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Eintracht-Verteidiger Evan Ndicka: Der Elegante

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Von: Thomas Kilchenstein

Abgezockt und cool. Verteidiger Evan Ndicka.
Abgezockt und cool. Verteidiger Evan Ndicka. © IMAGO/Moritz Müller

FR-Serie „Helden von Sevilla“, 14. Teil: Evan Ndicka spielt trotz Jugend erstaunlich abgeklärt und wird stetig wertvoller.

Er hat einfach weitergespielt, dann halt ohne den Fußballschuh. Hat sich gelohnt, zwei Pässe später lag der Ball im Netz, ohne den Strumpfkick wäre der Siegtreffer nicht gefallen.

Es war in Piräus, kurz vor Schluss. Evan Ndicka, der gleichermaßen elegante wie kantige Verteidiger gewinnt in der eigenen Hälfte einen Zweikampf, verliert einen Schuh, marschiert dennoch mutig wie häufig nach vorne, auf Strümpfen, passt zu Jesper Lindström, der wiederum Jens Petter Hauge in Szene setzt - und die Partie gegen Olympiakos ist gewonnen, 2:1, Ndicka jubelt bestrumpft.

Für manchen bei Eintracht Frankfurt war das ein prägender Moment der Europa-League-Saison, ein „geiler“ sogar, etwa für den Aufsichtsratchef Philip Holzer, „dieser Wille, diese Leidenschaft“, schwärmte er. Der früherer Amateurtorwart fand, dies sei für ihn „der Wendepunkt der Hinrunde“ gewesen.

Der Franzose aus Paris mit Wurzeln in Kamerun hat persönlich einen gewaltigen Satz in seiner Entwicklung gemacht. Der Hüne ist schnell, zweikampfstark, er verteidigt mit Ruhe und Eleganz, die außergewöhnlich sind, dazu abgeklärt, gar abgezockt, dabei ist der Bursche immer noch erst 22. Allerdings hat er schon 104 Bundesligaspiele auf dem Buckel und 25 Partien auf europäischer Ebene, vier Tore hat er in dieser Runde erzielt. Längst bringt er alles mit, was ein Topverteidiger auf höchstem Niveau braucht, inzwischen ist er wertvollster Spieler der Eintracht mit einem Marktwert von 32 Millionen Euro. Bleibt er? Geht er? Begehrlichkeiten hat der Verteidiger, seit 2018 bei den Hessen, längst geweckt. Er kann sich inzwischen auch eine Vertragsverlängerung vorstellen bei der Eintracht, um womöglich erst zu einem späteren Zeitpunkt zu wechseln. Sicher ist freilich noch nichts. Trainer Oliver Glasner würde Ndicka mit Handkuss behalten, seine Entwicklung hält er noch nicht für beendet. „Er hört sehr genau zu, er wird sich weiter verbessern.“

Ein überragendes Spiel machte Ndicka in Barcelona, als er Landsmann Ousmane Dembele nie zu voller Entfaltung kommen ließ. Dummerweise sah er in der zehnminütigen Nachspielzeit die Gelb-Rote Karte, wobei die erste ein Missverständnis war: Er hatte den Ball weggeschlagen, weil er sah, dass sich Kevin Trapp die Kugel zum Abstoß hingelegt hatte, der Schiedsrichter interpretierte das aber als Zeitspiel. Im Finale blieb er, wie so oft fehlerlos, ließ nichts anbrennen - und machte nach 100 Minuten Platz für Christopher Lenz. Den brauchten die Hessen beim Elferschießen. (Thomas Kilchenstein)

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