Fredi Bobic und Markus Krösche
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Fredi Bobic (l., Hertha BSC Berlin) und Markus Krösche (r., Eintracht Frankfurt).

Eintracht gegen Hertha

Fredi Bobic und Markus Krösche – Ein anderer Stil

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Am Samstag kommt es erstmals zum Wiedersehen im Frankfurter Stadtwald mit Ex-Eintracht-Vorstand Fredi Bobic.

Frankfurt/Berlin – Es ist mal wieder ein sehr spezielles Spiel, welches am kommenden Samstag zur normalen Bundesligazeit um 15.30 Uhr im Frankfurter Stadtwald angepfiffen wird, ein Spiel, das für beide Lager sportlich von Belang ist, das aber ebenso übergeordnete Besonderheiten aufweist: Es ist das erste Wiedersehen im Stadion mit dem im Sommer in Unfrieden gegangenen Sportvorstand Fredi Bobic. Der bald 50-Jährige moderiert jetzt, auf eigenen Wunsch, das Chaos bei Hertha BSC, und man muss sagen, dass er, der in seiner Frankfurter Zeit zweimal zum Manager des Jahres gewählt wurde, noch nicht so furchtbar viel hat bewegen können in Berlin. Der So-gerne-groß-Klub dümpelt weiterhin vor sich hin, langweilt das Publikum mit unattraktivem Fußball - bei der letzten Heimniederlage gegen den SC Freiburg verloren sich 18 300 Fans im riesigen Oval, obwohl 25 000 erlaubt waren - und eine Aufbruchstimmung hat der neue Mann in der sportlichen Führung noch nicht so recht entfachen können.

Es hat ja ohnehin kaum einer in Frankfurt verstehen können, warum Fredi Bobic ohne Not die Eintracht partout verlassen wollte, zumindest verfingen die öffentlich genannten Gründe –. neue Herausforderung, spannendes Projekt – nicht so wirklich. Dazu war der in Maribor geborene Schwabe im Stadtwald in den fünf Jahren zu erfolgreich gewesen, immerhin segelte Eintracht Frankfurt zum Zeitpunkt der TV-Ankündigung, seinen bis 2023 gültigen Kontrakt nicht erfüllen zu wollen, noch hart auf Champions-League-Kurs. Und so was gibt man als Sportler auf?

Eintracht Frankfurt: Markus Krösche mit Empathie

Es ist einiges an Geschirr zerschlagen worden im Gefolge des eigenmächtig verkündeten Abgangs, elegant war das sicher nicht, es hat Verletzungen gegeben, aber auf Sentimentalitäten hat Bobic selten Wert gelegt. Er ist Profi durch und durch, und mit allen Wassern gewaschen.

Tritt kein leichtes Erbe an – und musste gleich ein paar knifflige Personalfragen klären: Markus Krösche.

Aber der Mann, man darf das ruhig festhalten, hat Eintracht Frankfurt gut getan, er hat den Klub aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Mit 2,5 Millionen Euro Investitionsvolumen bei seinem Antritt 2016, kurz nach der bestandenen Relegation, hat er binnen fünf Jahren einen Klub geformt, der ohne Corona längst deutlich die 300-Millionen-Euro-Umsatzgrenze gerissen hätte, der solide dasteht, alle wirtschaftlichen Kennzahlen übertroffen hat und sportlich, dank DFB-Pokalsieg und herausragender internationaler Auftritte, eine attraktive Adresse in Fußball-Deutschland darstellt. Das ist der Verdienst von Bobic, der stets forderte, selten zufrieden war, der niemanden in Ruhe ließ. Das hatte seinen Preis: Bobic konnte ruppig, rücksichtslos, knallhart sein, der Ton war mitunter rau. Ex-Profi Bobic, Europameister und USA-Liebhaber, gilt in der Branche als versierter, abgezockter Verhandlungspartner, der dank seines Netzwerkes und bester Kontakte zur Agentur des umtriebigen Beraters Ramadani Spieler zur Eintracht lotste, die sonst nicht gekommen wären. Bobic war es aber auch, der der Eintracht mit geheimnisvollen Nebenabsprachen und Zugeständnissen manches Ei ins Nest gelegt hatte. Bobic hat Spuren hinterlassen in Frankfurt, tiefe Spuren.

Markus Krösche, der neue Mann auf der Frankfurter Kommandobrücke, hat da kein leichtes Erbe angetreten, selbst wenn der Klub längst durch und durch gesund ist. Krösche, vor 41 Jahren in Hannover geboren, aber bald 20 Jahre in Paderborn tätig, pflegt einen anderen Führungsstil als sein Vorgänger, einen, der auf Vertrauen und Identifikation beruht, auch der Umgangston ist ein anderer: freundlich im Auftreten, verbindlich im Umgang, teamorientiert. Auf der Geschäftsstelle, so heißt es, hat sich die Stimmung deutlich aufgehellt. Er ist kommunikativ, aufgeschlossen, für Ratschläge empfänglich, punktet mit Sozialkompetenz und Empathie. Aufsichtsratsboss Philip Holzer bezeichnet Krösche, der ein BWL-Studium abgeschlossen hat, mal als „Menschenfänger“.

Dem neuen Mann, der sich - anders als Bobic, der im Hotel wohnte - in Frankfurt-Bockenheim eine Wohnung gesucht hat, war nicht viel Zeit zum Eingewöhnen geblieben. Kaum da, wechselte der 28-Tore-Mann André Silva nach Leipzig, dann absorbierte der Fall Amin Younes viel Aufmerksamkeit, schließlich galt es das Filip-Kostic-Theater inklusive Streik zu meistern. Krösche ist das weitgehend gelungen, er hat Haltung gezeigt gegenüber Lazio Rom, die mit einem lächerlichen Angebot warben, er hat Kostic reintegriert. Er hat das alles relativ unspektakulär in den Griff bekommen. Er hat sich im Fall Fabio Blanco zudem klar positioniert, hat den Wechselabsichten des Jungen einen Riegel vorgeschoben.

Ungewohnte Strahlkraft

Die Probleme waren dennoch gewichtiger als bei Amtsantritt im Juni gedacht. Eigentlich hatte Krösche nicht vor, einen derart großen personellen Umbruch durchzuziehen, es mache wenig Sinn, in einem Jahr, in dem die komplette Sportliche Führung ausgetauscht werde, noch „die Mannschaft zu zerpflücken“, hatte er bei seinem Einstand gedacht. Es kam anders, neun neue Profis sind dazu gekommen, solche mit Potenzial, aber kaum welche, die sofort helfen. Ein „Kracher“ wäre da sicher sinnvoller als drei, vier Mitläufer gewesen – aber im Nachhinein lässt sich das immer leicht sagen.

Holte Eintracht Frankfurt aus dem Dornröschenschlaf: Fredi Bobic. Am Ende ist dann doch Geschirr zerschlagen worden.

Markus Krösche, zuletzt zweiter Mann in Leipzig, hat sich an Größe und Strahlkraft dieses Klubs gewöhnen müssen. Es ist auch ein anderes Arbeiten als einstmals in der ostwestfälischen Provinz. Das ist ihm natürlich bewusst, und es heißt, er habe verstanden, wie dieser Verein tickt, wie der Spagat zwischen Moderne und Tradition hinzukriegen ist.

Am Ende aber geht es auch bei diesem speziellen Spiel um Punkte. Und darum, dass Eintracht Frankfurt den Coup von München „vergoldet“. (Thomas Kilchenstein)

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