Spezialist für schöne Tore: Goncalo Paciencia.
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Spezialist für schöne Tore: Goncalo Paciencia.

Eintracht Frankfurt und die Offensive

Großzügig im Strafraum

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt vergibt bei der unnötigen Niederlage bei der TSG Hoffenheim zu viele Chancen, ist aber dem richtigen Weg. Alles läuft im Angriff aber über links - und Filip Kostic.

Goncalo Paciencia, so scheint es, ist in dieser Runde keiner für die gewöhnlichen Tore. Entweder sind sie wunderschön anzusehen, technisch außerordentlich anspruchsvoll, wie etwa jenes Tor am Samstag in Hoffenheim zum 2:3, als er eine Filip-Kostic-Hereingabe nach einem Männer-Duell mit Kevin Vogt formvollendet mit der Brust stoppte, sich blitzschnell drehte und den Ball mit links unters Tordach donnerte. Das hatte was von Dennis Bergkamp, dem großen niederländischen Stürmer.

Oder er schießt seine Tore auf den allerletzten Drücker, wie in Antwerpen, als er nur ein paar Sekunden nach seiner Einwechslung aus elf Metern den 1:0-Sieg klarmachte.

Oder beides: Spät und schön, wie ebenfalls gegen Antwerpen, im Rückspiel im Stadtwald, 90+4, ein Kopfball, fast mit dem Rücken zum Tor, der sich sanft ins Netz senkte. Und dabei hat der Portugiese seine vier Tore zwar in neun Pflichtspielen erzielt, aber keines davon über 90 Minuten. Bislang ist Paciencia, bis 2023 unter Vertrag, auch wegen kleinerer Wehwehchen über die Rolle des Jokers kaum hinausgekommen. Sportvorstand Markus Krösche schätzt ihn aber sehr, „in der Box hat er unheimliche Qualität“.

Immerhin sieht es so aus, dass Eintracht Frankfurt die ganz großen Probleme in der Offensive, wie noch zu Beginn dieser Saison, halbwegs in den Griff bekommen hat. Mit den Auftritten der Offensivabteilung ist Trainer Oliver Glasner längst zufrieden, er spricht von „mehr Variabilität“ im Angriff, lässt mal Rafael Borré ganz vorne spielen mit Daichi Kamada und Jesper Lindström dahinter, und manchmal stößt der eine in die Spitze mit vor, mal der andere. „Da sind wir auf dem richtigen Weg“, lobt der Trainer. Interessant: Neuzugang Sam Lammers spielt gar keine Rolle mehr, stand zum zweiten Mal hintereinander nicht im Kader.

Markus Krösche zeigt sich von der grundsätzlichen spielerischen Entwicklung angetan, „wir erspielen uns Torchancen.“ In Sinsheim hätten die eigentlich reichen müssen, um einen Zähler mit nach Frankfurt zu bringen. 16:8 lautete das Torschussverhältnis, ein Wert, der zufriedenstellend ist. „Wenn du auswärts zwei Tore schießt, müsste das mindestens zu einem Punkt reichen“, zürnte Glasner.

Allein Rafael Borré hätte mehr Tore erzielen können, und nicht nur das 1:0 nach einer Viertelstunde. Vier hochkarätige Möglichkeiten hatten sich dem Kolumbianer geboten, viel zu oft hatte er sich viel zu spät zu einem Abschluss entschieden, dann war die Chance dahin, ein Hoffenheimer Bein stellte sich noch in den Schuss. Dabei hatte Borré, der es bislang auf drei Bundesligatore gebracht hat, in „Bild“ gesagt, er sei in Argentinien, wo er vor seiner Frankfurter Zeit spielte, als „Vollstrecker“ bekannt. Dies hat er bei der Eintracht bislang noch nicht unter Beweis gestellt. „Wir hätten, wenn wir sehr effektiv gewesen wären, früh 3:0 führen können“, sagte Oliver Glasner. Und selbst in der späten Phase der Partie, die Paradespielzeit der Frankfurter, hätten die Hessen noch den Ausgleich markieren können. Timothy Chandler, Jens Petter Hauge und wieder Borré nutzten ihre Möglichkeiten aber nicht.

Über rechts geht nichts

Und wieder waren es in der starken Phase der Frankfurter, als sie in der Schlussviertelstunde mächtig Druck machten, die Flanken von Kostic, die Gefahr heraufbeschworen. Eine ganze Reihe bestens geschlagener Hereingaben vermochten die Hoffenheimer erst im letzten Moment zu klären. Wer weiß, wie das Spiel mit einem André Silva im Sturm ausgegangen wäre.

Im Grunde liefen alle gefährlichen Aktionen über links, über Kostic, aber das ist ja keine neue Erkenntnis. Über die rechte Seite, über Chandler, ging gar nichts, der 31-Jährige konnte sich kaum durchsetzen, er traute sich nicht, kein Flankenlauf, keine Aktion, die Gefahr heraufbeschworen hätte. Immerhin blieb die Eintracht auch nach der Auswechselung des Kreativen Kamada, der keinen guten Tag erwischte, am Drücker. Sebastian Rode und Hauge drehten knapp 25 Minuten am Schwungrad. Am Ende reichte es nicht mehr, auch nicht in Minute 94. „Wenn du es nicht gut machst“, sagte Paciencia, „dann bezahlst du.“

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