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Eintracht Frankfurt: Die zwei aus dem SGE-Epizentrum

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Von: Ingo Durstewitz

Die Macher: Axel Hellmann, Peter Fischer. Foto: Imago images
Die Macher bei der Eintracht: Axel Hellmann, Peter Fischer. © imago images/Jan Huebner

FR-Serie, Teil 13 Vorstand Axel Hellmann und Präsident Peter Fischer haben Eintracht Frankfurt nach vorne gebracht – jeder auf seine Art

Frankfurt – In der Nacht vor dem alles überstrahlenden Finale sollte es selbst für den umtriebigen Axel Hellmann mal ein paar Momente des Innehaltens geben. Eine Pause von der Rastlosigkeit, der Hatz. Da stand er, der Eintracht-Vorstand, während des Empfangs in der stilvollen Hacienda La Soledad am Stadtrand Sevillas, alleine an der Bar mit einem Gin Tonic in der Hand. Oben auf der Bühne wurde mal wieder der Polizeichor bemüht und unten sang Hellmann mit kräftiger Stimme inbrünstig mit. „Im Herzen von Europa liegt mein Frankfurt am Main...“ Der blanke Stolz floss aus jeder Liedzeile, und ein paar Minuten später bedeutete der Vorstandssprecher seinem Gesprächspartner verschwörerisch: „Morgen holen wir das Ding. Ich weiß es. Ich spüre es. Wir sind dran.“ Es kam, wie orakelt.

Auch für Axel Hellmann hat sich mit dem gigantischen Triumph von Sevilla an jenem Abend im Mai so ein bisschen der Kreis geschlossen. Er, der das Rostock-Trauma von 1992 nie verwinden konnte, das Urgestein mit Eintracht-DNA, er ist mit seinem Klub oben angekommen, ganz oben. Sehr viel weiter empor geht es für einen Mittelständler wie die Eintracht nur noch schwerlich: Fünfmal Halbfinale in den letzten sechs Jahren, vier internationale Startplätze erreicht, einmal Pokalsieger und vor wenigen Wochen die Krönung: Europapokalgewinner.

Axel Hellmann von Eintracht Frankfurt: Der Mann hinter den Kulissen

Axel Hellmann ist an dieser ungeheuerlichen Entwicklung maßgeblich beteiligt, nicht auf dem sportlichen Sektor, aber hinter den Kulissen. Er hat den Klub anders positioniert, ihn in ein anderes Licht gerückt, ihn ständig angeschoben und getrieben, weil er nie zufrieden ist, weil er weiterkommen will. Der 50-Jährige, seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Positionen im Verein und vielleicht bald im DFL-Vorstand, fordert viel, leistet viel. Hellmann hat mit Kleinmacherei nichts am Hut, er denkt groß, verleiht seinem Verein eine Stimme – national wie international.

Sein größte Stärke ist seine strategische Gabe, er denkt langfristig, sieht Entwicklungen voraus, weiß, was zu tun ist, um einen Klub für die Zukunft zu wappnen und ihn so zu positionieren, um die Spitze nicht aus den Augen zu verlieren.

Und er ist, wenn man so will, der Erzeuger dieses besonderen Eintracht-Fluidums, das sich immer zeigt, wenn Großes bevorsteht: dieses symbiotische Zusammenwachsen zu einem großen Ganzen, die Menschen der Stadt und der Region mit dem Verein, der Mannschaft. Dadurch entstehen Kräfte, wo keine Kräfte sind, dadurch wird Unmögliches möglich. Wie der Europa-League-Titel. Hellmann ist der, der diese Stimmung heraufbeschwören kann, der ein Gespür dafür hat, wann der Klub „in diesen Tunnel“ muss, wann es die totale Fokussierung braucht. „Man kann Grenzen verschieben“, sagt er. „Über Mentalität, Teamspirit und die Zusammengehörigkeit im ganzen Verein.“ Er ist so etwas wie der Seismograph der Eintracht.

Peter Fischer von Eintracht Frankfurt: Das Thermometer der SGE

Peter Fischer, dem Hellmann schon ewig freundschaftlich verbunden ist, obwohl beide verschiedener nicht sein könnten, ist dann so etwas wie das Thermometer des Klubs. Der baumlange Präsident ist eng dran an der Basis, mittendrin, überall dort, wo es brennt. Fischer auf dem Fanfest, in der Kneipe, in der Loge, auf dem Empfang, dem Bankett, der Tribüne, der Kabine und der Letzte an der Bar mit einem Wodka im Anschlag – er ist immer am Puls, er, der große Blonde mit der rauchigen Stimme, reißt die Menschen mit. Fischer ist mehr als ein Volkstribun, ein Unikum, ein Original, in Frankfurt Kult. „Peter, gibt ein aus“, ist zum Gassenhauer geworden, egal, wo der 66-Jährige auftaucht. Er zückt dann ein Bündel Geldscheine. Der Mann aus Lich ist das Gesicht der Eintracht, schillernd, laut, direkt, durch seinen Kampf gegen Rechts hat er bundesweite Anerkennung und ungeahnte Popularität erlangt.

Peter Fischer lebt in seiner eigenen Welt, er ist über den Punkt hinaus, dass ihm die Menschen wirklich etwas krumm nehmen. Er macht, was er will, sagt, was er denkt. Zum Beispiel, dass Wladimir Putin ein „asozialer Psychopath und verrückter Massenmörder“ ist. Er ist, wie er ist, Peter Fischer eben, der Funkturm mit den roten Turnschuhen.

In Sevilla zündete er erst eine Sprüchefeuerwerk („Besser als Sex“, „Micky-Maus-Stadion“, „Will aus diesem Scheiß-Pokal saufen“), dann brach er in Tränen aus. Nach dem Triumph. Auch er ist aufgestiegen in den Olymp, mit seiner Eintracht, seinem Leben. (Ingo Durstewitz)

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