Großer Jubel nach dem 3:1 von Daichi Kamada.
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Großer Jubel nach dem 3:1 von Daichi Kamada.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt feiert Festtag im Europapokal

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht Frankfurt schwingt sich in der Europa League beim 3:1 gegen Olympiakos Piräus zu ihrer besten Leistung in dieser Saison auf.

Frankfurt - Es hätte nicht viel gefehlt und Wüterich Hendrik hätte das schöne internationale Festspiel im Waldstadion einfach weggefegt. Nichts wäre es gewesen mit diesem rassigen Fight auf hohem Niveau zwischen Eintracht Frankfurt und Olympiakos Piräus, der Versöhnung mit den Fans; mit einem Abend, der vielleicht nicht magisch, aber doch elektrisierend und stimmungsvoll war und mit einem hochverdienten 3:1 (2:1)-Sieg für Eintracht Frankfurt endete. Ein Festtag an einem stürmischen Abend im Herzen von Europa.

Die Austragung der Europapokalpartie stand nämlich kurzfristig auf der Kippe, da Sturmtief Hendrik, das am Mittwoch noch Ignaz hieß, mit ganzer Kraft durch den Stadtwald tobte, Bäume entwurzelte und umwarf, die Zufahrtstraßen mit allerlei Geäst und anderen Utensilien übersät waren. Die Eintracht, die kommunalen Behörden sowie die Uefa berieten, ob die Partie aus sicherheitstechnischen Gründen nicht besser verschoben oder ohne Publikum angepfiffen werden sollte. Gegen 16 Uhr dann Entwarnung: Die Begegnung, teilte der Verein mit, könne wie geplant ausgetragen werden, die Fans sollten jedoch bei der Anreise erhöhte Wachsamkeit walten lassen und Waldwege meiden. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Eintracht-Spiel um einen Tag verschoben werden musste, im Februar 2020 verhinderte Orkan Bianca den Anstoß in Salzburg. Bald darauf wütete Corona durch die Welt.

Eintracht Frankfurt: Rehabilitation für den peinlichen Auftritt gegen die Hertha

An diesem Donnerstag im Oktober, 20 Monate später, war es ganz gut, dass das dritte Gruppenspiel regulär über die Bühne gehen konnte, denn Eintracht Frankfurt hatte dadurch die Gelegenheit, sich für die peinliche 1:2-Niederlage in der Bundesliga gegen Hertha BSC zu rehabilitieren. Das sollte gelingen. Eindrucksvoll. Vor 35 000 Fans im ausverkauften Stadion zeigte sich die Eintracht von ihrer besten Seite und schwang sich zu ihrer fußballerisch besten Leistung in dieser Saison auf. Am Ende hatten die Hessen die Griechen durch Tore von Rafael Borré, Almamy Touré und Daichi Kamada mit 3:1 niedergerungen und niedergespielt.

Die Eintracht hat damit beste Chancen, international zu überwintern, sie führt die Gruppe D nun mit sieben Punkten vor Olympiakos (6) an. Im anderen Spiel trennte sich Fenerbahce Istanbul mit 2:2 von Royal Antwerpen. Der türkische Topverein liegt schon fünf Zähler hinter den Frankfurtern.

Eintracht Frankfurt: Neue Sturmreihe überzeugt

Eintracht-Trainer Oliver Glasner zog die richtigen Lehren aus dem desolaten Auftritt gegen Berlin, was aber auch auf der Hand lag. Auf fünf Positionen veränderte er sein Team, in der Abwehr rückte Tuta an die Stelle von Evan Ndicka und Almamy Touré an die von Timothy Chandler.

Vor allem aber tauschte er seine komplette Offensivreihe aus, die überforderten Neuzugänge Sam Lammers, Jens Peter Hauge und Jesper Lindström fanden sich allesamt auf der Ersatzbank wieder. Eine zwingend notwendige Entscheidung. An ihrer statt durften Daichi Kamada im zentralen Mittelfeld sowie Goncalo Paciencia und Rafael Borré im Angriff ran. Eine kluge Aufstellung, die sich auszahlen sollte.

Die Eintracht zeigte aber auch abgesehen von den personellen Korrekturen eine andere Einstellung, ihr Europapokal-Gesicht. Das Zögerliche und Zaghafte war aus dem Spiel verschwunden, die Frankfurter trauten sich was, das nervige und brotlose Ballgeschiebe war verbannt. „Die Eintracht hat den Mut, immer wieder vertikal nach vorne zu spielen“, lobte Ex-Kapitän Ioannis Amanatidis als Zuschauer auf der Tribüne. „Das war gegen Berlin gar nicht zu sehen. Da wurde nur hinten rumgespielt. Allein Makoto Hasebe hat in der ersten Halbzeit zehn, zwölf Bälle scharf durchs Mittelfeld nach vorne gespielt.“ Eine treffende Analyse.

Eintracht Frankfurt: Eine runde Sache

Es war Zug im Spiel, eine andere Körpersprache, der Willen, sich zu behaupten. Und die Platzherren spielten sehr manierlich Fußball, teilweise lief der Ball gekonnt über sechs, sieben Stationen, Kombinationen, wie man sie lange nicht gesehen hat im Stadtwald. Das hatte ursächlich damit zu tun, dass endlich Fußballer auf dem Platz standen, die wissen, wie der Hase läuft und auch die spielerischen Mittel dazu in den Füßen haben. Spielgestalter Kamada etwa zeigte, welch brillanter Fußballer er sein kann. Fast schon ein Hohn, dass er zuletzt auf der Bank saß. Rafael Borré, der clevere Stürmer, ließ sein Können aufblitzen, Partner Paciencia hielt die Bälle und war oft beteiligt, wenn es gefährlich wurde oder gar zählbar. Von Filip Kostic, der das Publikum in der ersten Halbzeit mit einem atemberaubenden Solo über den ganzen Platz von den Sitzen riss, ganz zu schweigen. Aber das kennt man ja.

Es war kein Wunder, dass Angreifer Borré an vielen vielversprechenden Situationen beteiligt war. Und auch kein Zufall, dass er es war, der die Eintracht in Führung brachte, und zwar per Strafstoß, den er selbst herausgeholt hatte. Kollege Paciencia, zuletzt zweimal erfolgreich vom Punkt, überließ dem Kolumbianer den Vortritt, und der vollstreckte eiskalt (30.). Die kalte Dusche ließ nicht lange auf sich warten, nach einem unnötigen Handspiel von Kristijan Jakic verwandelte Youssef El-Arabi (30.) den Elfer zum Ausgleich. Doch die Eintracht ließ sich nicht schocken, in der Nachspielzeit der ersten Hälfte machte Touré nach feiner Vorarbeit von Borré und Djibril Sow die Führung, ehe Daichia Kamada den Deckel draufmachte (59.) auf einen prächtigen Abend, der seinen emotionalen Höhepunkt in der Einwechslung des lange verletzten Kapitäns Sebastian Rode fand. Runde Sache. (Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt)

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