Die Cause Bobic ist noch immer nicht geklärt. Foto: dpa
+
Die Cause Bobic ist noch immer nicht geklärt.

SGE

Kommentar zu Fredi Bobic: Eintracht Frankfurt sollte den Kompromiss suchen

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
    schließen

Bei Eintracht Frankfurt herrscht trotz der sportlichen Erfolge Unruhe. Es geht um Trainer Adi Hütter und um Vorstandschef Fredi Bobic. Ein Kommentar.

Die große Aufregung rund um den Stadtwald hat der Frankfurter Erfolgstrainer Adi Hütter erst einmal runter dimmen können. Mit einem abgeklärten Auftritt fing der Medienprofi die wilden Spekulationen, er würde im Sommer die Kommandobrücke verlassen, ein. Adi Hütter hat sich zwar zu keinem glasklaren, aber zu einem Bekenntnis durchringen können, das deutlich genug ist, um erst einmal Ruhe einkehren zu lassen. Das war clever von ihm – und wichtig für den Verein.

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass Adi Hütter tatsächlich zu Borussia Mönchengladbach wechseln wird, bei einem Topklub sehe das schon anders aus. Der Österreicher hat sich im Halbschatten ins Schaufenster gestellt. Trotzdem wirkt der 51-Jährige nicht so, als befinde er sich auf dem Absprung, im Gegenteil: Er macht einen entschlossenen Eindruck, die Champions League treibt ihn an.

Das alles ändert nichts daran, dass bei Eintracht Frankfurt in diesen Tagen richtig Druck auf dem Kessel und eine vernehmbare Unruhe entstanden ist. Das liegt ein bisschen an Hütter, aber vor allem an der Konstellation auf Führungsebene, aus der Fredi Bobic ja im Sommer ausscheiden und gen Berlin abdanken will. Doch seit der Aufsichtsratssitzung der Eintracht vor dreieinhalb Wochen, während der Bobic zurechtgestutzt wurde, ist (öffentlich) nichts passiert – sieht man von vielen Verhandlungsrunden im Geheimen, dem Geschacher früherer Aufsichtsräte im Hintergrund und lancierten Presseberichten zwecks Stimmungsmache ab.

Viele wähnen mittlerweile den ausgebufften Bobic im Vorteil, weil er die Angelegenheit locker aussitzen könne, die Eintracht aber bei der Nachfolgersuche blockiert sei. Das stimmt einerseits. Vordergründig scheint klar, dass der Klub keinen neuen Vorstand verpflichten kann, so lange der alte noch da ist. Andererseits sollte sich Bobic nicht zu sicher fühlen. Die Möglichkeit, dass die Eintracht ihn zum Bleiben zwingt, ihn quasi zum Frühstücksdirektor degradiert und einen neuen Sportchef installiert, ist zwar unwahrscheinlich, aber sie ist gegeben. Interesse daran hat freilich keine der beiden Seiten.

Kompromiss wäre ratsam

Eintracht-Aufsichtsratschef Philip Holzer muss in seinem ersten Amtsjahr gleich diesen kniffligen Fall lösen, was ungeheuer verzwickt ist, weil der Druck auf ihn von allen Seiten wächst und auch der Faktor Zeit nicht zu unterschätzen ist. Holzer muss nicht nur einen neuen Sportvorstand suchen, der in die enorm großen Fußstapfen Bobics treten wird, sondern auch dessen Abgang abwickeln. Die Situation ist verfahren und auch festgefahren.

Hertha BSC, der designierte neue Arbeitgeber des zweimaligen Manager des Jahres, macht keine Anstalten, auf die Eintracht zuzugehen, Bobic tritt als alleiniger Verhandlungsführer in eigener Sache auf. Die einst von der Eintracht geforderten fünf Millionen Euro als Entschädigungssumme scheinen mittlerweile kaum mehr haltbar, genauso wenig wie ein Bobic-Abschied für lau und mit Goldenem Handschlag. In diesem Fall hätte die Eintracht, in erster Linie ihr Aufsichtsratschef, ihr Gesicht verloren.

Philip Holzer ist klug genug, das zu wissen, er fährt daher einen geraden Kurs und eine harte Linie, was richtig ist. Der 55-Jährige wackelt nicht, beweist Rückgrat und bewahrt Standfestigkeit. Die Eintracht sollte sich nicht kleiner machen als sie ist, sondern aus einer Position der Stärke agieren. Sie hat eine rasante Entwicklung genommen, die Sportchef Bobic zweifelsfrei initiiert hat. Aber es gibt geeignete Fachkräfte, die ihre Befähigung nachgewiesen haben und nachfolgen können. Die Eintracht ist eine höchst interessante Adresse geworden; die Befürchtung, der Laden stünde vorm Einsturz, ist unbegründet, zumal zurzeit keine wichtigen strategischen oder personellen Entscheidungen anstehen. Daher sollte Holzer nicht einknicken und sich treiben lassen, sondern die knifflige Causa Bobic mit Unaufgeregtheit, Souveränität und Geschick zu Ende bringen. Vielleicht, und das sollten beide Parteien erkennen, wäre es ratsam, einen Kompromiss anzustreben und sich irgendwo in der Mitte zu treffen. Denn Patt-Situation helfen meistens niemandem.

Das könnte Sie auch interessieren