Will in Frankfurt einen neuen Anlauf nehmen, das scheint aber ziemlich aussichtslos: Frederik Rönow, gepeinigt von Schalke 04.
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Will in Frankfurt einen neuen Anlauf nehmen, das scheint aber ziemlich aussichtslos: Frederik Rönow, gepeinigt von Schalke 04.

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Rückkehrer zu Eintracht Frankfurt: Erst Chaos, jetzt chancenlos

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Aussichten für die Schalke-Rückkehrer Frederik Rönnow und Goncalo Paciencia bei Eintracht Frankfurt sind trüb.

Frankfurt – Die abgelaufene Spielzeit beim Sang- und Klanglos-Absteiger FC Schalke 04 gehört für den Ballfänger Frederik Rönnow zu der turbulentesten, aber auch schwärzesten seiner gesamten Karriere. Klar, auch in den Jahren zuvor war der dänische Internationale nicht unbedingt von Fortuna geküsst, sein Stammplatz war der auf der Ersatzbank, in Frankfurt kam er an Eintracht-Aushängeschild Kevin Trapp nicht vorbei. Doch eine Saison mit so vielen Tiefen und Rückschlägen wie die letzte auf Schalke hat der 28-Jährige noch nie erlebt.

Am Ende steht nicht nur der tiefe Sturz ins Unterhaus der Balltreterei mit einer historischen Negativbilanz, sondern auch eine große persönliche Enttäuschung. Rönnow kommt nur auf zehn Startelfeinsätze bei den Gelsenkirchenern, so häufig wie die Trainer bei S04 wechselten, so häufig wechselten auch die Torhüter. Ein Bäumchen wechsle dich in Dauerschleife. Gerade an der letzten Ausbootung durch Dimitrios Grammozis, der ihm erst das Vertrauen schenkte und ihn dann fallen ließ, hatte der Däne zu knabbern, weil es da nicht nach dem Leistungsprinzip ging, sondern eher darum, wer mit den Schalkern den Weg in die zweite Liga antreten würde. Da gab es bei Ralf Fährmann, einem königsblauen Urgestein, keine Zweifel. Rönnow hingegen, das war klar, würde nach der einjährigen Leihe zurück nach Frankfurt gehen. Zumal sie ihn auf Schalke gar nicht mehr wollten.

Eintracht Frankfurt: Frederik Rönnow wusste fast immer zu überzeugen

Obwohl Rönnow, wenn er die Kiste hüten durfte, fast immer ordentliche Spiele machte, war er nie unumstritten. Was wie ein Widerspruch klingt, ist bei näherer Betrachtung keiner. Denn seine Leistungen waren zwar meist solide bis gut, aber er war dennoch nicht der absolute Rückhalt, konnte dem wankenden Konstrukt nicht die nötige Stabilität verleihen. Das lag weniger an ihm als an seinen Vorderleuten, doch Rönnow ist eher ein Leisetreter, ein schmächtiger Schlussmann mit wenig biestiger Ausstrahlung.

Genau aus diesem Grund verlor er letztlich den Zweikampf gegen Ralf Fährmann – und das sagt einiges. Denn der 32-Jährige ist gewiss keine Koryphäe auf seinem Gebiet, wurde vorher auf Schalke schon degradiert und weggeschickt. Doch für Rönnow reichte es.

Eintracht Frankfurt: Zimbo, vom Spezi zum Chef

Zudem: Der dänische Nationaltorwart, zurzeit bei der EM Bankdrücker hinter Ikone Kasper Schmeichel und dem Ex-Mainzer Jonas Lössl, konnte auch im Ruhrpott seine Verletzungsanfälligkeit nicht ablegen. Als der Druck größer wurde, setzte ihn eine hartnäckige Adduktorenblessur für einige Wochen außer Gefecht – Stammplatz futsch. In der Vorsaison in Frankfurt, als er den verletzten Kevin Trapp exzellent vertrat, zog er sich einen Sehnenriss zu, und als die Eintracht ihn 2018 für drei Millionen Euro als Nachfolger für Lukas Hradecky aus Kopenhagen verpflichtete, schleppte er eine rätselhafte Knieverletzung ein: Der Eintracht war das Risiko zu groß, sie verstärkte sich mit Kevin Trapp, Rönnow guckte in die Röhre. Viele fragten sich, ob bei ihm vielleicht die Psyche auf den Körper Einfluss nimmt.

