Handballspielender Fußballer: Kristijan Jakic lässt nichts anbrennen.
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Handballspielender Fußballer: Kristijan Jakic lässt nichts anbrennen.

Eintracht-Abräumer

Eintracht: Djibril Sow und Kristijan Jakic überzeugen in der Schaltzentrale

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Das Eintracht-Mittelfeld um Djibril Sow und Kristijan Jakic wirkt derzeit gut austariert und harmoniert immer besser.

Frankfurt - Bereits Minuten vor dem Finale furioso, dem eingesprungenen Ndicka gegen Union Berlin, näherte sich Oliver Glasner gefühlt einem Herzkasper sehr, sehr rasch an, da schnellte der hohe Puls noch einmal bis unter die Schädeldecke nach oben. Was den Fußballtrainer von Eintracht Frankfurt derart aufregte? Seine wildgewordene Elf. „Ich habe sofort eine Szene im Kopf“, so Glasner, „als beide Sechser zusammen im gegnerischen Strafraum waren. Da hatte ich fast einen Herzinfarkt.“

Glücklicherweise meinte er das nur im übertragenen Sinne, Glasner geht’s natürlich prima in diesen Tagen des sportlichen Aufschwungs, er erfreut sich bester Gesundheit und ist prinzipiell sehr angetan vom risikoreichen Siegeswillen seiner Fußballer, zumal der ja Erfolg brachte in letzter Zeit. Bei den Houdini-artigen Entwirrungskünsten aus taktischen Fesseln aber muss er doch ab und an schlucken.

Djibril Sow und Kristijan Jakic, die beiden ganz weit nach vorne geeilten Sechser, gehören sonst ja eher zur zurückhaltenden Zunft. Über weite Strecken dieser Saison wurde ihnen nicht ganz unberechtigt vorgeworfen, sich zu oft zu verstecken in den Tiefen des Mittelfelds. Zu wenig Impulse nach vorne, vor allem bei Sow, zu viel Querpassgeschiebe, oder noch eklatanter: zu viele Pässe zurück. In der Tat konnte die Eintracht in der Frühphase der Runde selten ein Übergewicht im Zentrum des Spiels gewinnen, da wurden viele Zweikämpfe und Bälle verloren, und damit durchaus auch der eine oder andere Punkt.

Eintracht Frankfurt: Nur einer läuft mehr als Sow

Nun, Anfang Dezember, ist die Situation eine andere. Da scheinen sich Sow und Jakic gefunden zu haben, sie wagen sich jetzt vermehrt nach vorne, reagieren nicht mehr so viel, sondern ergreifen häufiger selbst die Initiative. Gestärkt durch den mitspielenden Libero Makoto Hasebe sichern sie sich bei den Vorstößen gegenseitig geschickt ab, das wirkt alles mittlerweile gut austariert, einzelne Ausnahmen - siehe Union – bestätigen die Regel.

Kristijan Jakic scheiterte gegen die Hauptstädter mit einem Kopfball, den er knapp am Pfosten vorbeisetzte, er spielte einen herausragenden Steilpass auf Jesper Lindström, der gerade noch eingeholt wurde, auch schritt er mit breiter Brust durchs Mittelfeld. Zu seinem seit der Ankunft Ende August stets vorhanden Kampfgeist gesellt sich beim Kroaten längst auch fußballerische Klasse. Der aus Zagreb verpflichtete Neu-Nationalspieler, dessen Dienste sich die Eintracht für eine Saison plus anschließender Kaufoption sicherte, bekam die Anpassung an die Bundesliga schnell hin. Manchmal müsse seine taktische Disziplin noch besser werden, auch die Abspiele sollten früher erfolgen, weiß der 24-Jährige selbst, grundsätzlich aber ist Jakic aus der Frankfurter Startelf nicht wegzudenken.

Handballspielender Fußballer: Kristijan Jakic lässt nichts anbrennen.

Eintracht Frankfurt: jakic überzeugt

14-mal stand er bisher für die Hessen auf dem Rasen, nur einmal fehlte er angeschlagen gegen Leipzig. Überhaupt kommt Jakic in dieser Spielzeit bereits auf 26 Vereinseinsätze, rackerte er sich doch mit Zagreb vor seinem Wechsel nach Frankfurt noch in der Champions-League-Qualifikation ab.

Ebenfalls ein Vielspieler ist Djibril Sow. Der Schweizer, der sich in seiner dritten Saison für die Eintracht und der ersten seit 2017 ohne den Trainer Adi Hütter befindet, stand bei allen 19 Frankfurter Pflichtspielen in der Startelf. Und er marschiert. Exakt 146,6 absolvierte Kilometer weist die Statistik in der Bundesliga bisher für ihn aus, nur der Bielefelder Manuel Prietl (159,9) läuft mehr. „Djibi war manchmal am Anschlag, er hat viel gespielt“, sagte Glasner unlängst im FR-Interview. Er findet aber, dass Sow und Jakic alles in allem „sehr stabil waren“. Und es weiterhin sind. „Es ist wichtig für mich, wenn mir einer den Rücken freihält“, sagt Sow, der 1:0-Knallermann gegen Union Berlin, über den Kollegen Jakic.

So ergibt sich derzeit die Luxuslage im Mittelfeld, dass Trainer Glasner seinen aus der Verletzung kommenden Kapitän Sebastian Rode behutsam wieder eingliedern kann. Rode erhält Kurzeinsätze und beweist in diesen regelmäßig seinen Wert für die Mannschaft. Glasner schloss daher jüngst auch winterliche Nachverpflichtungen für die Schaltzentrale aus.

Stattdessen erhofft er sich weitere Steigerungen seiner Profis, vor allem noch mehr „Kombinationen durch die Mitte“. Diese seien eine Frage des Harmonierens, so der Trainer. Sow und Jakic befinden sich auf einen vielversprechenden Weg. (Daniel Schmitt)

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