Eintracht Frankfurt
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Frankfurter mit Piräus-Vergangenheit: Goncalo Paciencia. (Archivfoto)

Europa League gegen Piräus

Kriselnde Eintracht muss Doppelbelastung meistern

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Erst Olympiakos Piräus in Europa, dann VfL Bochum in der Bundesliga: Die kriselnden Hessen müssen Spagat meistern.

Frankfurt – Goncalo Paciencia, der fast schon abservierte, zurzeit aber treffsicherste Angreifer von Fußballbundesligist Eintracht Frankfurt, hat benannt, wie es nun laufen sollte. Das Vergangene vergessen, das Kommende angehen. In den Worten des Portugiesen: „Wir müssen ein anderes Gesicht zeigen.“ Er meint: das Europa-League-Gesicht.

Seit geraumer Zeit schon versetzten die internationalen Begegnungen den hessischen Bundesligisten regelmäßig in eine andere Sphäre, abends im Stadtwald, die Flutlichter angeknipst, die Fans erwartungsfroh, die Stimmung prickelnd, da geht es noch ein Stückchen mehr als sonst zur Sache – auf den Tribünen, auf dem Platz. Diese Spiele waren und bleiben besonders für Eintracht Frankfurt. Ehrlicherweise muss aber auch erwähnt werden, dass die letzte vermeintlich magische Europapokalnacht nun doch schon ein wenig zurückliegt. Das 4:1 gegen Salzburg kann genannt werden, Februar 2020, oder wohl noch ein bisschen mehr das 2:1 beim FC Arsenal, November 2019.

Eintracht Frankfurt gegen formstarkes Olympiakos Piräus

Seitdem geboten: diverses Durchwachsenes. Zwei Pleiten gegen den FC Basel, darunter eine deutliche Klatsche, das Remis gegen Fenerbahce Istanbul samt Elfmeterparade von Kevin Trapp in letzter Minute, sowie der glückliche Last-Minute-Erfolg in Antwerpen. Unter das Spezielle mischt sich längst auch eine Portion Alltag.

Dieser Alltag schaut bei der Eintracht nach dem ernüchternden 1:2 gegen Berlin derzeit aus wie das Wetter in Frankfurt, regnerisch, grau, trist. Allzu große Vorfreude auf das Heimspiel am Donnerstag (21.00 Uhr) gegen Olympiakos Piräus ist im Umfeld des Vereins nicht auszumachen. Ein nettes, spannendes Spiel gegen einen guten Gegner, der übrigens noch nie in der Frankfurter Vereinsgeschichte auf der anderen Seite stand, das alles schon, die Skepsis ob der Leistungsfähigkeit des eigenen Teams aber trübt die Erwartungen allemal.

Das lange Warten auf die aktive Fanszene

Für Vorstandssprecher Axel Hellmann steht fest: Die Eintracht leidet massiv darunter, dass noch nicht alle Fans ins Frankfurter Stadion zurückgekehrt sind. „Wir haben von dem Zusammenhalt zwischen der aktiven Fanszene, Fans, Businessbereich, Mannschaft und Vereinsspitze sehr stark profitiert. Es ist eine Tatsache, dass die Eintracht als Klub nur richtig funktioniert, wenn wir die Klammer zwischen allen diesen Gruppen aufrechterhalten“, sagte Hellmann der VRM-Gruppe. Ansonsten bekäme die Eintracht eine ähnliche Beliebigkeit wie manch anderer Verein.

Es müsse einen Impuls geben bei den sportlich kriselnden Frankfurtern, so Hellmann: „Für mich wird das der Zeitpunkt sein, an dem die aktive Fanszene zurückkehren wird.“ Am Donnerstag in der Europa League gegen Olympiakos Piräus sind jedoch erneut nur 35 000 Fans im Stadion zugelassen.

Dabei ist die Ausgangslage im Europapokal für Eintracht Frankfurt eine manierliche. Vier Punkte nach zwei Spielen, Rang zwei in der Gruppe hinter Piräus (sechs Punkte), darauf sollte sich zwar nicht ausgeruht werden, mit einem Heimsieg am Donnerstag aber wäre bereits ein Riesenschritt in die K.o.-Phase geschafft. Blöd nur, dass Identisches für die Griechen gilt. Und die befinden sich zudem in gute fußballerischer Verfassung.

Der 46-fache griechische Meister ist seit dem Aus in der Champions-League-Qualifikation gegen das bulgarische Team Ludogorez Rasgrad ungeschlagen geblieben. Seit Mitte August gab es acht Siege und drei Unentschieden, in der Europa League wurden Antwerpen (2:1) und Fenerbahce (3:0) jeweils verdient bezwungen. Auch ist Olympiakos bereits seit fünf Europapokal-Auswärtspartien ungeschlagen - Vereinsrekord.

Eintracht Frankfurt: Am Sonntag in Bochum zu Gast

Die Eintracht wird sich einer kampfstarken, erfahrenen Truppe, die gewiss stärker als zuletzt die Hertha einzuschätzen ist, erwehren müssen. „Sie spielen meist Mittelfeldpressing und schalten schnell um“, hat der Frankfurter Trainer Oliver Glasner bereits eine erste Einschätzung abgegeben. Die Hessen werden sich allemal steigern und strecken müssen, wollen sie im wettbewerbsübergreifend sechsten Versuch dieser Spielzeit endlich den ersten Heimdreier einfahren.

Eine weitere Schwierigkeit für die Frankfurter: Das Duell gegen Piräus wird alleine aufgrund der missratenen Bundesligastarts unfreiwillig, aber automatisch auch ein wenig zum Zwischenspiel, zum Raumfüller vor dem wichtigen Duell am Sonntagabend in Bochum. Dort, das ist unbestritten, steht das Glasner-Team unter Druck, dort muss es im besten Fall dreifach punkten, will es sich nicht für eine längere Zeit im unteren Teil der Tabelle wiederfinden.

Eintracht Frankfurt: Goncalo Paciencia mit Piräus-Vergangenheit

Mit einem Erfolg gegen Piräus könnte sich zwar das Selbstvertrauen steigern, was unbedingt vonnöten wäre, nicht aber die derzeit missliche Lage in der Liga ändern lassen. Auch Olympiakos befindet sich in ähnlicher Situation. Die Griechen führen zwar die heimische Tabelle an, das ist natürlich ein gravierender Unterschied zur Eintracht, auch sie erwartet am Sonntag aber eine bedeutende Partie: das Duell mit dem Zweiten PAOK Saloniki.

Der Frankfurter Stürmer Goncalo Paciencia, übrigens 2016 auch mal kurz in Diensten der Griechen gewesen, fordert nach Berlin und vor Piräus und Bochum jedenfalls Optimismus ein. Er sagt: „Wir müssen den Kopf hochnehmen.“ Schaden würde es sicher nicht, dazu auch wieder ein bisschen besser Fußball zu spielen. (Daniel Schmitt)

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