Gab sein Debüt im DFB-Team 2017: Kevin Trapp.
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Gab sein Debüt im DFB-Team 2017: Kevin Trapp.

Nationalmannschaft

Eintracht-Torwart Kevin Trapp: „Wäre unglücklich, wenn ich nur vorm Fernseher gehockt hätte“

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der Torwart will hinter Stammkraft Manuel Neuer die klare Nummer zwei sein und findet die aktuellen Personalentscheidungen bei der Eintracht super.

Seefeld - Kevin Trapp wirkt sehr entspannt beim Interview aus dem DFB-Mannschaftshotel in Seefeld/Tirol. Am Mittwoch (21 Uhr/RTL) in Innsbruck beim Spiel der DFB-Elf gegen Dänemark wird der Torwart von Eintracht Frankfurt aber Manuel Neuer den Vortritt lassen müssen.

Herr Trapp, Deutschland gegen Dänemark. Welche Erinnerungen werden da wach?

Das war mein erstes Länderspiel vor vier Jahren vor dem Confed-Cup. Wir haben zwar nicht gewonnen, aber ich habe sehr schöne Erinnerungen an dieses Spiel, die ich nie vergessen werde.

Sie haben damals beim 1:1 stark gespielt. Aber ist Manuel Neuer einfach zu gut, um an ihm vorbeizukommen?

Manu hat die letzten ein, zwei Jahre immer wieder bewiesen, auf welch konstant hohem Niveau er spielt. Wir verstehen uns super. Er ist ein klasse Typ, der sehr viel Charakter und Persönlichkeit mitbringt, zu dem man auch außerhalb des Platzes immer gehen kann. Und außerdem kann man sich von ihm sehr viel abschauen. Ich bin froh, dass ich mit ihm in der täglichen Arbeit trainieren darf.

Bundestorwarttrainer Andreas Köpke sagt, alle drei, Sie, Neuer und Bernd Leno verstünden sich richtig gut. Übertreibt er da nicht ein bisschen?

Nein. Natürlich hat jeder die Ambition, spielen zu wollen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich sehr, sehr ehrgeizig und mit wenig nicht zufrieden bin. Aber hier geht es um das eine große Ziel. Darauf wollen und müssen wir zusammen hinarbeiten. Ganz ehrlich: Das Verhältnis unter uns Dreien, auch unter uns Vieren, wenn Marc (André ter Stegen, Anm. der Red.) noch dabei ist, ist wirklich sehr, sehr gut.

Köpke sagte auch, Sie und Leno bewegten sich hinter Neuer auf Augenhöhe, er könne noch nicht sagen, ob es eine klare Nummer zwei und drei für die EM 2021 gibt. Vielleicht würde auch von Spiel zu Spiel gewechselt. Können Sie damit leben?

Wie gesagt: Ich bin sehr ehrgeizig und ambitioniert. Mein Ziel ist es, die klare Nummer zwei zu sein. Darauf arbeite ich hin. Ich will im Training zeigen, dass die Mannschaft sich auf mich verlassen kann und dass ich da bin, wenn ich gebraucht werde.

Sie waren beim Confed-Cup 2017 dabei, als es super lief, und 2018 bei der WM, als alles schiefging. Was haben Sie daraus für Lehren gezogen?

2017 hat keiner etwas erwartet von uns. Und wir haben schnell gemerkt: Die Stimmung in der Mannschaft war unfassbar gut. Das hat uns durch das Turnier getragen und war ein Grund, weshalb wir so erfolgreich waren. 2018, das muss man ehrlich sagen, sind einige Dinge schiefgelaufen. Wenn man in der Vorrunde als amtierender Weltmeister ausscheidet, kann definitiv nicht alles gestimmt haben.

Und wie ist die Stimmung im Augenblick?

Ich habe ein ähnliches Gefühl wie 2017. Wir haben ein super Klima innerhalb der Mannschaft, auf dem Platz geht es sehr konzentriert und fokussiert zu, wir pushen uns gegenseitig und leben den Mannschaftsgedanken. Jeder hat diesen Willen. Außerhalb des Platzes herrscht eine unfassbar gute Stimmung. Das ist eine sehr gute Mischung und ich bin sehr davon überzeugt, dass wir eine gute Rolle spielen werden. Wir haben eine Mannschaft, die an einem Strang zieht.

Wie beurteilen Sie die vergangene Saison mit Eintracht Frankfurt in Bezug auf Ihr Torwartspiel?

Es war eine gute Saison. Ich war zuvor auch so ehrlich einzuräumen, dass die Saison davor okay war, aber nicht das, was ich von mir gewohnt war. Es war aber auch nicht einfach: Ich kam nach einer Verletzung viel zu früh zurück, auch im Sinne der Mannschaft, um so schnell wie möglich wieder helfen zu können, und dann kam die Corona-Pause.

Wie sehen Sie die Gesamtperformance der Eintracht?

Das Bild ist natürlich etwas getrübt, weil wir am Ende nicht so gespielt haben, wie wir uns das alle erhofft hatten. Im Endeffekt sind wir aber mit 60 Punkten Fünfter geworden und haben die beste Saison aller Zeiten gespielt.

