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Eintracht: Gleich drei Frankfurter zieht es nach Mainz

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Von: Jan Christian Müller

Mainz 05 baut auf Dominik Kohr, Danny da Costa und Aymen Barkok, die bei Eintracht Frankfurt nicht mehr benötigt werden.

Mainz ‒ Neulich, nach der 0:5-Niederlage beim VfL Wolfsburg, hat Bo Svenssons elfjähriger Sohn Alfred sich ernsthaft Sorgen gemacht. Das äußerte sich dann in etwa so: „Papa, wist du jetzt entlassen?“ Natürlich heißt der Trainer von Mainz 05 auch weiterhin Bo Svensson. Und dieser Bo Svensson, gerade frisch vom Frisör gekommen und noch immer ziemlich unter dem Pollenflug des trockenen Frühlings am Rhein leidend, setzt in Zukunft auf so viel Eintracht Frankfurt bei Mainz 05 wie nie zuvor. Am Samstag (14. Mai) treffen die Lokalrivalen in der Bundesliga aufeinander.

Gleich drei Profis aus der Main-Metropole werden Nullfünfer, sind es schon oder waren es bereits: Dominik Kohr, am Donnerstag (12. Mai) nach zweimaliger Leihe für drei Millionen Euro verpflichtet, Danny da Costa, vergangene Saison als Leihspieler einer der Garanten des Mainzer Klassenerhalts, und Aymen Barkok, das ewige Talent, an dem nacheinander Adi Hütter und Oliver Glasner schier verzweifelt sind.

Aymen Barkok64 Spiele für die EintrachtNoch kein Spiel für Mainz
Danny da Costa129 Spiele für die Eintracht16 Spiele für Mainz
Dominik Kohr49 Spiele für die Eintracht40 Spiele für Mainz

Eintracht Frankfurts Barkok schaffte nie den endgültigen Durchbruch

Svensson traut sich zu, den technisch hochbegabten, aber unsteten Barkok gewinnbringend einzusetzen. Es liegt nun an dem gebürtigen Frankfurter, 2016 der letzte Eintrachtspieler, der den Sprung vom Riederwald zum Profi geschafft hat, in Mainz über die Rolle hinauszukommen, die Edelreservist Kevin Stöger auf Barkoks Position bislang innehatte. Der Österreicher, dessen Vertrag ausläuft, kommt auf eine Startelfquote von drei Prozent und einem Anteil an Spielminuten von 13 Prozent. Barkoks aktuelle Werte bei der Eintracht: sechs Prozent Startelfquote, fünf Prozent Spielminuten. Diese Werte des 23-Jährigen sollten in Mainz ausbaufähig sein. Sportdirektor Martin Schmidt freut sich jedenfalls auf einen „technisch hochbegabten offensiven Mittelfeldspieler, der auch von seiner Art und Mentalität hervorragend zu Mainz 05 passen wird“. Da sieht man nirgendwo ein Fragezeichen.

Die gibt es erst recht nicht bei Dominik Kohr. Der 28-Jährige fühlt sich seit seinem Wechsel im Winter 2020/21 pudelwohl bei Mainz 05 und zeigt dort all das, was man sich bei Eintracht Frankfurt im Gegenwert von 8,5 Millionen Euro Ablösesumme 2019 von ihm erwartet, aber zu selten gesehen hatte. Der unbarmherzig verteidigende defensive Mittelfeldspieler ist der Bo-Svensson-Spieler schlechthin. Einer, der all die Tugenden mitbringt, die Mainz 05 ausmachen. „Es freut mich sehr, dass wir Domme fest verpflichten konnten“, sagt der Trainer, „bei ihm passt es, was die Spielweise angeht und wie er als Typ ist.“

Mainz-Sportdirektor Schmidt schielt auf Europa

Als Typ deutlich extrovertierter haben die Mainzer Danny da Costa in Erinnerung, der in Mainz Top-Leistungen bot, die er in Frankfurt in dieser Saison nicht bestätigen konnte. Aber warum holen die Nullfünfer den 28 Jahre alten rechten Läufer zurück, wo sich doch inzwischen der Schweizer Silvain Widmer recht eindrucksvoll auf da Costas angestammter Position geschlagen hat. Sportdirektor Schmid gibt eine Erklärung: „Wenn die Entwicklung mit Bo so weitergeht, dann könnte in Zukunft auch mal mehr drinliegen für uns.“ Mehr als ein gesicherter Mittelfeldplatz also. Sprich: Die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb.

Sagt in Frankfurt tschüss und heuert in Mainz an: Danny da Costa.
Sagt in Frankfurt tschüss und heuert in Mainz an: Danny da Costa. © dpa

In der nun zu Ende gehenden „Top-Saison“, so Schmidt, „sind wir dazu noch nicht bereit gewesen“. Ein Hauptgrund laut des Schweizers: die Kaderqualität, die gesteigert werden soll. Die ablösefreie Verpflichtung von da Costa geht in diese Richtung. Mit Widmer soll sich der Rückkehrer ein Duell auf Augenhöhe auf der rechten Außenbahn liefern. „Wir wollen eine starke Mannschaft“, so Svensson, „das bedeutet Konkurrenzkampf überall“.

Mainz 05 kündigt weitere Transfers an

Schmidt kündigt entsprechend an: „Wir werden noch auf zwei, drei anderen Positionen nachlegen. Sicher auch im Offensivbereich und im Sturm, um variabler zu werden. Was im Kern in diesem Team steckt, hat man bereits gesehen.“

Was Routinier Stefan Bell zwar einerseits bestätigt: „Rein von den Leistungen her hätten wir in dieser Saison ein paar Punkte mehr holen können.“ Andererseits aber warnt der Verteidiger: „Wir sollten unsere Chancen in der kommenden Saison realistisch einschätzen.“ Mit Schalke, Werder und/oder dem Hamburger SV erwartet Bell noch mehr Druck von hinten. Der eine oder andere Aufsteiger werde sich „von den finanziellen Möglichkeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit über uns einordnen“.

Daher fordert Bell: „Man sollte sich hüten, die Erwartungen an uns zu hoch zu schrauben nach einer guten Saison. Das wäre nicht gerechtfertigt und würde uns auch nicht guttun.“ Die Prognose des Abwehrchefs: „Wahrscheinlich wird es ein extrem harter Kampf in einer brutal ausgeglichenen Liga.“ (Jan Christian Müller)

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