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Er spricht die Sprachen der Spieler

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Von: Thomas Kilchenstein

Eintracht Frankfurt
Dolmetscher Stéphane Gödde (l.), hier mit Evan Ndicka. © Jan Huebner / Peters / Imago Images

FR-Serie „die Helden von Sevilla“, 16. Teil: Eintracht-Dolmetscher Stéphane Gödde spricht die Sprachen der Spieler.

Frankfurt – Dieser Tage ist Stéphane Gödde, der fließend italienisch, englisch, französisch, spanisch, deutsch spricht und das kleine Latinum hat, gefragt worden, welche Sprache er noch lernen möchte. „Rumänisch“ hat er gesagt, und er hat das ernst gemeint. Das sei eine romanische Sprache, Überschneidungen gebe es da eine Menge und „einfach“ zu lernen, einfacher jedenfalls als etwa ungarisch. Womöglich tut er das auch.

Stéphane Gödde hat jetzt mehr Zeit als früher. Früher, das waren die letzten sechs Jahre und da hat er für Eintracht Frankfurt den Dolmetscher gegeben, ein Fulltime-Job fast rund um die Uhr. 16 Nationen spielen für den Europapokalsieger, kein Wunder, dass ein babylonisches Sprachengewirr im Stadtwald herrschen würde - wenn nicht Stéphane Gödde, das Sprachengenie, für Verständlichkeit sorgen würde, fast so, als würden alle mit einer Zunge reden.

Stéphane Gödde – Mädchen für alles bei Eintracht Frankfurt

Der Mann, 42, geboren in Geseke im Kreis Soest, scheidet zum Ende des Monats bei Eintracht Frankfurt freiwillig aus, um mehr Zeit für die Familie zu haben, er war natürlich immer mehr als nur Übersetzer. Er war Mädchen für alles für die frisch nach Frankfurt gekommenen ausländischen Spieler, die kein Wort Deutsch konnten, er hat ihnen unter die Arme gegriffen bei Behördengängen und Korrespondenzen geführt. Vor allem war er auf dem Trainingsplatz ihr wichtigster Mann, übersetzte die Anweisungen der Trainer, meist simultan, er dolmetschte in Spielersitzungen, erklärte die Taktik in den jeweiligen Muttersprachen, selbst bei Anweisungen während des Spiels war Stéphane Gödde immer dabei, jedes Wochenende. Und bei Pressekonferenzen auf der Europatour oder bei den zahlreichen Medien-Interviews war der zweifache Familienvater aus Riedstadt sowieso stets der entscheidende Mann, seriös und integer, allseits anerkannt. Er zählte zum „inner circle“ der Mannschaft, nach dem Coup von Sevilla hat auch er die Siegermedaille bekommen, er aus dem Staff, dabei war das Edelmetall allein Spielern und Trainer vorbehalten.

Sprachgenie: Dolmetscher Stéphane Gödde (links), hier mit Rafael Borré.
Sprachgenie: Dolmetscher Stéphane Gödde (links), hier mit Rafael Borré. © imago

Den Profis hat er zudem ein selbst zusammengestelltes, umfangreiches Glossar mit den wichtigsten Worten und Sätzen an die Hand gegeben. Und Deutschunterricht für die Herren Profis erteilte er noch dazu.

Mit einigem Erfolg. Dieser Tage erst hat sich Simon Falette per SMS gemeldet, auf Deutsch. Der Franzose, von 2017 bis 2020 in Frankfurt, hat schnell gelernt, er spielt jetzt in der Türkei und findet, mit Deutsch komme er auch dort gut zurecht. Oder Jesus Vallejo, der Spanier in Diensten von Real Madrid. Auch er hält den Kontakt zu Gödde auf Deutsch, um das einmal Gelernte nicht zu vergessen. „Das zeigt mir“, sagt Gödde, „dass die Jungs einiges mitgenommen haben“. Auch Goncalo Paciencia, der Portugiese, hat keine Hemmungen, sich in der fremden Sprache auszudrücken, Jens Petter Hauge aus Norwegen lobt Gödde für seine sprachlichen Fortschritte. Sprache und Kommunikation in der Landessprache sind nach wie vor unerlässlich für die Integration.

Eintracht Frankfurt: Stéphane Gödde genießt exzellenten Ruf

Stéphane Gödde, der Mann, der die Sprache(n) der Spieler spricht, genießt in der Branche eine exzellenten Ruf. Ehe er zur Eintracht kam, hatte er sich in der Bundesliga bereits einen Namen gemacht, er dolmetschte bei Europacupspielen für Borussia Dortmund, Hertha BSC, Schalke, Salzburg, die Eintracht hatte ihn in 2006 schon mal gebucht, rund um das Spiel gegen USC Palermo. Damals arbeitete Stephane Gödde, der an der Uni „Sprachen und Kulturwissenschaften“ studiert hat und seit 2006 als Diplom-Übersetzer firmiert, für den internationalen Sprachdienstleister „Clark Football Languages“, eine Agentur, die regelmäßig von um die 100 Fußballklubs gebucht werden.

Gödde, dessen Mutter aus Frankreich stammte, geht vermutlich zurück in die Selbständigkeit, seine Frau arbeitet im gleichen Beruf, er will ein Stück Freiheit zurück, vor allem will er seine Kinder, sechs und neun Jahre alt, aufwachsen sehen. Der Eintracht wird er immer verbunden bleiben, einen Wechsel zu einem anderen Verein kommt nicht infrage. Und seinen Nachfolger bei den Hessen, Patrick Zeilmann, 28, zuständig für Integration und Teammanagement, kennt Stephane Gödde auch. „Er war mein Student, als ich noch Dozent an der Uni Mainz war.“ (Thomas Kilchenstein)

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