Dejan Joveljic
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Ob es Dejan Joveljic unter einem neuen Trainer im Dress von Eintracht Frankfurt packt?

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Eintracht Frankfurt: Was passiert mit den Rückkehrern Joveljic und Zalazar?

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche hält zwar nichts von großen Umbrüchen, muss aber einige wichtige Entscheidungen treffen.

Frankfurt - In seinen ersten Tagen in Frankfurt hat Markus Krösche, 40, nicht den Eindruck eines gnadenlosen Reformierers hinterlassen. Im Gegenteil. Der frisch gekürte Eintracht-Sportvorstand geht die große Aufgabe mit einer unaufdringlichen Nonchalance an, mit einem klaren Plan und gebotener Stringenz – aber ohne Heckmeck oder Parolen. Mit seiner zuvorkommenden Art hat der Teamplayer, so ganz nebenbei, auch für ein anderes Klima in den Räumen der Geschäftsstelle gesorgt, in den Fluren ist das Aufatmen spürbar.

Für den aus Leipzig gekommenen Ur-Paderborner steht unumstößlich fest: Er wird nichts en passant umkrempeln und schon gar nicht aktionistisch Handeln. Er findet ein bestelltes Feld vor, das er nur dort beackern wird, wo es zwingend notwendig ist. Das war vor einigen Jahren anders, als Fredi Bobic kein Stein auf dem anderen beließ – wahrscheinlich war es damals, 2016, geboten und richtig, um Strukturen aufzubrechen und Verkrustungen zu lösen, den Verein in die Moderne zu führen.

Eintracht Frankfurt: Mehrere Stellen neu besetzt

Natürlich hat Markus Krösche wichtige Stellen neu besetzen müssen, zuvorderst die des Trainers (Oliver Glasner), schließlich auch die des Lizenzspielerleiters (Timmo Hardung), einen persönlichen Referenten (Ole Siegel) bringt er ebenfalls mit. Einige weitere Posten wird er nach seinen Vorstellungen modellieren können. Das wird auch von ihm erwartet. „Er hat die Chance, aber auch die Aufgabe, diese Positionen zu besetzen“, sagt Vorstandssprecher Axel Hellmann. „Er wird seinen Stab bauen und entwickeln können.“

Doch auch hier will Krösche mit Augenmaß vorgehen, so wird Christoph Preuß als Bindeglied an Bord bleiben, genauso wie das Ärzte- und Funktionsteam. Und auch in der Mannschaft soll ein Umbruch unter allen Umständen vermieden werden. Alles andere hielte der Sportchef für nicht vertretbar und schlichtweg falsch. Manager weg, Teammanager weg, Trainer weg, Sportvorstand weg – die Umwälzungen im Verein seien schon groß genug. Da müsse man nicht auf Teufel komm raus noch mehr verändern.

Krösche will den Verein nicht überfrachten und von Grund auf erneuern, sondern ihn nach seinen Überlegungen sachte in die richtige Richtung lenken und weiterentwickeln. Er macht das nicht in Hauruck-Manier, sondern mit Empathie und Fingerspitzengefühl, er will alle mitnehmen auf den Weg, gemäß seiner dreisäuligen Philosophie der Führung: Spaß, Mut und Überzeugung. Krösche steht für einen anderen Ansatz, den des Ausgleichs und Austauschs, er hat, als kleines Beispiel, alle Zeitungsredaktionen besucht oder sie ins Stadion eingeladen, er will seine Idee vermitteln, Sachverhalte erklären. Er ist rhetorisch geschickt, weiß, was er sagen kann und was nicht. Sein Credo: Bevor er schwindelt, hält er lieber die Klappe.

