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Eintracht-Frauen: Signal aus dem Stadtwald

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Von: Katja Sturm

So soll es wieder gehen: Shekira Martinez von Eintracht Frankfurt trifft zum 1:0 gegen Bayern München.
So soll es wieder gehen: Shekira Martinez von Eintracht Frankfurt trifft zum 1:0 gegen Bayern München. © imago images/Jan Huebner

Vor einer Rekordkulisse eröffnen die Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt am Freitag gegen den FC Bayern München die neue Bundesliga-Saison. Mehr als 20 000 Fans sollen kommen.

Eine Woche vor dem Saisonauftakt fehlte Niko Arnautis im Training. Der 42-Jährige war Vater geworden. „Eine Tochter natürlich“, wie er sagt. Als Coach der Bundesliga-Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt müsse er schließlich für Nachwuchs sorgen. Die zusätzliche Herausforderung zu Hause soll nichts daran ändern, dass Arnautis beim Duell der Adlerträgerinnen gegen Bayern München an diesem Freitag (19.15 Uhr/Eurosport) an der Seitenlinie genauso hellwach sein will wie seine Spielerinnen, die gegen einen der beiden Topklubs der Liga angreifen wollen.

Mit einem 3:2-Erfolg war es der Eintracht im Oktober 2021 schon einmal gelungen, die Favoritinnen aus München zu schlagen. Warum, fragt Kapitänin Tanja Pawollek, sollte das nicht noch mal gelingen, auch wenn, wie ihr Trainer betont, die Bayern selbst in Europa „zur obersten Kategorie“ zählen und sich im Sommer unter anderem mit Europameisterin Georgia Stanway verstärkt haben.

Das Ambiente sorgt für zusätzliche Motivation: Eröffnungsspiel in der Arena im Stadtwald unter Flutlicht. „Wir fiebern sehr auf dieses Spiel hin“, sagt Pawollek, die von einem „Mega-Erlebnis“ spricht. Die Woche über konnten die Hessinnen bereits auf dem Rasen im großen Rund üben und sich im ungewohnten Umfeld akklimatisieren.

Pawollek ist optimistisch

Was sich nicht imitieren lässt, das ist die Lautstärke, die man bei der erwarteten Rekordkulisse vermuten könnte. Doch nachdem ein Großteil gemeinsam von einer Talenttruppe zum ersten Verfolger des dominierenden Duos aus München und vom Doublesieger VfL Wolfsburg reifte, sollte das laut Pawollek keine Rolle spielen. „Wir verstehen uns blind“, sagt die 23 Jahre alte Spielführerin.

Die Begegnung soll für den deutschen Frauenfußball ein Signal setzen. Nachdem in der Vorsaison gerade mal 811 Besucher im Schnitt zu den Liga-Spielen kamen (genau so wenige wie vor 13 Jahren), erhoffen sich alle Beteiligten nun einen deutlichen Aufschwung. Die Begeisterung, die die Nationalmannschaft hierzulande mit ihren überzeugenden Darbietungen bei der Europameisterschaft in England auslöste, wo das Ensemble von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg es bis ins Finale schaffte, soll ins Alltagsgeschäft abstrahlen.

Der 1. Spieltag

Eintr. Frankfurt - Bayern München Fr. 19:15

VfL Wolfsburg - SGS Essen Sa. 13:00

1. FC Köln - TSG Hoffenheim So. 13:00

SV Meppen - SC Freiburg So. 13:00

MSV Duisburg - Bayer Leverkusen So. 16:00

Werder Bremen - Turbine Potsdam So. 16:00

Bei der Eintracht schweigt man sich über die genauen Zahlen des Ticketverkaufs noch aus, spricht nur von einer „geschichtsträchtigen, tollen Kulisse“. Die aktuelle Bundesliga-Bestmarke liegt bei 12 464 Besuchern, die am Ende der Saison 2013/14 sahen, wie der VfL Wolfsburg dank eines späten Kopfballtores der heutigen Nationalmannschaftskapitänin Alexandra Popp die damals noch unter dem Dach des 1. FFC firmierenden Frankfurterinnen mit 2:1 besiegte und den bis dahin Ungeschlagenen damit den Titel wegschnappte. Alles andere als eine deutliche Steigerung, mindestens die Verdopplung dieser Zahl, wäre eine Enttäuschung und ein weiterer Beleg dafür, dass sich, wie in der Vergangenheit gewohnt, die Massen im Frauenfußball zwar für die Großereignisse mit der Nationalelf, nicht jedoch für den nationalen Vereinswettbewerb gewinnen lassen.

„Wir wollen es natürlich erleben, dass sich die Euphorie, die die EM in England ausgelöst hat, auch auf unsere Ligaspiele überträgt“, bestätigt Siegfried Dietrich, der bei den Frauen nicht nur der zuständige Eintracht-Sportdirektor, sondern auch Vorsitzender des Ausschusses Frauen-Bundesligen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist.

Die „große Bühne“, die eine Woche später auch die TSG Hoffenheim bei ihrem Aufeinandertreffen mit den Wölfinnen in der Arena in Sinsheim betritt (das Spiel wird am übernächsten Samstag um 17.55 Uhr live in der ARD übertragen), soll für eine höhere Wahrnehmung beim Publikum und bei Sponsoren sorgen. Neugierige, die sich locken lassen, sollen laut Dietrich dauerhaft als Gäste gewonnen und der angestrebte Wachstumsprozess und das Erreichen neuer Vermarktungspotenziale vorangetrieben werden. Das sei wichtig, um in Zukunft auch im Wettbewerb mit anderen europäischen Ligen mithalten zu können.

Arnautis warnt vor Übermut

Der Charme des ersten Versuchs liegt darin, dass hierbei eine stattliche Zahl an Spielerinnen des Vize-Europameisters aufeinandertrifft. Sara Doorsoun, Sophia Kleinherne, Nicole Anyomi und Laura Freigang bei der Eintracht stehen Giulia Gwinn, Linda Dallmann, Klara Bühl, Lina Magull, Sydney Lohmann und Lea Schüller gegenüber.

„Kaltschnäuzig und konzentriert“ wolle man den Bayern begegnen, habe das neue Spielsystem unter dem neuen norwegischen Trainer Alexander Straus eingehend studiert, sagt Arnautis. Aber man wolle sich die Performance nicht von den anderen diktieren lassen und die eigene Spielidee und Tugenden auf den Rasen bringen. Bei all dem Rummel drumherum dürfe man nicht vergessen, „dass Zuschauer keine Tore schießen“.

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