Oliver Glasner
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Steht Trainer Oliver Glasner in der kommenden Saison bei Eintracht Frankfurt an der Seitenlinie?

Champions League

Eintracht: Pokerspiel um Hütter-Nachfolger – Vieles deutet auf Wolfsburg-Trainer Glasner hin

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt wagt den Restart und will voll fokussiert ins Finale um die Champions League-Qualifikation gehen. Mehrere Optionen gibt es bei Oliver Glasner.

Frankfurt - Erst am Mittwoch, nach drei freien Tagen, wird Eintracht Frankfurt die Vorbereitung auf das wegweisende Nachbarschaftsduell am Sonntag (15.30 Uhr) gegen den FSV Mainz 05 aufnehmen. Es gilt, die Kräfte zu bündeln und mit der nötigen körperlichen und geistigen Frische in den heißen Schlussspurt zu gehen, nachdem die Hessen erstmals in ihrer Geschichte in der Champions League stehen wollen.

Eintracht Frankfurt befindet sich in abgeschwächter Form der Isolation

Die Reihen werden geschlossen, seit Montag befindet sich das Team in einer abgeschwächten Form der Isolation: Die Spieler dürfen sich nur noch im häuslichen Umfeld oder im Stadion aufhalten, ehe es dann am 12. Mai in das von der DFL verordnete Quarantäne-Trainingslager geht.

Es läuft auf ein großes Finale hinaus, drei Endspiele gegen Mainz, Schalke und Freiburg stehen an im Fernduell mit dem VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund, es ist ein Spiel der Nerven. Das Team, das die beste Tagesform, die größte Widerstandskraft und mentale Robustheit entwickelt, wird sich am Ende durchsetzen. Und: „Wir müssen befreit, mit einer gewissen Leichtigkeit und Lockerheit auftreten“, fordert Cheftrainer Adi Hütter. Wo aber soll Beschwingtheit herkommen, wenn so viel auf dem Spiel steht?

Die Frage wird sein, ob der Abgänger Hütter noch einmal eine Allianz mit seinen Spielern schmieden kann, die bis zum Saisonende hält. „Zwischen Trainer und Mannschaft passt kein Blatt Papier“, sagt Manager Bruno Hübner. Das darf bezweifelt werden, ist aber nicht von höchster Relevanz. Denn klar ist auch, dass kein Profi die einmalige Chance auf die Königsklasse leichtfertig verspielen und auf den allerletzten Metern zurückfallen will. So viel Eigenantrieb hat jeder Sportler, insofern wird die homogene Truppe versuchen, aus ihrer Mitte heraus zur nötigen Stärke und Entschlossenheit zurückzufinden.

Die letzte Bundesligapause in dieser Spielzeit kam nach zwei Schlappen aus drei Partien gerade recht, um quasi noch mal den Resetknopf zu drücken und den Fokus neu zu justieren. Die Mannschaft konnte frei von Nebengeräuschen zu sich finden, die turbulenten Wochen mit Dauertheater auf höheren Ebenen liegen hinter der Eintracht. Restart mal anders.

Eintracht Frankfurt: Krösche der neue Sportvorstand

Nun hat sich der Wind gedreht, am Samstag konnte Aufsichtsratschef Philip Holzer die erste Erfolgsnachricht verkünden, wonach der Leipziger Sportdirektor Markus Krösche ab Juni den Vorstand der Eintracht komplettieren wird. Es war eine Meldung, die in der Mannschaft sehr gut ankam. Und es war ein Signal nach innen und außen, wonach in Frankfurt nichts zusammenbricht, sondern die Weichen für eine verheißungsvolle Zukunft gestellt werden. Das sollte für Sicherheit sorgen. Nicht unerheblich in stürmischen Zeiten.

Wann der Verein einen neuen Trainer präsentieren kann, ist unklar. Vieles deutet zurzeit auf den Wolfsburger Oliver Glasner hin, der beim VfL mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausscheiden wird. Eine erste Kontaktaufnahme hat es gegeben, der neue Sportchef Krösche wird sich nun ein dezidiertes Bild machen.

Am Mittellandkanal hat Glasner keine Zukunft mehr, das Tischtuch zwischen Sportchef Jörg Schmadtke und dem 46-Jährigen ist zerschnitten, beide haben seit fünf Monaten kein Wort mehr miteinander gewechselt. Als Mediator in der Mitte vermittelt Sportdirektor Marcel Schäfer. Glasner ist aber auch in der erfolgreichen Mannschaft nicht unumstritten, nicht alle Spieler stehen bedingungslos zu ihrem Trainer, einige fühlen sich nicht wirklich abgeholt und mitgenommen.

Zum Bruch mit Boss Schmadtke kam es, als Glasner öffentlich die Kaderzusammenstellung kritisierte – der mühsam geschlossene Burgfrieden wird seitdem strapaziert und ist arg brüchig. Man muss wissen: Bei seiner vorherigen Station in Linz war der Österreicher Trainer und Sportdirektor in Personalunion.

Eintracht Frankfurt: Einmalzahlung für Oliver Glasner?

Die Frage ist, wie Glasner, klarer Anhänger der RB-Schule mit Pressing und überfallartigem Umschaltspiel und daher prädestiniert für die Eintracht, aus seinem Vertrag herauskommt. Er hat zwar eine Ausstiegsoption, aber mittlerweile spricht auch einiges für eine einvernehmliche Vertragsauflösung mit einer Einmalzahlung für den Coach, die der neue Verein übernehmen könnte. Oder die Ausstiegsklausel (rund 4,5 Millionen Euro) wird nach unten verhandelt, weil schließlich auch der VfL kein Interesse mehr an einer weiteren Zusammenarbeit hat und sich Geld für eine Abfindung sparen könnte.

Es könnte also auf ein weiteres Pokerspiel hinauslaufen – langer Atem ist gefragt.

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