Will es bald wieder krachen lassen: Gelson Fernandes (links). afp
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Will es bald wieder krachen lassen: Gelson Fernandes (links).  

SGE-Neustart

Eintracht Frankfurt: Eine Frage der Mentalität

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt will sich breit aufstellen, um beim Neustart der Bundesliga über die Runden zu kommen.

  • Fredi Bobic mit mahnenden Worten an Fans von Eintracht Frankfurt
  • Spiel gegen Borussia Mönchengladbach steht an
  • Skela wird als Trainer für die Jugend verpflichtet

Frankfurt - Sportvorstand Fredi Bobic hat sich am Wochenende mit mahnenden Worten an die Fans von Eintracht Frankfurt gewandt. Auf keinen Fall dürften sie sich vor, während oder nach einem dieser ominösen Geisterspiele rund ums Waldstadion versammeln. „Wir haben viel mit unseren Fans gesprochen und gesagt: Hört zu, Jungs, taucht nicht am Stadion auf. Wenn ihr dort auftaucht, verlieren wir dieses Spiel, dann geht das Spiel ans Auswärtsteam“, sagte der 48 Jahre alte frühere Nationalstürmer dem US-amerikanischen Sportsender ESPN. Die Eintracht startet, Stand jetzt, am kommenden Samstag um 18.30 Uhr zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach in die Restsaison, von der die DFL inständig hofft, dass sie tatsächlich zu Ende gespielt werden kann. Sicher ist das, siehe Dynamo Dresden, beileibe nicht.

Am Verhalten der Eintracht-Anhänger wird es jedoch eher nicht liegen, es ist nicht zu erwarten, dass sich Gruppierungen an der Arena treffen werden. Diese Hinweise hat auch Fredi Bobic erhalten, der den Gemeinsinn der Anhänger lobt. „Sie haben in den letzten Wochen die Regeln befolgt und viel für die Gemeinde getan, insbesondere für die Ältesten.“

Die Profis der Eintracht befinden sich mittlerweile in der angeordneten Quarantäne im Main- Plaza-Hotel am Mainufer in Sachsenhausen. Zwei Shuttlebusse fahren sie von dort täglich zum Training in den Stadtwald, geübt wird hinter verschlossenen Türen, meistens sogar im Stadion.

Das Geheimtraining ist nicht erst seit oder wegen der Corona-Krise eingeführt worden, schon vorher übten die Frankfurter fast immer hinter verschlossenen Türen. Als Schutz vor unliebsamen Beobachtern, Spähern fremder Vereine oder auch nur, um unter sich zu sein. Das kann schon mal dazu führen, dass kaum jemand bemerkt, dass ein Lizenzspieler offenbar über Monate hinweg gar nicht mehr am Training teilnahm.

Eintracht Frankfurt: Cavar geheim verletzt

Marijan Cavar etwa überraschte die breite Öffentlichkeit in einem vereinseigenen Interview mit der Aussage, dass er erst Ende Januar nach zweimonatiger Verletzungspause wieder zur Mannschaft stoßen konnte, Ende November war bei ihm ein Sehnenriss diagnostiziert worden. Schmerzlich vermisst wurde der 22 Jahre alte Bosnier eher weniger.

Nun spielt der Mittelfeldakteur bei Adi Hütter ohnehin keine Rolle, stand bisher nur ein einziges Mal im üppigen 20-Mann-Kader, und doch zeigt die für die sportliche Durchschlagskraft eher unbedeutende Personalie ganz anschaulich, welch Urwüchse auch auf diesem Sektor in den vergangenen Jahren in der Branche Einzug gehalten haben und inzwischen als normale Vorgänge hingenommen werden. Die Deutungshoheit reklamieren die Klubs längst für sich.

Coach Hütter ist vor dem Neustart der Saison gefragt worden, ob auch Akteure wie Cavar oder der ebenfalls ins dritte Glied gerutschte Jonathan de Guzman wieder eine Chance bekommen würden, weil ja viele Partien in kurzer Zeit zu absolvieren sind und das Verletzungsrisiko gewiss steigen werde. „Wir brauchen jeden Spieler“, antwortete der 50-Jährige, aber ob er wirklich jeden Spieler meinte, ist natürlich unklar. „Wir müssen zum richtigen Zeitpunkt rotieren. Deshalb ist es wahnsinnig wichtig, dass jeder Spieler immer bereit ist.“

Gelson Fernandes wird bereit sein, der Schweizer hat zwar eine viermonatige Verletzungspause hinter sich, aber er brennt darauf, der Mannschaft auf den letzten Metern zu helfen. Danach wird der Routinier wahrscheinlich Schluss machen. Der 33-Jährige könnte auf den letzten Metern noch wichtig werden, weil er Giftigkeit und Kratzbürstigkeit ins Spiel bringt – Attribute, die die Eintracht im Endspurt gut gebrauchen kann.

Denn gerade ohne die Kraft des zwölften Mannes auf den Rängen tut sich die Eintracht ganz schön schwer. „Es wird nicht einfach, aber wir müssen mentale Stärke zeigen“, sagt Fernandes. „Es geht um viel, wir müssen noch ein paar Spiele gewinnen.“ Der alte Haudegen fordert seine Kameraden dazu auf, sich voll in den Dienst der Sache zu stellen: „Wir hatten zwei Monate Abstand vom Fußball, jetzt müssen wir die Konzentration wieder aufbauen.“

Eintracht Frankfurt baut weiter um: Skela hilft Stuppia

Eintracht Frankfurt baut die Trainerteams am Riederwald weiter um. Nachdem Ende März in Thomas Broich und Jerome Polenz zwei Hochkaräter für die C-Jugend verpflichtet wurden, hat der Klub nun seinen U-16-Coach befördert. Sandro Stuppia übernimmt zur neuen Saison die B-Jugend in der Bundesliga. Als Assistenten stehen ihm der ehemaligen Eintracht-Profi Ervin Skela sowie Kai Hesse zur Seite. Sandro Stuppia wechselte im Sommer 2019 vom VfR Aalen an den Riederwald. Als Cheftrainer der U16 führte er das Team bis zum Aussetzen der Saison auf Platz zwei – die erfolgreichste Platzierung einer U16 bei der Eintracht. Und das, obwohl die Frankfurter Talente überwiegend gegen mindestens ein Jahr ältere Gegner spielen mussten. Keine schlechte Visitenkarte. 

„Sandro hat hervorragende Arbeit geleistet, ich bin überzeugt, dass ihm das auch mit der neuen U17 gelingt“, sagt NLZ-Chef Andreas Möller. Dass er auch den heutigen Eintracht-Markenbotschafter Ervin Skela als Co-Trainer gewinnen konnte, freut ihn sehr: „Er bringt reichlich Profierfahrung mit, besitzt die Fußballlehrerlizenz, aber vor allem trägt Ervin die Eintracht-DNA in sich, lebt unsere Werte und kann diese weitervermitteln.“

Von Ingo Durstewitz

Unterdessen vermeldet Eintracht Frankfurt die Verpflichtung eines großen Talents. Der junge Österreicher wechselt zur kommenden Saison an den Main. Bruno Hübner, Sportdirektor von Eintracht Frankfurt, bereitet sich durch die Corona-Auswirkungen auf den schwierigsten Transfermarkt vor, den er in seiner Karriere je erlebt hat.

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