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Eintracht Frankfurt: Was plant Oliver Glasner für die kommende Saison?

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Von: Daniel Schmitt

Eintracht Frankfurt will und muss variabler Fußball spielen und kauft entsprechend ein. Das sind die Lehren aus der vergangenen Saison.

Frankfurt – Vor einem knappen Jahr begann der Fußballtrainer Oliver Glasner seinen Job in Frankfurt. Und er nutzte im Frühsommer 2021 dann gleich die erste Möglichkeit, neben seiner Mannschaft auch die hiesige Presse besser kennenzulernen, sich persönlich vorzustellen bei den jeweiligen Medien. Natürlich war auch die FR zum Gespräch geladen, das hinterher nicht etwa wie sonst üblich in einem Interview münden sollte, sondern schlicht als Austausch diente, als gegenseitiges Beschnuppern. Ein Eindruck aber blieb schnell hängen bei den FR-Reportern: Da werkelt einer bei Eintracht Frankfurt, der klare Vorstellungen davon hat, wie er Fußball spielen lassen will.

Der Trainer war tief drin in der Materie, erzählte, obwohl er das Team erst kurz zuvor kennengelernt hatte, welche Probleme er auf es zukommen sieht. Die Spielweise von Filip Kostic etwa hielt er für so ziemlich entschlüsselt, wollte die Stärken des Serben fortan anders nutzen, das System anpassen, mehr Spielkontrolle, weniger Flankenhagel. Auch erkannt er früh, dass Rafael Borré zwar ein fleißiger Junge ist, aber kein kalter Knipser. Nun soll nicht mit einjähriger Verzögerung das Gespräch nacherzählt werden, zumal Glasner ohnehin manchen Gedanken verwarf, derzeit aber drängt sich doch der Eindruck auf: Des Trainers Ideen von damals haben weiter Bestand und sollen in seinem zweiten Eintracht-Jahr unbedingt angegangen werden.

Sieben Neuzugänge stehen bis jetzt fest (Mario Götze, Randal Kolo Muani, Jerome Onguene, Hrvoje Smolcic, Faride Alidou, Aurelio Buta, Marcel Wenig), mit Linksverteidiger Ridvan Yilmaz und Stürmer Lucas Alario sind zwei weitere mehr oder weniger festgezurrt. Ebenfalls dürfte die offensive Mittelfeldkraft Nicolas Castro bald das Eintracht-Dress tragen. Was das für den Coach bedeutet? Er wird einen kleinen Umbruch gestalten, der, so scheint es, auch eine veränderte Spielweise beinhaltet. Es wird künftig flexibler zugehen, das bisherige System mit einer Dreierabwehr und dem Offensivfokus auf die Außenbahnen dürfte aufgeweicht, wenn nicht ganz abgelöst werden.

Hat sich viele Gedanken gemacht: Eintracht-Trainer Oliver Glasner. Foto: dpa
Hat sich viele Gedanken gemacht: Eintracht-Trainer Oliver Glasner. Foto: dpa © dpa

Eintracht Frankfurt hat einige variable Offensivspieler

Gerade in ihrer Offensive versammelt die Eintracht eine Reihe von Profis, die variabel einsetzbar sind: Jesper Lindström, Rafael Borré, Ansgar Knauff, Mario Götze, Randal Kolo Muani, Jens Petter Hauge. Und (noch) ist ja nicht mal Daichi Kamada auf der britischen Insel gelandet, geschweige denn Filip Kostic bei Juventus Turin. Doch selbst wenn das Duo, wie erwartet, bald geht, bieten sich Glasner etliche Variationsmöglichkeiten für die Abteilung Attacke. Ein Stürmer, zwei Stürmer, zwei Spielmacher, nur einer. Profis wie Götze, Muani oder Lindström sind vielfältig einsetzbar, können im Zentrum tricksen oder über die Außen wirbeln. Weniger ausrechenbar soll die Eintracht sein, vor allem für jene Gegner, die den Hessen den Ball überlassen. Die Lehre aus einer mittelmäßigen Bundesligasaison. „Wir hatten oft Probleme im letzten Drittel gegen tiefstehende Gegner“, sagt Sportchef Markus Krösche etwa bezüglich des Königstransfers Götze: „Dort ist er torgefährlich und kann den letzten Ball spielen.“

