Der frühere Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler (rechts) machte 20 Pflichtspiele für die Western Sydney Wanderers.
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Der frühere Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler (rechts) machte 20 Pflichtspiele für die Western Sydney Wanderers.

Lebensmittelpunkt bis Sommer in Frankfurt

Pirmin Schwegler beendet das Abenteuer Australien

  • Thomas Kilchenstein
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Der früherer Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler schließt das Kapitel Australien: In Frankfurt denkt er nun über seine Zukunft nach.

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Pirmin Schwegler hatte schöne Pläne, wie es denn nach der Saison hätte weitergehen sollen. Im Mai wäre die Runde in der A-League in Australien normalerweise zu Ende gegangen, da lief auch der Jahreskontrakt des Schweizers aus. Er hatte vor, mit seiner Frau das faszinierende Land zu bereisen, jenes Land, in das er, ein bisschen überraschend war das gekommen, im vergangenen Sommer gewechselt war, nach 13 Jahren in der Bundesliga, auch, weil „ich mir einen Lebenstraum erfüllen wollte“.

Also hatten die Schweglers vor, ans Great Barrier Reef zu reisen, ein wenig zu schnorcheln, per Greyhound-Bus stundenlang durchs Outback zum Ayers Rock zu gondeln, selbst wenn der berühmte heilige Berg Uluru nach Intervention der Aborigines für Touristen mittlerweile gesperrt ist und nicht mehr erklommen werden darf. Der fünfte Kontinent am anderen Ende der Welt bietet für neugierige Menschen ja eine Menge an Sehenswürdigkeiten, in der weltberühmten Oper war er zuvor schon gewesen, die Blue Mountains waren erwandert, Koalas und Wambots gestreichelt. „Australien ist ein tolles, ein beeindruckendes Land, die Natur, diese Weite, die Menschen“, sagt Pirmin Schwegler heute. Gerne wäre er noch ein paar Monate länger geblieben.

Doch das Corona-Virus* hat auch ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Mittlerweile ist der inzwischen 33 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler wieder zurück, in Deutschland, sogar in Frankfurt, seine Frau stammt ja von hier. Seit Anfang April ist Schwegler in der Bankenstadt, einen der letzten Flieger von Down Under haben die beiden noch erwischt, sicher war das lange nicht. Die Fußballsaison in Australien, die A-League mit elf Teams, war da längst ausgesetzt worden und wird auch nicht fortgeführt.

Am 14. März hat Pirmin Schwegler das letzte Mal für die Western Sydney Wanderers gespielt, 1:1 bei FC Melbourne City, die achte Gelbe Karte hat er da gesehen. Auch sportlich hat das prima gepasst in Australien, Schwegler hatte 20 Pflichtspiele absolviert, einige auch an der Seite von Alex Meier, der im Januar dieses Jahres seine Fußballschule endgültig an den Nagel gehängt hatte; aber auch mit anderen Weggefährten, etwa Nicolai Müller, einst ebenfalls bei der Eintracht am Ball, der fünf Treffer erzielte und dessen Vertrag noch ein weiteres Jahr läuft, oder Landsmann Daniel Lopar im Tor.

Die zwei Monate hätte Schwegler gerne noch gespielt, „es hat Spaß gemacht“, diese Erfahrung mochte er keinesfalls missen. Und mithalten konnte der 14-fache Schweizer Nationalspieler allemal, selbst wenn es deutlich rustikaler als in der Bundesliga zu Werke ging.

Das Abenteuer musste also vorzeitig beendet werden. Schwegler kann damit leben, er steht ja ohnehin am Ende seiner Karriere. „Aber für jüngere Spieler, die erst am Anfang sind, ist diese Situation natürlich höchst unbefriedigend.“

Das abrupte Ende der Saison hat Pirmin Schwegler in einer Phase getroffen, da er selbst noch nicht en detail weiß, wie es weitergeht. Geplant war, dass er sich diese Gedanken im Mai machen wollte, in aller Ruhe, während der Tour durch die Natur und mit genügend Abstand. Im Augenblick wähnt er sich in der Findungsphase, er weiß noch nicht so recht, wohin die Reise gehen soll. „Das will ich erst einmal sacken lassen.“ Die letzte Monate seien ja – auch wegen der verheerenden Buschbrände in Australien um die Weihnachtszeit – recht turbulent gewesen.

Möglichkeiten gibt es einige, er wolle alles auf sich zukommen lassen, auch einer Fortsetzung seiner aktiven Laufbahn ist der kluge Kopf nicht gänzlich abgeneigt. Es muss halt passen. Die Tendenz indes geht dahin, dass er nach seiner Karriere, wie es so schön heißt, dem Fußball erhalten bleibt „Ich liebe den Fußball“, sagt er. Der Fußball habe ihm viel gegeben, seit er als Fünfjähriger beim FC Grosswangen anfing und nach Stationen beim FC Luzern und Young Boys Bern als 19-Jähriger zu Bayer Leverkusen wechselte und in der Bundesliga seitdem 262 Spiele bestritt, dann bei Eintracht Frankfurt, TSG Hoffenheim und Hannover 96. Die längste Zeit spielte er in Frankfurt, von 2009 bis 2014, „eine toller Zeit“, sagt er. Er war Kapitän der Mannschaft und ihr Stratege, der „Quarterback“, wie ihn Trainer Armin Veh gerne bezeichnete.

In bester Erinnerung ist der Durchmarsch eben unter Veh. Aus der zweiten Liga marschierte die Mannschaft bis in den Europapokal, ehe erst der FC Porto das Stoppschild setzte. Im Grunde hat jene Mannschaft, von der heute noch Kevin Trapp und Sebastian Rode dabei sind, diese Gier, für die Eintracht Frankfurt mittlerweile gerühmt wird, nach den internationalen Auftritten erst geweckt,

In Frankfurt hatte Pirmin Schwegler aber auch bereits ein Fernstudium in Sportmanagement und Marketing begonnen, ein Feld, das er ebenfalls beackern könnte. „Auch das ist eine Option“, selbst wenn er sich darauf jetzt nicht festlegen will. Die Entwicklung bei der Eintracht hat er verfolgt, er findet sie beachtlich: „Das alles ist kein Zufall.“ Fühler hat auch sein alter Klub, der FC Luzern, ausgestreckt, wo Bruder Christian aktuell noch spielt. Aber das seien bestenfalls Gedankenspiele. Sicher ist nur, dass er seinen Lebensmittelpunkt bis Sommer in Frankfurt sieht.

„Aktuell sind andere Themen auf der Agenda“, sagt Schwegler, die Corona-Pandemie. „Diese Krise muss erst noch gelöst werden.“ Er selbst ist negativ auf das Virus getestet worden, wegen seiner in der Kindheit überstandene Leukämie-Erkrankung zählt er nicht zwangsläufig zur Risikogruppe. Immerhin hat Pirmin Schwegler bald 15 Jahre Leistungssport schadlos überstanden. Und vielleicht ist noch nicht Schluss mit der Kickerei. Der Horizont jedenfalls ist geweitet.

Von Thomas Kilchenstein

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

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