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Eintracht Frankfurt: Immer schön flexibel bleiben

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Von: Daniel Schmitt

Vom Brecher bis zum Bonusspieler: Wie Eintracht Frankfurt zwei Wochen vor dem Trainingsstart aufgestellt ist.

Frankfurt – In zwei Wochen wird der Fußballtrainer Oliver Glasner seine Europahelden von Eintracht Frankfurt wieder im Frankfurter Stadtwald begrüßen dürfen, und er wird selbst in Abwesenheit der Nationalspieler, die eine Woche später ins Eintracht-Training starten, ein recht große Gruppe versammeln können. Alleine sechs Zugänge stehen parat. Doch was taugt das Team des Europa-League-Siegers, wo sind offene Stellen zu vergeben, wie ist der Bundesligist derzeit aufgestellt?

Tor: „Diese drei Jungs machen jedem Freude, sie pushen und fordern sich gegenseitig“, sagt Jan Zimmermann im FR-Gespräch. Er sollte es wissen, der Coach der Ballfänger. Voran wirft sich, na klar, Kevin Trapp, der trotz der finalen Heldentaten beim DFB-Team wieder mal keine Minute spielen darf. Das nur am Rande. Mit Trapp, 31, Diant Ramaj, 20, der nach einer Meniskus-OP wieder fit ist und erneut als Nummer zwei die erste Trapp-Alternative sein wird, sowie Jens Grahl, 33, hat die Eintracht ein Trio beisammen, das keiner Anpassung bedarf.

Eintracht Frankfurt mit einer großen Auswahl an Innenverteidigern

Innenverteidigung: Sieben Spieler vereint der Kader für zwei oder drei zu vergebenden Jobs (je nach System). Für halblinks Evan Ndicka, Martin Hinteregger und Hrvoje Smolcic, für halbrechts Tuta, Jerome Onguene und Almamy Touré. Bei einer Dreierformation für die Mitte Hinteregger, Tuta und Makoto Hasebe. Eine große Auswahl, wohl eine zu große. Nach dem jüngsten Ärger ist eine Trennung von Hinteregger wahrscheinlich, auch bei Ndicka rechneten die Eintracht-Verantwortlichen noch im Frühjahr mit einem Verkauf. Doch will der Franzose überhaupt weg, jetzt, da er mit den Hessen in der Champions League spielen und kommenden Sommer ablösefrei (inklusive hohem Handgeld) wechseln könnte?

Stellt Trainer Glasner auf eine Viererkette um, wäre eine Innenabwehr mit Ndicka und Tuta zwar jung, aber von gehobenem Niveau. Die Neuen, Onguene und Smolcic, müssten sich dahinter einreihen, ohnehin müssen sie sich erst einmal in einer stärkeren Liga beweisen. Auch noch da: Makoto Hasebe. Der 38-Jährige wird, wenn der Eindruck nicht trügt, mehr denn je von den Verantwortlichen als Bonusspieler angesehen. Er scheint für die erste Reihe nur noch selten vorgesehen. Weitere Verpflichtungen sind nicht geplant, eher Abgänge. Einer von Hinteregger wäre – zumindest anfangs - sportlich eine Schwächung. Im Falle von Ndicka sowieso.

Eintracht Frankfurt: Neue Optionen auf den Außenverteidiger-Positionen

Außenverteidigung: Zwei Positionen, die es in der vergangenen Saison im Grunde nicht gab, die es künftig aber geben könnte. Mit Aurelio Buta (25, neu aus Antwerpen) für rechts und Ridvan Yilmaz (21, Besiktas Istanbul) für links, der in diesen Tagen den Medizincheck absolvieren und etwa drei Millionen Euro kosten soll, stellt sich die Eintracht breiter auf. Dazu verfügt Glasner mit Christopher Lenz und Timothy Chandler über weitere Optionen.

