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Kommentar: Eintracht Frankfurt hat falsch eingekauft

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Bei ihrem Personalroulette hat die Sportführung von Eintracht Frankfurt in diesem Sommer, bei aller Vorsicht, auf die Falschen gesetzt. Ein Kommentar.

Anfang Juni, die beste Saison von Eintracht Frankfurt seit zweieinhalb Jahrzehnten lag noch nicht lange zurück, stand für den frisch gekürten Sportvorstand Markus Krösche fest: Einen Umbruch soll es nicht geben. Zu vieles sei neu im Verein, der Trainer, der Manager, das Team hinterm Team. „Wenn du dann noch anfängst, die Mannschaft zu zerpflücken, wird es schwierig.“ Es ist dann doch ein bisschen anders gekommen. Viereinhalb Monate später ist Eintracht Frankfurt von der Realität eingeholt worden.

Die Umwälzung ist erheblicher ausgefallen als gedacht, was per se gar nicht so schlimm ist, denn der Klub hat sich in den vergangenen Jahren oft genug gehäutet, befand sich in einem Prozess der ständigen Veränderung – und hat sich dennoch stetig weiterentwickelt. Sportlich, aber auch wirtschaftlich. Die Eintracht hat Spieler entdeckt, sie auf die nächste Stufe gehoben und sie dann teuer verkauft. Und das Ganze wieder von vorne. Ein Erfolgsmodell.

Eintracht Frankfurt: Rechte Seite als Baustelle

Nun hat Corona das Wachstum gestoppt, Starspieler sind nicht drin, was aber nicht schlimm ist, wenn man, siehe oben, die richtigen Leute dazu holt. Doch bei ihrem Personalroulette hat die Sportführung in diesem Sommer, bei aller Vorsicht, auf die Falschen gesetzt. Zum einen ist es – wie seit Jahren schon – verpasst worden, die rechte Seite adäquat zu besetzen. Da ist viel Masse, aber keine Klasse am Start. Und der hochgehandelte Fabio Blanco fristet ein Schattendasein bei der A-Jugend.

Generell gilt: Die Mannschaft ist im Vergleich zur Vorsaison lange nicht so leistungsstark, obwohl in André Silva und Amin Younes nur zwei Leistungsträger den Verein verlassen haben. Doch drei der sechs Zugänge bleiben den Beweis schuldig, die Mannschaft auch nur annähernd auf ein ähnliches Level heben zu können. Nie wurde es deutlicher als gegen Hertha BSC, als Glasner auf die Schnapsidee kam, seine Offensive mit Jesper Lindström, Jens Petter Hauge und Sam Lammers zu besetzen. Alle drei sind in dieser Verfassung auf diesem Niveau nicht konkurrenzfähig. Auch die übrigen Neuen sind bisher eher Mitläufer: Christopher Lenz ist seit Wochen verletzt, Kristijan Jakic ein großer Kämpfer, aber ohne große Linie und Rafael Borré halt nur 1,74 Meter klein und körperlich unterlegen. Ihm ist, vom Potenzial her, aber noch am meisten zuzutrauen.

Der Hinweis auf die Eingewöhnungszeit der Neuen ist absolut berechtigt, doch Zeit ist knapp in der Bundesliga, und irgendwie fehlt die Fantasie, auf eine Leistungsexplosion zu setzen. Scheint so, als müsse sich die Eintracht durch die Saison lavieren – und im neuen Jahr einige Korrekturen vornehmen. Wieder einmal. (Ingo Durstewitz)

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