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Eintracht gegen Real Madrid im Supercup: Europameister gesucht

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Von: Ingo Durstewitz

Eintracht Frankfurt fühlt beim europäischen Supercup in Helsinki Real Madrid auf den Zahn und hat trotz der Bayern-Züchtigung und des großen Gegners nur ein Ziel: den Titelgewinn.

Frankfurt – Das letzte Mal, als sich Eintracht Frankfurt und Real begegneten, hießen die Trainer noch Friedhelm Funkel (Frankfurt) und Bernd Schuster (Madrid). Für die Hessen spielten Oka Nikolov (wer sonst?) im Tor, Habib Bellaid in der Abwehr, im Mittelfeld mühten sich Raketen wie Junichi Inamoto, Markus Steinhöfer und Faton Toski, vorne wuselte Ioannis Amanatidis. Die Spanier fuhren andere Kaliber auf: Iker Casillas, Sergio Ramos, Pepe, Guti, Arjen Robben, Raul, Ruud van Nistelrooy oder Robinho. Endstand damals, am 12. August 2008, fast auf den Tag genau vor 14 Jahren, 1:1, Torschützen Bellaid und Robinho, 50 000 Fans im Waldstadion. Eine Weile her.

Für die Eintracht war es ein ganz, ganz besonderes Spiel. „Real ist ein Mythos, der beste Verein der Welt, die Nummer eins auf dieser Erde“, flötete Coach Funkel ehrfürchtig. Es war, wie konnte es anders sein, eine Partie in aller Freundschaft, die Eintracht musste dem spanischen Klub von Welt sogar eine Antrittsgage auszahlen, damit er überhaupt kommen würde. Das ist so üblich, wenn sich die Galaktischen zu den Irdischen herablassen. Ein Pflichtspiel gegen Real? Das fiel damals in die Kategorie utopisch.

Eintracht Frankfurt mit beachtlicher Entwicklung seit letztem Aufeinandertreffen mit Real

Doch seitdem ist einiges passiert, Friedhelm Funkel hat jeden in der Bredouille steckenden Bundesligisten einmal vor dem Abstieg gerettet, Heribert Bruchhagen züchtet Rosen in Harsewinkel, Ioannis Amanatidis kickt in der Traditionsmannschaft – und die Eintracht spielt in der Champions League. Vorher muss sie sich, weil sie ja auch ganz nebenbei noch die Europa League gewonnen und auf dem Weg dorthin den FC Barcelona kurzzeitig verzwergt hat, aber noch mit diesem spanischen Riesen messen, am Mittwoch (21 Uhr/RTL) in der finnischen Hauptstadt Helsinki: Supercup, der Champions-League-Sieger trifft auf den Europa-League-Gewinner, Real Madrid gegen Eintracht Frankfurt. Gesucht wird, wenn man so will, der Europameister. Oder: Europas beste Mannschaft, um den Frankfurter Europapokalhit zu bemühen. Wer hätte das gedacht?

Für die Eintracht geht es natürlich ums Prestige und Image, wieder einmal. Es ist eine gute Möglichkeit, etwas für die Beliebtheit und den Bekanntheitsgrad zu tun. Der epische Triumph von Sevilla liegt ja schließlich schon fast drei Monate zurück. Im Fußball nahezu eine Ewigkeit. Und da wäre es ganz hilfreich, wenn sich die Mannschaft nicht ganz so unbedarft anstellt wie zum Auftakt in der nationalen Liga gegen die Bayern. Bei der 1:6-Vorführung wurden die Frankfurter Überflieger mal ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. War schon ein bisschen peinlich, und die halbe Welt schaute auch noch zu. Der krachende Niederschlag – vielleicht ein Hallo-Wach-Erlebnis zur rechten Zeit? Manchmal dringen Worte der Warnung nicht durch, manchmal muss man den Schmerz eben fühlen.

