Laufduell: Thilo Kehrer von Paris St. Germain gegen Randal Kolo Muani vom FC Nantes. (Archivbild)
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Laufduell: Thilo Kehrer von Paris St. Germain gegen Randal Kolo Muani vom FC Nantes. (Archivbild)

Transferplanungen

Eintracht Frankfurt: Ärger um Transfer von Randal Kolo Muani – Nantes-Boss schaltet Fifa ein

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Nantes-Boss Waldemar Kita schaltet die Fifa ein, weil Eintracht Frankfurt einen Vorvertrag für den nächsten Sommer mit dem besten Stürmer geschlossen haben soll.

Frankfurt - Der französisch-polnische Unternehmer Waldemar Kita ist sicher das, was man einen umtriebigen, rastlosen Geschäftsmann nennen würde. Seine ersten Millionen machte der in Stettin als Sohn eines polnischen Armeeoberst geborene Fußballliebhaber mit der Herstellung revolutionärer Linsen fürs Auge, er investierte anschließend in das boomende Geschäft der Schönheitschirurgie, verkaufte seine Firma im Jahr 2006 für 180 Millionen Euro und steckte einen Teil der Kohle dann in ein Verfahren zur – Penisvergrößerung. Der Mann, heute 68, weiß also, was Mann braucht und auch, wie Mann sein Geld vermehrt.

Waldemar Kita, ein exzentrischer Typ und schriller Vogel, mag auch Fußball sehr gerne, weshalb er sich 1998 erst beim FC Lausanne einkaufte und den Waadtländern den letzten großen Titel schenkte, Schweizer Pokalsieg 1999. Als er weiterzog, 2001, ging der Verein den Bach runter, Konkurs nur zwei Jahre später. Waldemar Kita suchte sein Glück in Frankreich, 2007 schnappte er sich den FC Nantes für läppische zehn Millionen Euro. Peanuts.

Eintracht Frankfurt: Ärger mit Nantes-Boss Waldemar Kita

Seitdem hat der gewiefte Unternehmer 21 Trainer verschlissen und genießt einen Ruf wie Donnerhall. Besonders beliebt ist er nicht, weder in der Liga noch in Nantes, vor einem halben Jahren initiierten die Fans der „Kanarienvögel“ eine symbolische Beerdigung für ihren Klub, den sie spöttisch „FC Kita“ nennen.

Und nun ist Waldemar Kita auch noch stinksauer – und zwar auf den deutschen Bundesligisten Eintracht Frankfurt. Dem Patriarch an der Spitze passt es nämlich gar nicht, dass sich die Hessen aller Voraussicht nach seinen besten Spieler schnappen, und das auch noch ohne Gegenleistung, sprich ablösefrei. Randal Kolo Muani, 23 Jahre alter Mittelstürmer, kann den FC Nantes im Sommer verlassen, dann läuft sein Vertrag aus. Kita hatte es verpasst, dem Akteur einen Verbleib schmackhaft zu machen und das Arbeitspapier für einen entsprechenden Aufpreis rechtzeitig auszudehnen. Ärgerlich. Für ihn.

Es ist kein Geheimnis, dass die Eintracht, sollte nichts Unvorhersehbares dazwischen kommen (was man in diesem Geschäft freilich nie weiß), das Rennen machen und den Akteur mit einem Fünfjahresvertrag ausstatten wird, die mündliche Zusage hat Muani gegeben. Die Frankfurter sind bereit, dem Angreifer, Marktwert zwölf Millionen, eine Art signing fee zu bezahlen, also eine Antrittsgage in Höhe von rund fünf Millionen Euro. Ein Wechsel jetzt im Winter ist kein Thema.

Sow und Touré melden sich zurück

Djibril Sow und Almamy Touré dürfen das Training bei der Frankfurter Eintracht wieder aufnehmen. Beide Profis waren vor dem letzten Spiel gegen Borussia Dortmund (2:3) vorsichtshalber aus dem Kader gestrichen worden, weil ihre Corona-Tests Werte im Grenzbereich aufgewiesen hatten. Neuerlich durchgeführte PCR-Tests brachten jedoch ein negatives Ergebnis hervor. Beide haben das sogenannte Return-to-Play-Protokoll durchlaufen und eine sportmedizinische Untersuchung absolviert, weshalb sie wieder ins Training eingegliedert werden und am Sonntag in Augsburg spielen können. Am Dienstag absolvierten sie mit der Mannschaft einen Laktattest, am Mittwoch geht es zurück auf den Platz. Nicht dabei sind hingegen nach wie vor die positiv auf Covid-19 getesteten Danny da Costa und Erik Durm.

