikbrett: Für Thomas Broich (li.) und Jerome Polenz gehört beides zusammen. Eintracht
+
Fußball und Taktikbrett: Für Thomas Broich (li.) und Jerome Polenz gehört beides zusammen.

SGE

Eintracht Frankfurt: Broich & Polenz bringen immenses Fachwissen ein

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
    schließen
  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
    schließen

Mit den Ex-Profis Broich und Polenz holt Eintracht Frankfurt sich eine Menge Fachwissen in den Jugendbereich des Klubs, das nun aber gewinnbringend kanalisiert werden muss.

Frankfurt - Ende Oktober 2012 war es, da kreuzten sich die Wege von Thomas Broich und Jerome Polenz das erste Mal, der Münchner und der Berliner standen sich im fernen Australien auf einem Fußballfeld gegenüber. Der eine, Polenz, verteidigte rechts hinten für seinen gerade erst frisch erschaffenen Klub, die Western Sydney Wanderers. Der andere, Broich, griff links draußen für den Favoriten an, Brisbane Roar. 1:0 hieß es nach 90 Minuten für den Außenseiter aus Sydney und nicht nur deswegen behielt Verlierer Broich das Duell mit Polenz in schlechter Erinnerung. „Jerome hat mir als Gegenspieler an diesem Tag den Zahn gezogen.“ Außerdem habe Polenz mit seinem Stirnband und dem Trashtalk mitunter doch recht unsympathisch gewirkt. Beim zweiten Wiedersehen, erneut gewann Sydney mit 1:0, brach Polenz versehentlich seinem deutschen Kontrahenten auch noch die Nase. Autsch, es gibt wahrlich bessere Voraussetzungen für eine gute Freundschaft.

Eintracht Frankfurt: Broich & Polenz sind gute Kumpels

Und trotzdem, rund siebeneinhalb Jahre später, sind die beiden eben solche Kumpels, spätestens seitdem sie in der Saison 2015/16 gemeinsam für Brisbane kickten, hängen sie ständig miteinander ab. Zuletzt war das dynamische Duo als Expertengespann für die ARD auf Ballhöhe, fundiert, sympathisch, fachkundig und pfiffig. Zudem betrieben die beiden einen Fußball-Blog rund um Spielanalysen und Taktik. Nun verstärkt das Tandem die Jugendabteilung des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, Broich und Polenz übernehmen ab kommender Saison die U15 am Riederwald.

„Natürlich sind die Köpfe voller Ideen“, sagte Broich unlängst dem vereinseigenen TV, „aber wir wollen die Jungs auch nicht erschlagen.“ Vielmehr gehe es für die beiden Neulinge darum, gemeinsam mit den Heranwachsenden „eine gesunde Haltung zum Leben zu entwickeln“. Schließlich werde nicht jeder später auch ein Profifußballer, so Broich, und außerdem „stehen wir ja auch zum ersten Mal als Trainer auf dem Platz“.

Thomas Broich, 39, und Jerome Polenz, 33, haben ganz offenbar Lust darauf, das Coachen von der Pieke auf zu lernen, sich langsam reinzufuchsen ins Trainerdasein. Nicht umsonst warnte Andreas Möller, der Leiter des Frankfurter Nachwuchsleistungszentrums, in dieser Woche davor, dass ein sehr guter Fußballprofi nicht ganz automatisch auch ein sehr guter Fußballtrainer werde. „Es freut mich, dass sie erst einmal im Jugendbereich lernen wollen, zum Beispiel beim Thema Teamführung.“ Der Kontakt zur Eintracht kam laut Broich „zufällig“ zustande. „Wir haben ja an vielen Fronten gewerkelt“, erläuterte der ehemalige Bundesligaspieler von Borussia Mönchengladbach, dem 1. FC Köln und dem 1. FC Nürnberg. Im Fernsehen natürlich, auch hospitierten beide bei diversen Profiklubs, in Leverkusen und Bremen zum Beispiel. Zudem nahmen sie an Fortbildungen beim DFB teil, bis sich eines Tages auch die Wege mit der Eintracht querten, genau genommen mit Sebastian Zelichowski. Sebastian, wer?