Zu oft geschlagen: Um gegen Real Madrid bestehen zu können, müssen Kevin Trapp und Co in Helsinki eine bessere Leistung zeigen als gegen die Bayern.
Zu oft geschlagen: Um gegen Real Madrid bestehen zu können, müssen Kevin Trapp und Co in Helsinki eine bessere Leistung zeigen als gegen die Bayern. © dpa

Eintracht Frankfurt möchte den Titel holen

Bayern hin, Blamage her: Die Eintracht reist nach Finnland, um den Titel zu holen. Das Olympische Motto zählt für sie nicht, dabei sein ist eben nicht alles. „Für uns ist das ein wichtiges Spiel, das wir unbedingt gewinnen wollen. Es ist für uns ja nicht selbstverständlich, in diesem Finale zu stehen, es ist etwas ganz Besonderes“, sagt Sportvorstand Markus Krösche. „Wir wollen uns gerne Supercup-Sieger nennen, das wäre für uns ein enormer Erfolg und eine Riesengeschichte.“

Die Eintracht, die von zahlreichen Freunden und Sponsoren begleitet wird und diese am Dienstagabend in Helsinki in der sogenannten Frankfurter Botschaft standesgemäß empfangen hat, wäre erst der zweite deutsche Verein, der die Trophäe mit nach Hause nehmen dürfte, zweimal, 2013 und 2020, schafften das die Bayern (wer sonst?), Hamburg, Bremen und Dortmund scheiterten bei ihren Versuchen. Die Teilnahme am Supercup beschert dem Klub zudem ein paar dringend benötigte Einnahmen, 3,8 Millionen Euro Startprämie sind beiden Vereinen sicher, der Sieger erhält insgesamt fünf Millionen.

Eintracht-Spiel das erste für Real diese Saison

Für den Bundesligisten wird es im Wesentlichen auf drei Punkte ankommen: Wie ernst nimmt Real das Spiel? Die Madrilenen legen einen Kaltstart hin, starten erst am Wochenende in die neue Saison. Sie sind aber, wie eigentlich alle großen Mannschaften, hungrig nach Erfolg, das ist ihr Antrieb.

„Wer uns kennt, der weiß: Überall, wo ein Titel zu vergeben ist, sind wir da“, sagt der deutsche Mittelfeldspieler Toni Kroos. Und, klar: Er meint das verdammt ernst. Sollte Real in etwa an seine Normalform anknüpfen, wäre die Eintracht chancenlos. Andererseits: Genau das hat in der zurückliegenden Saison auch jeder gegen den FC Barcelona gedacht. Der Ausgang ist bekannt.

Das führt schnurstracks zu Punkt zwei: Die Hessen sollten zuschauen, wieder in ihren Europapokalmodus zu schalten. Per Knopfdruck geht das nun, da der große Triumph von Sevilla geschafft ist, sicher nicht. Aber: „Es liegt in unserer DNA, jedem Gegner Probleme bereiten zu können. Wir möchten als Eintracht Frankfurt für etwas stehen: Dass es unbequem gegen uns werden kann, wir als Mannschaft kämpfen, niemals aufgeben. Das sind Grundtugenden, die wir verinnerlicht haben“, sagt Torwart Kevin Trapp im vereinseigenen Interview. „Diese Mentalität und die Überzeugung, große Mannschaften schlagen zu können, werden wir beibehalten.“ Der Schlussmann, wie das ganze Team unglücklich in die Saison gestartet, freut sich auf das Duell: „Zu diesem Zeitpunkt einer Saison die Möglichkeit zu haben, gegen diesen Verein einen Titel zu gewinnen – besser geht es nicht.“

Eintracht Frankfurt muss sich nach Bayern-Spiel steigern

Dazu wird sich die Eintracht, Punkt drei, aber deutlich steigern müssen, es braucht eine andere Einstellung, eine andere Widerstandskraft und größeren Behauptungswillen. Mit dieser Züchtigung durch die Bayern hatten die Spieler nicht gerechnet. „Der Europa-League-Titel ist schön, aber vorbei“, mahnt Trainer Oliver Glasner. Man müsse wieder zu den Basics, „einen Schritt zurück machen.“

Auch Sportboss Krösche fordert eine klare Steigerung: „Real ist ein ähnliches Kaliber wie die Bayern. Deshalb müssen wir uns da cleverer verhalten, dürfen nicht so sorglos agieren. Ich bin zwar ein großer Freund von Offensivfußball, aber am Freitag war es zu viel Freestyle.“

Ach ja: In einem Pflichtspiel traf die Eintracht bisher erst einmal auf Real Madrid, vor 62 Jahren im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister. Vor 135 000 Zuschauenden im Hampden Park von Glasgow unterlagen die Frankfurter den Königlichen mit 3:7. Es war keine Schande, im Gegenteil, Real stellte damals die mit Abstand stärkste Mannschaft der Welt. Und das Spiel gilt bis heute als das beste Finale aller Zeiten. Die Latte liegt also hoch am Mittwochabend im Olympiastadion zu Helsinki. (Ingo Durstewitz)

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