Allerdings: Reicht die Klasse der Neuen, um das System dauerhaft zu einer Viererreihe umzubauen? Bei jener der Alten sind jedenfalls Zweifel angebracht. Yilmaz und Buta sollten also in einer für sie unbekannten Liga rasch funktionieren, damit eine Systemumstellung Positives bewirkt. Glasner wird darauf achten müssen, nichts übers Knie zu brechen, taktisch flexibel zu bleiben. Der Kader wirkt durch die Zukäufe flexibler, etwas, das bei einem Verkauf von Filip Kostic (siehe Außenangriff) dringend nötig ist.

Zentrales Mittelfeld: Djibril Sow, Sebastian Rode und Kristijan Jakic - das Trio allein genügt nicht für höhere Ansprüche, zumal Ajdin Hrustic dahinter die Klasse fehlt. Die Eintracht weiß das, fahndet nach einem Neuen fürs Zentrum, der über derartige Qualitäten verfügt, die ihn direkt in die Stammelf spülen - im Wechsel mit dem immer mal wieder Pausen benötigenden Kapitän Rode. Als Zehner steht Daichi Kamada parat, sollte es diese Position in Glasners Taktik kommende Saison überhaupt geben und der Japaner bei der Eintracht bleiben.

Eintracht Frankfurt: Besetzung der Außenposition hängt mit System zusammen

Außenangriff: Was will Kostic? Geht er? Bleibt er? Davon hängt viel ab. Die Spielweise, das System, die Ausrichtung. Verliert die Eintracht den Serben, kann es auf links nur schlechter werden. Ein Neuer, der dann kommen muss und wird, kann auf Anhieb nicht so stark sein, wie es Kostic ist. Glasner wird dann versuchen, seine Elf besser austariert aufs Feld zu schicken, weniger linkslastig spielen zu lassen, im Kollektiv den Einzelkönner zu ersetzen.

Sollte der Coach die Seiten jeweils doppelt besetzen, wäre die Last auf mehrere Schultern verteilt. Leute wie Jesper Lindström, Jens Petter Hauge und Randal Kolo Muani können auf den Flügeln aushelfen, aber nicht eine Seite alleine beackern. Ihre Stärken liegen in den Halbräumen, auch Kamada ist dort anzusiedeln. Faride Alidou wird Zeit brauchen. Ganz rechts bleibt Ansgar Knauff erste Wahl. Alles in allem: Geht Kostic, muss ein Ersatz mit Startelfpotenzial her. Verabschieden sollte man sich jedoch vom Gedanken, dieser könnte Kostic im Alleingang ersetzen.

Eintracht Frankfurt: Weghorst könnte den Sturm komplettieren

Angriff: Wahrscheinlich ist, dass es die Eintracht häufiger mit zwei Spitzen probieren wird. Rafael Borré geht voller Selbstvertrauen in seine zweite Bundesligasaison, kann an der Seite eines zweiten Angreifers nur profitieren. Vorfreude haben sie in Frankfurt auf Muani, der erste Wahl sein dürfte, erfüllt er die in ihn gesteckten Erwartungen.

Bald mit- und nicht mehr gegeneinander? Evan Ndicka (links) und der potenzielle Sturm-Neuzugang Wout Weghorst.
Bald mit- und nicht mehr gegeneinander? Evan Ndicka (links) und der potenzielle Sturm-Neuzugang Wout Weghorst. © imago images/Hübner

Ein dritter Stürmertyp, Marke Brecher, wird gesucht, Wout Weghorst liegt am Aussichtsreichsten im Rennen, vor Lucas Alario oder Sebastian Polter. Bloß: Braucht der Niederländer für sein Spiel nicht eigentlich viele Flanken? Wer schlägt sie, wenn es nicht mehr Kostic tun sollte? Andererseits funktionierte Weghorst bereits in Wolfsburg unter Glasner, als das Spiel ebenfalls nicht nur auf hohe Hereingaben ausgelegt war. Er verspricht jedenfalls „einfache“ Tore. Wichtig wäre ein dritter Mann von gehobener Klasse allemal, den restlichen Angreifern (Goncalo Paciencia, Ragnar Ache, Ali Akman) fehlt es an jener. (Daniel Schmitt)

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