Auf dem Platz geht es erst mal noch nicht, also ertüchtigt sich Eintracht-Profi Filip Kostic anderweitig.
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Auf dem Platz geht es erst mal noch nicht, also ertüchtigt sich Eintracht-Profi Filip Kostic anderweitig.

Training

Eintracht: Einblicke in das „Home Office“ der SGE-Profis

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Wie sich die Spieler von Eintracht Frankfurt fit halten, welche Rolle Wasserkisten spielen, welches Essen sie von ihrem Koch bekommen und weshalb doch alles irgendwie komisch ist.

  • Eintracht Frankfurt trainiert individuell
  • Zwei bis frei Stunden am Tag
  • Athletiktrainer gibt Einblicke

Frankfurt - Martin Spohrer, 42 Jahre alt, von mächtiger Statur und ein ausgewiesener Fan harter Klänge, was er mit diversen Tankard- oder AC/DC-Shirts dokumentiert, ist ein freundlicher und offener Typ; ein Kerl wie ein Baum, einer zum Pferdestehlen. Und der Athletiktrainer der Eintracht hat Witz. In dieser seltsamen Zeit hat er sich also zu Hause verschanzt und gibt kleine Einblicke darüber, wie er sich in der häuslichen Quarantäne so fit hält. Nicht ganz alltäglich nämlich.

Eintracht Frankfurt: Spohrer gibt Einblicke

Spohrer ertüchtigt seinen Körper, indem er Gewichte stemmt, aber nicht irgendwelche, sondern solche aus dem Hausgebrauch, bei ihm in erster Linie Bierkästen. Die montiert er, einen rechts, einen links, an einen Besenstil und pumpt dann eifrig, oder aber er hebt die Kiste mit den vollen Gerstensaftflaschen an, macht Kniebeugen mit ihr oder Liegestützen darauf. Anschließend öffnet er eine Flasche sehr professionell mit einem Ring am Finger, nimmt einen großen Schluck, reckt den Daumen nach oben und grinst: „Bleibt stabil!“ Der Mann nimmt’s mit Humor.

Natürlich kommt er seiner ursprünglichen Arbeit ebenfalls nach, sehr gewissenhaft sogar, gemeinsamen mit den Kollegen Andreas Biritz und Markus Murrer hat er in dieser ungewöhnlichen Situation für die zu Hause weilenden Spieler zwei Kraftzirkel zusammengestellt, täglich müssen sie Einheiten auf dem Ergometer abspulen und Stabilisations- sowie Kräftigungsübungen machen. In einem Videotutorial aus seinem Wohnzimmer heraus macht Spohrer die Übungen vor, dabei ist er, siehe Bierkisten, sehr erfinderisch und hat Utensilien benutzt, die jeder Spieler zu Hause haben dürfte: Tisch und Couch bei Liegestützen, einen vollgepackten Rucksack für Kniebeugen, zwei Flaschen Wasser bei einer Rückenübung, einen Kasten Wasser bei den Situps. „Athletiktrainer zu sein bedeutet Arbeit am Mann, um korrigierend eingreifen zu können“, sagt die Fachkraft. „In der aktuellen und sehr speziellen Situation helfen wir uns mit diesen Videos, außerdem stehen wir jederzeit für Fragen zur Verfügung“, sagt Spohrer, der über seine Spieler sagt, dass „sie Lust haben, sich fit zu halten“.

Eintracht Frankfurt: Zwei bis drei Stunden am Tag

Bobic für Solidarität

Eintracht-SportvorstandFredi Bobic hält einen Solidarpakt in der Corona-Krise für unabdingbar. „ Es wird sicherlich so eine ähnliche Form geben, da bin ich mir sicher. Die Frage wird sein: Wer zahlt da ein und wer ist der Empfänger am Ende“, sagte Bobic bei Sky. An dem Pakt sollten sich diejenigen beteiligen, „denen es ein bisschen besser geht“, bekundete er. Die Frage ist da nur, auf welcher Seite die Eintracht steht, die sich in den vergangenen Jahre ein wenig Speck angefressen, viele Großprojekte angeschoben hat und „die nächsten Monate gut durchstehen“, werde, wie Bobic sagte. Vor allem für die Drittligisten sei die jetzige Situation existenzbedrohend.

Zudem hätten auch die Spieler„sehr positive Signale gesendet“. Nach der Quarantäne werde mit den Profis „über ein Gehaltsverzicht“ gesprochen werden. Jeder im Verein müsse seinen Teil dazu beitragen, „damit wir die Arbeitsplätze bei Eintracht Frankfurt sichern“, sagte Bobic. Klar ist, dass die Eintracht ihren Profis an die Geldbörse gehen wird, und zwar in nicht unerheblichem Maße. 

Zwei bis drei Stunden kommen so täglich zusammen, „meistens sind es sogar noch mehr Stunden“, wie Torwart Kevin Trapp bei RTL sagt. Überwacht wird das Programm per Pulsuhr, „damit sich keiner drücken kann“, wie der Nationalkeeper anmerkt. „Das wird dann auch kontrolliert. Der Verein hat dafür gesorgt, dass wir sehr gut ausgestattet sind“, erzählt der 29-Jährige.

Jeder Spieler erhielt ein persönliches Paket nach Hause geliefert, Inhalt: ein Spinningrad, eine Matte, ein Fußball, Desinfektionsmittel, Pulsuhren, Nahrungsergänzungsmittel sowie Vitamine.

Die Situation, sagt Trapp, sei dennoch schwierig. „Wir sind mitten aus dem Spielbetrieb herausgerissen worden, jeder kann sich zu Hause fit halten, aber das ersetzt nicht das Mannschaftstraining.“ Zumal niemand weiß, wann es wieder losgeht, in welchem Umfang und in welchem Rahmen. Man trainiert irgendwie ins Blaue hinein, Spannung lässt sich nur schwerlich aufbauen, weil man kein Ziel, keinen Endpunkt oder Anfangspunkt hat. Das ist komisch.

Eintracht Frankfurt: Ernährungsplan für SGE-Profis

Zumindest kulinarisch fehlt es an nichts, bekocht werden die Fußballer, wenn gewünscht, von Stefan Eisler, der sich seit zwei Jahren um das leibliche Wohl kümmert. Auf dem Plan stehen vegetarische Pasta, gefüllte Zucchini, Gulasch mit Nudeln oder Hähnchen in Tomaten-Kokossoße mit Basmatireis, dazu Gemüse und Salat. Und die gute Nachricht ist: Für die meisten Spieler endet die Quarantäne am Donnerstag, da können sie zumindest mal wieder raus auf die Straße – wenn auch mit Mindestabstand.

Unterdessen hat die Eintracht einen erfolgreichen Start in der „Bundesliga Home Challenge“ hingelegt. 

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