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Eintracht Frankfurt erwartet Wolfsburg: Der Rucksack ist weg

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Von: Thomas Kilchenstein

Zwei Offensivkräfte, nämlich Daichi Kamada (vorn) und Filip Kostic (hinten) kehren ins Eintracht-Team zurück.
Zwei Offensivkräfte, nämlich Daichi Kamada (vorn) und Filip Kostic (hinten) kehren ins Eintracht-Team zurück. © Jan Huebner/Imago Images

Eintracht Frankfurt will im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg den Stuttgart-Sieg vergolden. Für Trainer Oliver Glasner ist es ein besonderes Spiel.

Frankfurt – Vor dem Spiel gegen seinen ehemaligen Klub, den er im vergangenen Jahr erstaunlicherweise in die Champions League geführt hat und der in dieser Saison ebenso erstaunlich schwer ins Trudeln geraten ist, vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg also hat sich Oliver Glasner etwas Besonderes ausgedacht, wie Eintracht Frankfurt den vor zehn Tagen frisch verpflichteten Max Kruse aus dem Spiel der Wölfe neben könnte. Dazu muss man wissen, dass der 33-Jährige ganz gerne gegen die Hessen trifft, zudem gilt er als einer, der mit ein, zwei Aktionen eine Partie zu entscheiden pflegt. Um ihn zu stoppen, das verriet der Frankfurter Trainer mit einem breiten Lächeln, habe man vor, am Abend vor der Begegnung am Samstag (15.30 Uhr/Sky) vor 10 000 Fans noch schnell ein Pokerturnier zu veranstalten: „Und wir hoffen, dass er dabei ist.“

Oliver Glasner hat natürlich nur Spaß gemacht, niemals würde er alle Aufmerksamkeit nur auf einen Spieler des Gegners richten, selbst wenn es sich um Max Kruse handelt, sein Team soll die Stärken der Widersacher im Kollektiv beackern und ohnehin mehr darauf schauen, das eigene Spiel durchzubringen. Das gilt auch für die Partie gegen den VfL Wolfsburg, die für ihn keine kreuznormale ist. „Ich hatte zwei sehr erfolgreiche Jahre in Wolfsburg“, deshalb sei das Aufeinandertreffen gegen den VfL immer noch besonders.

Eintracht Frankfurt mit Respekt vor Wolfsburg

Der Respekt vor seinem früheren Arbeitgeber ist weiterhin groß, Glasner will am Mittellandkanal nach dem 4:1-Erfolg über Schlusslicht Greuther Fürth eine „Aufbruchstimmung“ bemerkt haben, es war ja immerhin der erste Erfolg nach zehn sieglosen Pflichtspielen. Und ohnehin gehöre der VfL Wolfsburg mit seinem Kader und seinen regelmäßigen üppigen Finanzspritzen aus dem VW-Konzern längst „in ganz andere Tabellenregionen“. Etwa in jene zu der Zeit, als man sich im Hinspiel traf, da lag der VfL mit neun Zählern vor den Hessen, inzwischen haben die Frankfurter sieben Punkte Vorsprung. Und dieses Polster soll am Samstag ausgebaut werden, selbst wenn der Coach, wie gewohnt, ein „schweres Spiel“ erwartet.

Er sieht der Partie aber auch mit einiger Zuversicht entgegen, die Trainingswoche habe ihn überzeugt, „superintensiv“ sei sie gewesen, dazu kann der Coach personell - bis auf Makoto Hasebe, dem es allerdings nach seiner Brustkorbprellung besser gehen soll - aus dem Vollen schöpfen. Zudem seien nach dem Sieg letzte Woche beim VfB Stuttgart „einige Rucksäcke abgefallen“. Vieles, so der 47 Jahre alte Österreicher, fiel vielen in dieser Woche leichter.

Eintracht Frankfurt: Den Ball flach halten

Die Eintracht steht, wie so häufig, vor einer Weggabelung: Mit einem Sieg gegen Wolfsburg könnte sie weiter oben anklopfen, zu Platz vier sind es für den Tabellenneunten nur drei Punkte, hinter Bayer Leverkusen balgen sich inzwischen gleich sieben Klubs um die Fleischtöpfe auf internationaler Bühne. Aber genau das dürfe man nicht tun, warnt Trainer Glasner, nämlich zu Platz vier schielen.

Viel mehr solle man sich beispielsweise fragen, wie die Wolfsburger Defensive mit einer Durchschnittsgröße von 1,91 Metern zu knacken sei - bei eigenen Stürmern wie Rafael Borré (1,74) und Jesper Lindström (1,82). Vermutlich sollte man in diesem Fall den Ball besser flach halten.

Eintracht Frankfurt: 80 Prozent Kostic reicht

Und hohe Flanken tunlichst meiden, was einen automatisch zur Personalie Filip Kostic führt, weithin als Flankenautomat und Powerpaket geschätzt. Der schnelle Serbe hat seinen Infekt auskuriert, aber bei 100 Prozent Leistungsfähigkeit sei er noch nicht, sagt Glasner, könne er auch noch gar nicht sein.

Seit Mitte Dezember ist er immer mal wieder ausgefallen, mal mit Covid-19, mal wegen Achillessehnen-Beschwerden, mal, wie jetzt, wegen einer Grippe. In den vergangenen sechs Wochen hat der Linksfuß vielleicht acht, neun Trainingseinheiten absolvieren können. Aber, und das ist das Außergewöhnliche an Kostic: „Er tut uns mit 80 Prozent auch noch gut“, sagt Glasner, der noch abwägen muss, ob er für Samstag die offensivere Variante (mit Kostic) oder die defensivere (mit Christopher Lenz) wählt. Mit beiden in der Anfangsformation ist eher nicht zu rechnen.

Dafür hat sich der Fußballlehrer klar und deutlich für Martin Hinteregger als Hasebe-Ersatz ausgesprochen: „Martin spielt.“ Er, Glasner, habe in dieser Trainingswoche einen „engagierten Martin Hinteregger gesehen“, der alles daran setze, wieder auf sein altes Level zu kommen. Das war dem Kärtner zuletzt kaum gelungen, andererseits vergisst Glasner nicht zu erwähnen, dass der stolze 5:2-Sieg gegen Bayer Leverkusen mit „Hinti“ in der Abwehr errungen wurde.

Er dürfte halt nur nicht am abendlichen Pokerturnier teilgenommen haben. (Thomas Kilchenstein)

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