Abrechnung mit Oliver Glasner

Kapitän Joshua Guilavogui vom VfL Wolfsburg rechnet mit seinem ehemaligen Trainer Oliver Glasner ab. „Ja, ich bin froh, dass er weg ist, weil es für mich persönlich die schlimmste Beziehung war, die ich jemals zu einem Trainer hatte“, sagte der 30-Jährige in Interviews mit Wolfsburger Zeitungen. Glasner trainiert zukünftig Eintracht Frankfurt. „Dieses Jahr hat mir so wehgetan, das war eine Katastrophe“, sagte der von Glasner zum Ersatzspieler degradierte Franzose.
Vor dem letzten Spiel gegen Mainz wollte Glasner ihn von Beginn an spielen lassen, doch Guilavogui lehnte ab. „Er wollte mir ein Geschenk machen, aber ich hätte danach nicht mehr in den Spiegel blicken können“, sagte der Kapitän. „Es ist zu viel passiert. Ich fand das Angebot respektlos. Als Fußballer war ich kaputt und als Mensch schwer getroffen.“ Glasners Verhältnis zu Teilen der Mannschaft galt in Wolfsburg als belastet - zu Sportchef Jörg Schmadtke war es gar zerrüttet. (dur)

Ob der Familienvater in Frankfurt Erfolg haben wird, lässt sich seriös noch nicht beantworten, dafür ist es viel zu früh, die Latte aber liegt sehr hoch. Und auch seine fachlichen Fähigkeiten sind bisher nur retrospektiv zu bewerten. Aber klar scheint schon jetzt: Es muss niemand Angst haben, dass etwas zusammenbricht und der Verein quasi kollabiert. Die Weichen sind gestellt.

Krösche wird gemeinsam mit Trainer Oliver Glasner auch den Kader gestalten, der sich im besten Fall nur in Nuancen verändern wird. Da ist er als Verhandlungsführer und Umsetzer gefragt, auch als Entscheider. Viele Fehler dürfen sich die Klubs in der Corona-Krise nicht erlauben. Dass er das gelernt hat und kann, hat er bewiesen: Die komplizierten Transfers von Angelino, Dani Olmo oder Alexander Sörloth nach Leipzig hat er eingefädelt und abgewickelt.

Eintracht Frankfurt: Spannend: zwei Rückkehrer

Ein Aufgebot von 23 Spielern plus drei Talenten hält Krösche trotz der Europa League für ausreichend. Sicher wird der eine oder andere unzufriedene Spieler den Verein noch verlassen, vielleicht einer wie Steven Zuber, der wenig gespielt hat. Und gewiss einer der vier Torhüter, vieles spricht da für Frederik Rönnow, der nach einem verkorksten Jahr auf Schalke wieder in Frankfurt anheuern wird.

Sportboss und Trainer sind übereingekommen, alle zurückkehrenden Spieler erst einmal zu testen und ihnen eine faire Chance zu geben. Ob freilich ein Stürmer wie Goncalo Paciencia, ebenfalls gezeichnet von einem desaströsen Jahr in Gelsenkirchen, noch eine Zukunft hat, ist zweifelhaft. Sportlich erfüllt er wenige Kriterien der Verantwortlichen.

Interessanter dürfte da sein, was Oliver Glasner von Dejan Joveljic hält, der nach Wolfsberg in Österreich ausgeliehen war und dort immerhin 20 Pflichtspieltore erzielte. „Das ist eine Hausnummer“, stellte Krösche fest. Joveljic, einst verfrüht als Nachfolger von Luka Jovic gehandelt, hatte unter Ex-Coach Adi Hütter nicht den Hauch einer Chance. Der Österreicher wog den 21-Jährigen und befand ihn für viel zu leicht für die Bundesliga. Und Glasner?

Spannend könnte auch die Personalie Rodrigo Zalazar sein, der auf St. Pauli aufblühte, sechs Tore schoss und sechs vorbereitete. In Frankfurt war schon länger klar, dass der 21 Jahre alte Mittelfeldspieler eine neue Chance erhalten soll. Er gilt als unkonventioneller, ungestümer Kicker, ein Rumtreiber auf dem Platz, eine wilde Hummel eben. Er könnte an der Seite der Routiniers Sebastian Rode und Makoto Hasebe zu einem echten Bundesligaspieler reifen, der taktisch auf ein höheres Level kommt, aber seine Identität behält und seine eigene Note einbringt.

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