Mit Potenzial, aber Größennachteil: Rafael Borré.
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Mit Potenzial, aber Größennachteil: Rafael Borré.

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Eintracht Frankfurt: Rückendeckung auf allen Ebenen

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht-Stürmer Rafael Borré nimmt Sturmpartner Goncalo Paciencia in Schutz. Und Sportvorstand Markus Krösche stärkt Trainer Oliver Glasner.

Frankfurt - Die Geschichte mit dem Elfer verlangte mit dem gebotenen Abstand doch noch einer Aufklärung. Wieso also ließ Eintracht-Angreifer Rafael Borré am Sonntag bei diesem vermaledeiten Spiel in Bochum seinem Sturmpartner Goncalo Paciencia bei der Ausführung den Vortritt, zumal er, Borré, ja erst drei Tage zuvor den Ball gegen Olympiakos Piräus aus elf Metern mit Schmackes und Auge ins Tor gepfeffert hatte. „Gonca schießt auch gerne Elfmeter“, antwortete der Frankfurter Spieler, so, als sei das eine logische Legitimation. Man habe vorher besprochen, dass man sich im Fall der Fälle auf dem Feld verständige, und überhaupt gelte: Wer die Situation heraufbeschworen habe, der solle auch schießen, findet Borré. Das widerspricht der alten und wahrscheinlich völlig überholten Elfer-Regel, wonach ein beteiligter Spieler besser nicht antreten solle. Für Borré kein Problem: „Ich freue mich über jeden, der Verantwortung übernimmt.“

Eintracht Frankfurt: Paciencias schwacher Elfmeter

Was dabei herauskam, ist bekannt. Beim Stand von 0:1 hat Paciencia mit einem der laschesten Strafstöße der jüngeren Vergangenheit den Ball in die Arme des Bochumer Torwarts Manuel Riemann geschoben. Das kann passieren. Das Grundübel aber ist: Bei Paciencias Ausführungen ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Schlussmann die Kugel zu fassen bekommt, nicht besonders klein.

Denn der Portugiese schaut den Torwart nicht aus, sondern nur auf den Ball, und er schießt auch nicht besonders hart oder platziert ins Eck. So läuft das Ganze auf ein Vabanquespiel hinaus, schwarz oder rot, fifty-fifty. Im hochgezüchteten und technologisch bis in den letzten Winkel ausgeleuchteten Profifußball sollte so etwas nicht unerkannt bleiben und entsprechende Entscheidungen von übergeordneter Stelle nach sich ziehen. Paciencia wird so schnell keinen Elfer mehr schießen, weil er sich bei der fast schon desolaten Darbietung im Ruhrpott (0:2) am Oberschenkel verletzte und für die Partie am Samstag (18.30 Uhr) gegen RB Leipzig ausfallen wird.

Eintracht Frankfurt: „Toller Spieler, super Typ“

Borré hingegen wird am Start sein, er hat sich festgespielt in der ersten Elf, er ist der, der die Fantasie noch am ehesten beflügelt, dass da zumindest ein Neuer doch noch durchstarten kann. Er bringt Potenzial mit, leider keine Körpergröße: Die 1,74 Meter sind für einen Stürmer hierzulande ungewöhnlich, sie erschweren ihm die Aufgabe in der Bundesliga. Doch Borré ist ein fleißiger Spieler, „der weite Wege geht“, wie Trainer Oliver Glasner sagt. „Er ist ein toller Spieler, super Typ und positiver Kerl. Ich bin froh, dass er bei uns ist.“ Dem Fußballlehrer imponiert, wie der 26-Jährige die vielen Reisen rund um den Erdball wegsteckt, um für sein Heimatland Kolumbien zu spielen. „Sein Pensum ist Wahnsinn.“ Auch der Spieler empfindet die Trips als „Belastung“, aber „wir müssen damit leben“. Jammern hilft ja nicht.

Das gilt auch, ganz generell, für Trainer Glasner, der schon ein bisschen unter Druck geraten ist, sich aber um seinen Job keine Sorgen machen muss. „Die Frage stellt sich überhaupt nicht“, sagte Sportvorstand Markus Krösche dem Pay-TV-Sender Sky. Auf die Frage, weshalb es die Eintracht nicht so mache wie der VfL Wolfsburg, antwortete Krösche: „Weil wir mit Oliver Glasner sehr zufrieden sind. Er ist sehr akribisch, er arbeitet mit der Mannschaft gut. Wir agieren als Team gemeinsam.“ (Ingo Durstewitz)

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