Die Chance für Rönnow, bei Eintracht Frankfurt noch mal durchzustarten, tendiert gen null. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr, doch die Eintracht hat sich auf der Torwartposition neu aufgestellt, das junge Talent Diant Ramaj aus Heidenheim geholt. Für Rönnow ist eigentlich kein Platz mehr, die Eintracht würde ihn auch ziehen lassen und so Gehalt sparen, das nicht exorbitant hoch ist, aber bei rund 1,5 Millionen Euro liegt. Interessenten werden jedoch nicht Schlange stehen, der sympathische Familienvater, Pianist, Leseratte, Skatspieler und Hobbykoch, war vor einem Jahr nach starken Vorstellungen als Trapp-Vertreter in einer ungleich besseren Position – entschied sich dann aber für Schalke und das größtmögliche Chaos. Vielleicht geht ja jetzt was in der zweiten Liga oder in seiner Heimat. Das hatte er sich vor drei Jahren freilich anders vorgestellt.

Zumal für Rönnow, ein feiner, sensibler Kerl, die Situation in Frankfurt keine leichte ist, seit Jan Zimmermann nicht mehr Kollege, sondern Torwarttrainer ist und sich dadurch die extrem vertrauensvolle Beziehung der beiden verändert hat. „Zimbo“, sagte der Däne mal, „ist mein bester Freund in der Mannschaft.“ Über Nacht war er plötzlich der Chef. Das ist nicht einfach.

Eintracht Frankfurt: Auch Goncalo Paciencia in einer kniffligen Lage

Rönnow also ist in einer kniffligen Lage, und das gilt – kann das Zufall sein? – auch für die andere Schalke-Leihgabe Goncalo Paciencia. Die Bilanz des Stürmers, den eine schwere Knieverletzung monatelang außer Gefecht gesetzt hatte, ist ähnlich deprimierend wie die des Keepers: 16 Spiele, neun von Beginn an, ein einziges Törchen. Das ist ernüchternd. So lässt sich das einjährige Gastspiel in Gelsenkirchen grundsätzlich zusammenfassen. „Er musste viel durchmachen“, sagt sein Eintracht-Kumpel Timothy Chandler. „Er ist glücklich, dass er in Frankfurt noch Vertrag hat und zurückkommt.“

Auch er kehrt zurück nach Frankfurt, könnte aber verkauft werden: Goncalo Paciencia, unglücklich auf Schalke. dpa

Doch hat der Portugiese, Vertrag bis 2023, noch eine Zukunft? Das ist eher zweifelhaft. Der 26-Jährige ist nicht der schnelle Spieler mit Tiefgang, den die Frankfurter suchen. Bei Ex-Trainer Adi Hütter kam er nie über seinen Status als Stürmer Nummer drei hinaus, auch das war kein Zufall. Paciencia wird sich Oliver Glasner vorstellen und sich zeigen. Er wird sich aber mächtig strecken müssen, um den neuen Trainer von einer Weiterbeschäftigung zu überzeugen.

Der Eintracht wäre es ohnehin am liebsten gewesen, wenn Schalke die Klasse gehalten hätte. Dann hätte S04 den Stürmer fix kaufen müssen – für fast zwölf Millionen Euro. Das wäre der Deal des Jahres gewesen – im freien Markt wird die Eintracht nur ein Bruchteil dessen erzielen. (Ingo Durstewitz)

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