Zuletzt lag der Fokus des Frankfurter Spiels oft auf den Außen, na klar, dort hielt sich Filip Kostic auf. Ohne den Serben wird sich das Spiel verändern müssen, dann soll der Ball häufiger auch durch die Halbfelder oder das Zentrum zirkulieren. Gerade Götze spielt hierbei eine zentrale Rolle, in den Niederlanden war er jener Profi mit der besten Passquote der Liga, für sein Team aus Eindhoven sammelte er regelmäßig die meisten Ballkontakte.

Eintracht Frankfurt: Götze nimmt „Challenge“ an

Er wolle, so Götze, die „Challenge“ in einer „herausfordernden Liga“ annehmen und als „Puzzleteil“ seinen Beitrag dazu leisten, „dass das Wachstum der Eintracht“ weitergehe. Das Frankfurter Interesse an einem spielstarken Sechser, erst Marc Roca, dann Julian Weigl, auch Diego Demme vom SSC Neapel, ein ehemaliger Weggefährte von Manager Krösche in Paderborn und Leipzig, soll laut italienischer Medien ein Kandidat sein, zielt in eine ähnliche Richtung. Um gegen tiefstehende Konkurrenz besser anzukommen, braucht es Profis, die wissen, wie man sich auf engem Raum den Ball zuspielt.

Ganz vorne dann, wo es drauf ankommt, soll es manchmal auch Kaltschnäuzigkeit richten. Namentlich: Lucas Alario. Der 29-Jährige weiß, wo er zu stehen hat, um sich in gute Abschlusssituationen zu bringen, mit ihm könnten enge Spiele auch mal „dreckig“ gewonnen werden. Der kopfballstarke Alario ist ein Gegenpart zu den wendigen Borrés, Lindströms, Götzes, er bringt Wucht mit. Überhaupt: Leverkusener Weggefährten berichten fast durchweg, dass da ein guter, bodenständiger Typ nach Frankfurt kommt. Aufgewachsen in Tosado, einem Dorf im Norden Argentiniens, erlebte Alario seine Kindheit auf dem familieneigenen Hof. Er beschreibt sich selbst als naturverbunden. „Ich genieße die Ruhe und bin froh, wenn das Zwitschern der Vögel das einzige ist, was ich höre.“

Eintracht Frankfurt: Alario kickt gerne barfuß

Von seinem Heimatklub Atlético Colón, zweite Liga, schaffte er es einst zu River Plate, einem der beiden Vorzeigeklubs des Landes, obwohl die Familie dem anderen, den Boca Juniors, die Daumen drückte. Später wagte er den Sprung nach Leverkusen, traf in der Bundesliga, wurde zum argentinischen Internationalen. Lucas Alario, Spitzname „El Pipa“, die Pfeife, verbringt seine Freizeit gerne daheim, trinkt Mate-Tee und isst argentinisches Asado. Und „am liebsten“, verriet er den Leverkusener Vereinsmedien, „spiele ich ohne Schuhe. So macht es am meisten Spaß.“ Schwierig hierzulande.

Als größten Erfolg verbucht er die neun Länderspiele, unter anderem an der Seite von Lionel Messi. Er sei bei seinem Debüt ehrfürchtig gewesen vor dem Superstar, „aber Leo war ganz freundlich“. In Frankfurt wird Alario selbstbewusster auftreten, einen Stammplatz anpeilen. Einen Messi hat die Eintracht nicht zu bieten, nur einen, der der Welt anno 2014 bewies, an manchen Tagen sogar besser zu sein. (Daniel Schmitt)

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