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Sebastian Rode und Kristijan Jakic: Ohne Rücksicht auf Verluste

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Von: Ingo Durstewitz

Arbeiter im Mittelfeld: Kristijan Jakic (links) und Sebastian Rode.
Arbeiter im Mittelfeld: Kristijan Jakic (links) und Sebastian Rode. © AFP

FR-Serie, siebter Teil: Die Eintracht-Profis Sebastian Rode und Kristijan Jakic eint vieles, fußballerisch trennt sie aber einiges.

Frankfurt am Main - In der kroatischen Nationalmannschaft ist es für Kristijan Jakic, den großen Blonden mit dem noch größeren Kämpferherzen, schon mal besser gelaufen, keine Frage. Ende März etwa. Da stand der Eintracht-Terrier erstmals in der Startelf der Kockasti, der Karierten, beim 1:1 gegen Slowenien zeigte er eine tadellose Leistung. Erst wenige Monate zuvor hatte er sein Debüt gefeiert. „Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung“, sagte der 25-Jährige.

In den letzten drei Länderspielen aber saß der Mittelfeldspieler nur auf der Bank, auch in den jüngsten beiden Partien gegen Österreich (0:3) und Frankreich (1:1). Für Jakic ist das nicht zufriedenstellend, aber andererseits kein Grund, um Trübsal zu blasen. Nach seinem Wechsel von Dinamo Zagreb nach Deutschland im vergangenen Sommer hat seine Karriere mächtig Fahrt aufgenommen. „Ich habe alles richtig gemacht“, sagt der in der dalmatinische Hafenstadt Split geborene Spieler.

In seiner Premierensaison im Ausland hat er es auf beachtliche 26 Bundesligaeinsätze gebracht, 21-mal war er für die Anfangself nominiert, in der Europa League kam er in zwölf der 13 Partien zum Einsatz, zehnmal stand er mit den Anpfiff auf dem Feld, nur einmal, im Halbfinalhinspiel gegen West Ham, war er gelbgesperrt zum Zuschauen verdammt.

Furchtlose Fighter

FR-Serie „Die helden von Sevilla“

„Wir sind alle Helden“, hat Torwart Kevin Trapp in der magischen Nacht von Sevilla ausgerufen, jeder habe seinen Beitrag zum Europapokal-Gewinn geleistet. Die FR erinnert in einer mehrteiligen Serie in unregelmäßigen Abständen an diese Helden, an große und kleine, in Fußballschuhen, Blaumann oder Anzug. Heute: Sebastian Rode und Kristijan Jakic. Das nächste Mal: Jan Zimmermann und Kevin Trapp. (FR)

Jakic ist das, was man eine feste Größe nennt, auf ihn ist Verlass, ihn kann man blind reinwerfen, man weiß, was man bekommt: Einen Spieler, der bis zur letzten Sekunde alles, was in seinem Körper steckt, auf den Platz wirft. Ohne Rücksicht auf Verluste. Die spielerische Linie und die taktische Disziplin bleiben mitunter auf der Strecke, sonst wäre er noch besser. Das weiß er. Doch seine Darbietungen waren meist solide bis gut – auch wenn ihm zum Ende der Spielzeit ein bisschen die Luft ausging.

In den letzten Europa-League-Partien musste der furchtlose Fighter seinen Platz für den Kapitän freigeben, Sebastian Rode, lange Zeit ein Wackelkandidat wegen seiner schwer vorgeschädigten Kniegelenke, lief rechtzeitig zum Saisonfinale zu Hochform auf und ging über alle Schmerzen hinweg. Und an einen Rode in Bestform reicht ein Jakic in Bestform nicht heran.

Jakic, der kürzlich seinen Leihvertrag in ein festes Arbeitspapier mit Ablauffrist 2026 umgewandelt hat, was die Eintracht 3,5 Millionen Euro Ablöse kostete, hat dennoch auch in den entscheidenden Spielen seinen Anteil am Erfolg. In Sevilla ersetzte er den ausgepumpten Spielführer kurz vor der Verlängerung. Und Jakic war es, der zwar Ryan Kent in der 118. Minute laufen ließ und so Torwart Kevin Trapp zu einer ungeheuerlichen Weltklasseparade zwang, aber den Nachschuss von Steven Davis mit den Haarspitzen über die Latte lenkte. Ansonsten wäre es gar nicht erst zum Elfmeterschießen gekommen.

Leader mit dem Turban

Da saß Rode, der Vorkämpfer mit Turban, bereits draußen, mit dieser Wunde am Kopf. Der 31-Jährige hat im Endspurt gezeigt, dass er ein echter Kapitän ist, er hat an Format gewonnen, sich aufgeopfert für sein Team, seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt. Fußballerisch ist er mittlerweile sowieso über jeden Zweifel erhaben. Er macht die Mannschaft besser. Davon kann Kristijan Jakic profitieren. Auch Rode, einst bei Bayern und Dortmund, hat von den Besten gelernt. (Ingo Durstewitz)

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