Verlässt er Frankfurt? Filip Kostic (links). Kommt er nach Frankfurt? Milot Rashica (mitte).
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Verlässt er Frankfurt? Filip Kostic (l.). Kommt er nach Frankfurt? Milot Rashica (m.).

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Eintracht Frankfurt sucht die richtige Balance auf den Flügeln

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Filip Kostic soll vor einem Wechsel zu Inter Mailand stehen, Milot Rashica ein Kandidat für dessen Nachfolge sein: Eintracht Frankfurt muss sich auf den Außenbahnen neu aufstellen.

Frankfurt – Vielleicht ist Filip Kostic wirklich der beste Spieler von Eintracht Frankfurt, sicherlich der wichtigste, selbst wenn da vorne ein Knipser von der Qualität eines André Silva mal so eben 28 Tore schießt. Aber Kostic ist der, der den Unterschied ausmacht, der mit seiner Power und Dynamik über links die Lücken reißt, neue Spielszenen kreiert und im Grunde kaum zu packen ist vom Gegner. Und er legt halt den anderen die Bälle punktgenau auf Fuß oder Schädel, allein in der angelaufenen Saison kommt er auf 17 Vorlagen. So viel wie einst Uwe Bein.

Sollte der 28 Jahre alte Serbe tatsächlich in diesem Sommer Eintracht Frankfurt den Rücken kehren, wäre das, keine Frage, ein herber Verlust. Ein Wechsel zu Inter Mailand ist aber noch keinesfalls sicher, zum einen weil der italienische Meister selbst finanzielle Probleme hat und zunächst eigene Topspieler veräußern müsste, zum anderen müssen sich beide Parteien, also die Vereine, halt noch über den Preis für Kostic handelseinig werden. Unter 25 Millionen Euro würden die Hessen nicht mit sich reden lassen.

Eintracht Frankfurt: Mögliche Vakanz auf der linken Seite

Sollte Kostic also wirklich nach drei Jahren und 127 Pflichtspielen Eintracht Frankfurt verlassen, werden die Hessen sich natürlich um einen adäquaten Ersatz bemühen, eine Aufgabe, die nicht leicht fallen wird, aber zu stemmen ist. „Das Entscheidende“, hat Sportvorstand Markus Krösche zuletzt erst im großen FR-Interview gesagt, „ist doch, dass wir vorbereitet sind“.

Einen Kostic 2.0 zu finden dürfte schwierig sein. David Raum, der mit der U21 gerade Europameister geworden ist, hat bereits bei der TSG Hoffenheim unterschrieben. Dem schnellen Linksfuß wäre zum Beispiel zuzutrauen gewesen, die mögliche Vakanz auf der linken Seite zu schließen. Dass dies gelingen wird, steht für Krösche außer Frage: „Man wird selten einen guten Spieler Eins-zu-eins ersetzen können.“ Man müsse stattdessen versuchen, die dann fehlenden Fähigkeiten „durch die Gruppe“ zu kompensieren. Oder durch sinnhafte Zukäufe.

Eintracht Frankfurt hat Milot Rashica im Blickfeld

Freilich bietet ein etwaiger Kostic-Weggang auch Möglichkeiten, das Frankfurter Spiel in eine andere, bessere Balance zu bringen. Klar, das Wilde, Ungezähmte würde fehlen, dafür könnten sich die Hessen variabler aufstellen, könnten weniger leicht auszurechnen sein. Denn zur Wahrheit gehört auch: Weil das Spiel der Frankfurter sehr stark auf den serbischen Powermann zugeschnitten war, lief an schlechten Tagen des Ausnahmekönners nur noch sehr wenig zusammen. Oder wenn Kostic gedoppelt und aus dem Spiel genommen wurde und nicht durchkam, mangelte es den Hessen enorm an Durchsetzungsvermögen. Und die Frage ist ja auch: Kann Kostic, der 29 Jahre alt wird, noch einmal eine derart bärenstarke Runde spielen? Und von Verletzungen freibleiben? Ein Stück weit wird sich die Eintracht von ihrem Besten emanzipieren müssen. Vorstand Krösche will, dass die Spiel-Gestaltung auf mehreren Schultern lastet.

Unstrittig dürfte sein, dass im neuen System Geschwindigkeit auf den Außen gefragt ist. Das ist der Stil, den der Trainer Oliver Glasner bevorzugt. Ins Blickfeld der Eintracht ist da unter anderem der Bremer Milot Rashica gekommen, den kurioserweise sowohl schon Krösche für RB Leipzig als auch Glasner für Wolfsburg gewinnen wollten. Interesse am schnellen Bremer, zuletzt allerdings mit mehr Tiefen als Höhen, ist also hinterlegt, allerdings wird die Eintracht keine Ablösesumme in der von Werder geforderten Größenordnung von zwölf Millionen Euro berappen.

Über rechts kam bei Eintracht Frankfurt schlicht zu wenig

Und auch auf der anderen Seite, der rechten, besteht im Grunde Handlungsbedarf. Dort stehen bisher Erik Durm oder Timothy Chandler bereit, denen beiden die letzte Geschwindigkeit fehlt. Und Danny da Costa ist eher für rechts hinten in einer möglichen Viererabwehrreihe vorgesehen. Fabio Blanco, die hoffnungsvolle Neuerwerbung des FC Valencia, ist mit seinen 17 Lenzen sicherlich noch zu jung, um eine ganze Saison den Flügel zu beackern, selbst wenn er keinesfalls als Perspektivspieler verpflichtet wurde, der zunächst lernen soll. Auf den jungen Spanier, von vielen europäischen Spitzenklubs umworben, halten sie große Stücke bei der Eintracht. Trotzdem wäre noch ein gestandener Mann auf dieser Seite sicherlich nicht verkehrt.

Zuletzt kam über rechts schlicht zu wenig. Erik Durm, der rechtschaffen spielte, etwa schaffte in einer Saison ganze zwei Vorlagen. Das ist für einen offensiven Außenbahnspieler zu wenig. Und auf torgefährliche Flügelspieler legt Trainer Oliver Glasner nun mal großen Wert. (Thomas Kilchenstein)

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