Eintracht Frankfurt: Verpflichtung von Kolo Muani wäre Coup

Für die Eintracht wäre die Verpflichtung des schnellen Torjägers ein echter Coup, der Franzose mit kongolesischen Wurzeln ist auf dem Markt heiß begehrt, auch der AC Mailand und Borussia Dortmund, angeblich sogar der FC Liverpool haben den Spieler, sieben Tore und drei Vorlagen in 19 Partien in dieser Saison, auf der Liste gehabt. Am Vehementesten buhlte aber der Frankfurter Ligakonkurrent SC Freiburg um Muani. Die Breisgauer wollten den Akteur jetzt sofort verpflichten und hatten sich mit dem FC Nantes bereits auf eine Ablöse geeinigt: neun Millionen Euro. Doch da hatten sie die Rechnung ohne Muanis Agenten gemacht, die nämlich nicht im Traum daran dachten, den Spieler nach Freiburg zu transferieren – weil er eben schon woanders im Wort steht.

Nantes-Boss Kita ist damit ein schönes Geschäft durch die Lappen gegangen, weshalb er nun alle Register zieht, sogar die Fifa eingeschaltet hat und der Eintracht mit rechtlichen Schritten droht. Da ist von Nebenabsprachen, Klüngelei und unlauteren Methoden die Rede, die Eintracht soll laut Kita bereits im Oktober einen Vorvertrag mit dem Spieler geschlossen haben. Schon im Sommer hatte er Beschwerde bei der Fifa eingelegt, weil der Bundesligist am FC Nantes vorbei mit Muani verhandelt habe. Die Eintracht nahm den Protest damals schulterzuckend zur Kenntnis, das Ganze verlief im Sande, die Vorwürfe erhärteten sich nicht. Auch jetzt sorgt das Vorgehen der Franzosen für Verwunderung und Kopfschütteln, offiziell äußert sich die Eintracht nicht dazu.

Eintracht Frankfurt: 2,5 Millionen für Smolcic

Genauso wenig wie der Umworbene selbst, der – auch dies ist gängige Praxis in der Branche – am Sonntag nach der Nullnummer gegen AS Monaco wortreich gar nichts sagte. „Ich weiß von nichts“, bedeutete Muani den bohrenden Reportern. „Wir werden am Saisonende darüber sprechen, wie es weitergeht. Ich lasse meine Familie und meine Agenten sich um all das kümmern.“

Doch der Stürmer ist nicht der einzige Spieler, mit dem die Eintracht weit in den Verhandlungen ist. Auch der kroatische Innenverteidiger Hrvoje Smolcic von HNK Rijeka steht weit oben auf der Liste. Dem Vernehmen nach sind die Frankfurter mit dem 21 Jahre alten Mannschaftskapitän des Erstligisten handelseinig. Der Linksfuß, vertraglich noch bis 2023 in der Heimat gebunden, soll 2,5 Millionen Euro kosten, Rijeka könnte zudem bei einem Weiterverkauf mit 25 bis 30 Prozent partizipieren. Denkbar ist überdies, dass der Deal jetzt sofort über die Bühne geht, die Eintracht den Abwehrmann aber noch ein halbes Jahr ausleiht. Die Eintracht plant erst ab Sommer mit dem U-21-Nationalspieler.

Große Veränderungen wird es im Kader aktuell ohnehin nicht geben, auch auf der Abgabenseite ruht der See still. Das liegt zum einen daran, dass es für viele Eintracht-Spieler, die auf sehr gut dotierten Verträgen sitzen, gar keinen Markt gibt, aber auch an Corona und der Omikron-Variante. Denn im Zuge der raschen Ausbreitung müsse man, heißt es intern, sehr wohl schauen, den Kader nicht zu sehr auszudünnen, um auf Infektionen und einen größeren Ausbruch reagieren zu können: Schon gegen Dortmund blieben aus Personalmangel zwei Kaderplätze unbesetzt. (Ingo Durstewitz)

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