Eintracht Frankfurt: Zelichowski folgte Bobic

Recht rasch nachdem Fredi Bobic bei den Frankfurtern 2016 als Sportvorstand anheuerte, folgte ihm auch Zelichowski als Leiter der Analyse und Sporttechnologie. Beide kannten sich aus Zeiten beim VfB Stuttgart. Zelichowski sollte als Mann im Hintergrund den Verein infrastrukturell und digital voranbringen. „Es gab relativ wenig Austausch untereinander, mal gab es Zettelwirtschaft, mal wurden USB-Sticks per Kurier von A nach B geschickt“, erläuterte Zelichowski vor knapp einem Jahr bei einem seiner wenigen öffentlichen Auftritte: „Alles war etwas angestaubt.“

Mittlerweile ist das anders, längst gibt es eine zentrale Datenbank für den Profi- und Jugendbereich. Auch Trainingspläne sowie Infos von Medizinern und Ernährungsberatern sind abrufbar. Ein „digitaler Kiosk“ sei das, wie es Zelichowski nennt. Arbeitsweisen, mit denen sich auch Broich und Polenz identifizieren können.

Anfang des Jahres, so erläuterte Möller, wurde der Kontakt zwischen der Eintracht und dem Duo intensiviert. Fortan schauten die Trainernovizen vermehrt in Frankfurt vorbei, beobachteten Übungseinheiten, tauschten sich mit Vorstand Bobic, Marco Pezzaiuoli, dem Technischen Direktor im Leistungszentrum und U-19-Trainer, sowie später auch mit Möller aus. „Wir haben uns auf Anhieb verstanden“, so Broich.

Nachwuchschef Möller ist auch in Zeiten von Corona dabei, die Planungen für die kommende Runde voranzutreiben. Täglich spricht er mit Pezzaiuoli, nahezu wöchentlich gibt es größere Runden mit weiteren Trainern. Im Fokus steht dabei stets auch die Ausarbeitung einer Spielphilosophie. Es solle zwar keine Jugendmannschaft in ein starres Korsett gepresst werden, dennoch wolle man gewisse Anhaltspunkte schaffen. So sollen die eher offensiv ausgerichteten Systeme 4-3-3 und 3-4-3 bevorzugt angewendet werden. Zudem gehe es darum, den Stil grundsätzlich ähnlich zu gestalten und darauf in den Übungseinheiten gezielt hinzutrainieren. Auch die beiden Neuen sollen ihren Teil beitragen. „Jerome und Thomas arbeiten bereits seit einigen Monaten in unserem Team Spielkonzeption“, erklärte Boss Bobic: „Wer sich mit beiden unterhält, der spürt ihr Know-how.“

Eintracht Frankfurt: Broich & Polenz sind unterschiedliche Typen

Broich und Polenz, der in der Bundesliga für Bremen und Aachen sowie in Liga zwei für Union Berlin spielte, müssen sich jedoch noch an die tägliche Trainerarbeit gewöhnen, das haben sie bisher meistens nur von der anderen Seite, jener als Spieler, beobachtet. Auch sind sie als Typen unterschiedlich. Da ist auf der einen Seite der Techniker, der Freigeist, der „Möchtegernkünstler“, wie sich Broich selbst betitelt, und auf der anderen Verteidiger Polenz. „Unsere Ansichten über Fußball werden nicht immer deckungsgleich sein“, sagt Letzterer, ohne dies jedoch als hinderlich zu empfinden. Denn: „Wir werden Videos und taktische Prinzipien einbauen. Grundsätzlich sollen die Jungs aber Spaß am Kicken haben und dabei gar nicht merken, was sie alles lernen.“ Klingt plausibel.

Das könnte Sie auch interessieren