Ungewohnt: Filip Kostic durfte nur 72 Minuten spielen, wurde dann ausgetauscht – das konnte nicht jeder verstehen.
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Ungewohnt: Filip Kostic durfte nur 72 Minuten spielen, wurde dann ausgetauscht – das konnte nicht jeder verstehen.

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Eintracht: Einige Spieler ein Stück weit von einem guten Bundesliganiveau entfernt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Profis von Eintracht Frankfurt laufen viel, die Mannschaft wehrt sich nach Kräften, tritt aber zu jugendlich und seltsam schlampig auf.

Frankfurt - Nach dem fünften Remis in Serie (viermal 1:1, einmal 0:0) und der siebten Pflichtspielpartie ohne Sieg ist der Frankfurter Trainer Oliver Glasner grundsätzlich geworden. Ganz offensichtlich ist es dem 47-Jährigen ein Anliegen, ein paar Dinge ins rechte Licht zu rücken und mit einigen Mythen aufzuräumen. Zum Beispiel die Sache mit dem weitgehend unveränderten Team. „Ich höre immer, es ist ja nur André Silva weg“, sagt der Österreicher und empfiehlt, mal etwas genauer hinzusehen. „Aus der letztjährigen Mannschaft hat David Abraham aufgehört, Sebastian Rode ist verletzt, André Silva ist weg, Bas Dost ist weg, Luka Jovic ist weg, Amin Younes ist weg.“ Ganz schön viele weg. Dafür sind andere da, und die tun sich noch immer schwer, in der Bundesliga anzukommen und vielleicht mal einen Dreier einzufahren.

Eintracht Frankfurt: Nur Remis in Wolfsburg

Auch am Sonntag zu ungewohnter und völlig absurder Anstoßzeit um 19.30 Uhr klappte es nicht mit einem Sieg, beim VfL Wolfsburg musste sich die Eintracht mit einem 1:1 begnügen und war damit bestens bedient. Die Niedersachsen stellten gerade zu Beginn der Partie und über weite Strecken der zweiten Halbzeit die klar dominierende Mannschaft. „Ich kann mit dem Punkt gut leben“, sagt Oliver Glasner.

Klar: Ein Remis bei den sehr stabilen und qualitativ hochwertigen Wolfsburgern, mit vier Siegen aus vier Spielen gestartet, ist grundsätzlich ein gutes Resultat, gerade für ein Ensemble, das sich inmitten eines Umwälzungsprozesses befindet. Doch generell ist der Auftakt in die Bundesligaspielzeit alles andere als gelungen, vier Punkte und Platz 15 nach fünf Begegnungen – das ist nicht das, was man sich so vorgestellt hatte im Stadtwald. Zumal es die Hessen wieder nicht geschafft haben, ein 1:0 (schön heraus kombiniert und abgeschlossen von Sam Lammers) über die Zeit zu bringen – nach eigenen Führungen haben sie bereits sechs Punkte verspielt. Ein Haufen Holz. „Unser Start ist nicht zufriedenstellend“, bilanziert Coach Glasner. „Aber es gibt nachvollziehbare Gründe dafür.“

Als da wären: der Umbruch. Die Mannschaft befinde sich noch immer in der Phase des Ankommens, des Reintastens. „Wir sind dabei, uns zu finden“, bedeutet der Fußballlehrer und wirbt um Geduld: „Der eine oder andere muss sich an die Zweikampfintensität in der Bundesliga gewöhnen.“ Das Problem: Deutschlands Premiumklasse ist kein Versuchsfeld, die Zeit zum Entfalten und Entwickeln ist arg begrenzt.

Eintracht Frankfurt: Einigen Spielern fehlt das Bundesliganiveau

Zurzeit sind noch einige Akteure ein gutes Stück weit von einem guten Bundesliganiveau entfernt. Die beiden Nordlichter Jens Petter Hauge und Jesper Lindström etwa. Die körperlichen Defizite machen vor allem Leichtgewicht Lindström zu schaffen, sein Spiel wirkt nahezu jugendlich. In Wolfsburg bekam Trainer Glasner einen Kurzzeit-Wutausbruch, als der Däne eine gute Kontermöglichkeit leichtfertig verdaddelte. Gegen den bärenstarken VfL-Verteidiger Kevin Mbabu wirkte Lindström wie ein Nachwuchsspieler, der 21-Jährige zerschellte am Schweizer Internationalen.