Sie haben es zunächst klar dementiert. Aber hatte im Rückblick der Leistungsabfall doch mit dem bevorstehenden Weggang des Trainers Adi Hütter zu tun?

Ich habe nicht wirklich dementiert, dass das auch etwas mit dem Trainerwechsel zu tun haben könnte. Vielleicht beeinflusst das bei einem Spiel unbewusst die Leistung. Aber doch nicht die letzten vier oder fünf Wochen. Wir hatten seinerzeit in Mönchengladbach verloren. Dass dann plötzlich alles schlechtgeredet wurde, was wir zuvor gezeigt hatten, inklusive des Siegs in Dortmund, fand ich übertrieben. Und es wurde auch nicht dem gerecht, was Trainer, Mannschaft und Verein bis dato geleistet hatten.

Werfen Sie sich selbst vor, es mit weiteren Führungsspielern nicht geschafft zu haben, Borussia Dortmund auf Distanz zu halten?

Wir sind ja nicht einfach über die Situation hinweggegangen, sondern haben oft zusammengesessen und uns eingeschworen. Man kann das wirklich nicht erklären. Intern haben wir als Mannschaft alles dafür getan, dass wir es am Ende noch schaffen.

Was erwarten Sie von der kommenden Saison mit neuem Sportchef, neuem Trainer und Dreifachbelastung?

Wir haben es in den vergangenen vier Jahren dreimal in den internationalen Wettbewerb geschafft. Das ist schon eine beeindruckende Bilanz für Eintracht Frankfurt. So ein Wechsel kann auch etwas Gutes bewirken. Es ist nicht so, dass es nach der erfolgreichen Zeit mit Fredi Bobic und Adi Hütter automatisch schlechter werden muss. Ich habe mit unserem neuen Trainer bislang noch nicht gesprochen. Aber ich glaube schon, dass seine Verpflichtung eine sehr gute Entscheidung war. Oliver Glasner hat Wolfsburg in die Champions League geführt, Markus Krösche hat auch schon sehr viel erlebt, war in Leipzig bei einem sehr ambitionierten Klub, bei dem er viel lernen konnte. Ich bin überzeugt, dass der Verein sehr gute Personalentscheidungen getroffen hat.

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Muss Eintracht Frankfurt Stürmer André Silva halten?

Wenn ein Stürmer 28 Tore schießt, kann das schon die halbe Miete sein. Er war außerdem sehr wichtig für die Mannschaft, weil er sehr viel mit nach hinten gearbeitet hat. Das finde ich bemerkenswert. Jetzt fährt André mit Portugal zur EM und wird dort sicher auch das eine oder andere Tor machen. Dass so jemand begehrt ist, ist ja völlig normal. In Deutschland gibt es bis auf Bayern München keinen Verein, dessen Top-Spieler nicht regelmäßig Angebote von anderen Vereinen bekommen.

Was also tun?

Wir müssen ihn vom Projekt Eintracht Frankfurt weiter überzeugen. Der Verein ist ja stetig am Wachsen, man spürt, dass er Ambitionen hat. Klar wäre es sehr schön, wenn wir so einen Spieler halten könnten.

Haben Sie Ambitionen auf das Kapitänsamt?

Ich war ja schon mal Kapitän vor meinem Wechsel nach Paris. Ich würde es als Auszeichnung empfinden, die Binde tragen zu dürfen. Das wäre schön, aber nicht das Wichtigste. Ich mache meinen Einfluss auf die Mannschaft nicht von der Binde abhängig. Wenn meine Erfahrung gefragt ist und hilft, tue ich das sehr gerne.

Sie haben sich Klavier beigebracht, sie haben ein Unternehmen gegründet. Wie haben Sie die bisherige Corona-Zeit auch psychologisch überstanden, zumal Ihre Verlobte oft weit weg war und man nicht so einfach reisen konnte?

Es war definitiv sehr schwierig. Wir hatten als Profisportler das Privileg, dass wir weiter arbeiten durften. Ich habe die meiste Zeit im Stadion verbracht, weil das die einzigen Momente waren, in denen ich mit Leuten zusammentreffen durfte. Für meine Verlobte und mich war es wirklich nicht einfach, es hat zunehmend an den Nerven gezerrt. Dennoch geht es uns im Verhältnis noch sehr gut. Dafür bin ich dankbar. Zumal meine Firma sehr viel Spaß macht und ich einige interessante Bücher gelesen habe, die ich sonst nicht geschafft hätte. Dazu das Klavier. Ich wäre unglücklich geworden, wenn ich nur vor dem Fernseher gehockt und Videospiele gespielt hätte. Ich wollte Dinge tun, um mich persönlich weiterzuentwickeln und um eventuell auch etwas Neues zu lernen.

Gibt es vielleicht für die Zeit nach Corona private Pläne, vielleicht gründen Sie eine Familie? Sie sind ja auch nicht mehr der Allerjüngste.

Da haben Sie Recht (lacht). Ich habe heute Morgen auf dem Weg zum Training schon gesagt, ich werde im Juli 31. Die Zeit vergeht so schnell. Mit meiner Verlobten habe ich in Paris schon zusammengewohnt, obwohl sie ja auch viel unterwegs ist. Natürlich haben wir Familienpläne.

Interview: Jan Christian Müller

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