Auch Rafael Borré, als Mittelstürmer geholt und nun als Rechtsaußen eingesetzt, fremdelt noch. Der Kolumbianer ist fleißig und ein guter Kicker, aber trifft oft falsche Entscheidungen. In Wolfsburg machte er zwei astreine Angriffe zunichte, weil er den letzten Pass arg schlampig spielte. Auch der geschmeidige Daichi Kamada versemmelte zwei gute Kontergelegenheiten.

In der Offensive klemmt es, die Wucht ist aus dem Spiel gewichen, vieles wirkt abgehackt und zerstückelt, fehlerbehaftet sowieso. „Spiele werden im Strafraum entschieden, und da lassen wir zu viel liegen“, urteilt Glasner. Mal spielten seine Jungs den falschen Ball oder eben zu unpräzise. „Wir haben das schlecht ausgespielt. Das ist unser größtes Manko. Da müssen wir uns verbessern.“ Immerhin trifft der neue Mittelstürmer Sam Lammers beständig, auch wenn der Niederländer ansonsten noch viel Luft nach oben hat. Beide Lammers-Tore legte Filip Kostic auf, der Unterschiedsspieler. Überraschenderweise wurde der Serbe nach 72 Minuten ausgetauscht. Eine Maßnahme, die nicht jeder verstehen konnte. Kostic selbst auch nicht.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner bleibt optimistisch

Glasner bleibt unbeirrbar optimistisch, seine zur Schau gestellte Überzeugung wirkt nicht aufgesetzt oder gespielt. „Wir haben eine richtig coole Truppe. Die Spieler bringen den Charakter mit, sie sind gewillt, sich zu verbessern“, analysiert der Coach. Er sei „felsenfest“ davon überzeugt, dass er mit dieser Mannschaft erfolgreich sein wird. „Das sagt mir meine Erfahrung aus vielen Jahren Fußball.“ Der entscheidende Punkt sei bei allen Startschwierigkeiten nämlich: „Wir bringen die Qualität mit.“

Und auch die richtige Einstellung. Am Sonntag spulten die Frankfurter 121 Kilometer ab, zogen fast 280 Sprints an. „Das sind die meisten am ganzen Spieltag“, wirft der Österreicher ein. Und das, obwohl sie zwei Tage weniger Regenerationszeit als der Opponent aus der Autostadt hatten. Eine gewisse Müdigkeit war dennoch unverkennbar. „Die Spieler sind am Anschlag.“ Deshalb bittet Glasner nach zwei freien Tagen auch erst am Mittwoch wieder auf den Trainingsplatz.

Auffällig ist zudem, dass der Fußballlehrer in Wolfsburg trotz des Europa-League-Auftritts am Donnerstag gegen Fenerbahce auf dieselbe Startelf setzte. Ganz bewusst. Diese Formation soll sich einspielen. „Wenn du Abläufe optimieren willst und keine Trainingszeit hast, musst du dir das über gemeinsame Spielminuten holen“, erklärt der 47-Jährige, der vor schwierigen Entscheidungen nicht zurückschreckt. Makoto Hasebe etwa bekommt gar keine Spielzeit mehr, Aymen Barkok, Tuta und Ragnar Ache schafften es nicht mal in den Kader.

Dafür führte Martin Hinteregger die Mannschaft trotz eines zweifachen Bänderrisses in der Schulter aufs Feld. „Es war kein Risiko dabei“, berichtet der Trainer. Der „Super-Mentalitätsspieler“ (Glasner) könne nur den Arm nicht über die Schulter heben, alles andere sei möglich. Bei „Hinti“ müsse schon „das Bein wegstehen“, damit er nicht seinen Mann stehe. Es hat sich gelohnt: Hinteregger zeigte eine blitzsaubere Leistung.

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