1. Fuldaer Zeitung
  2. Sport
  3. Eintracht

Lehrling Lucas und der Großmeister „Hasabi“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Schmitt

Hase kommt, Tuta (rechts) geht: Qualitativ hat die Eintracht im Endspiel nicht unter dieser Auswechslung gelitten.
Hase kommt, Tuta (rechts) geht: Qualitativ hat die Eintracht im Endspiel nicht unter dieser Auswechslung gelitten. © Jan Huebner/Imago

FR-Serie, Fünfter Teil: Wie Tuta und Hasebe das Frankfurter Abwehrspiel im Euro-Finale prägten.

Als bei einer eiligen Drehung plötzlich die Muskeln streikten, der Oberschenkel zumachte und der Körper als Folge auf den Boden plumpste, schien das Unheil seinen Lauf zu nehmen, schien das Finale von Sevilla für ihn, Tuta, und seinen Klub, Eintracht Frankfurt, in eine falsche Richtung davon zu rennen. Lucas Silva Melo, genannt Tuta (außer von seiner Frau Victoria, die ihn Lucas ruft), lag dann dort auf dem Rasen des Estadio Ramón Sánchez Pizjuán, sah das Übel mit an, das Glasgower Führungstor, und humpelte nur Sekunden später verletzt und endgültig vom Feld. Aus der Traum?

Längst ist es Geschichte, dass der Traum in diesem Moment erst so richtig Fahrt aufnahm, als Tuta ging und Makoto Hasebe kam. Der Altmeister, 38, ersetzte den Lehrling, 22 - mit Erfolg. Es war ja nicht so, dass der junge Brasilianer einen schlechten Tag erwischt hätte im Finale um den Europapokal, er spielte sogar ziemlich ordentlich auf der bedeutenden Position im Zentrum der Dreierabwehr, die ungewohnt war für ihn.

Hasebe (den Oberbürgermeister gerne Hasabi nennen) aber gab der Mannschaft in den verbleibenden 62 Minuten bis zum Elfmeterschießen noch mehr Stabilität, strahlte vor allem eine unerschütterliche Ruhe aus, die sich auf die Teamkollegen übertrug. Er gewann alle Zweikämpfe und kam nur einmal kurz vor dem Abpfiff der Verlängerung zu spät, als der Rangers-Offensive Kemar Roofe einen Querpass auf Ryan Kent spielte, dessen Schuss Torwart Kevin Trapp reflexartig parierte.

Unabhängig davon aber bewies Hasebe auch in diesem Finale seinen Wert für die Frankfurter, bewies den Grund, weshalb er auch im hohen Alter in der kommenden Saison noch für die Eintracht unter Vertrag stehen und Bundesliga-, ja Champions-League-Fußball spielen wird. Hasebe hat schon viel erreicht, Meistertitel in Japan und Deutschland, Pokalsiege, Asienmeisterschaften, den Europacup-Triumph, auch sechsmal stand er einst für den VfL Wolfsburg in der Königsklasse auf dem Rasen, 2010. Damals, nur zur Veranschaulichung, war Tuta gerade elf Jahre alt geworden.

Ihm, der sich wunderbar eingelebt hat in Frankfurt mit seiner Frau und den beiden Hunden Maia und Britt, gehört die Zukunft bei den Hessen. Der Nachfolger des Capitano David Abraham ist aus der Abwehrformation nicht mehr wegzudenken (38 Saisoneinsätze/vier Tore), ist „eine feste Größe“ geworden, wie Sportvorstand Markus Krösche sagt, und hat jüngst erst am Tag vor dem Endspiel seinen Vertrag bis 2026 zu deutlich verbesserten Bezügen verlängert. Tuta, meist rechts in der Dreierkette eingesetzt, soll weiter reifen, um in absehbarer Zeit auch im Abwehrzentrum mehr Verantwortung übertragen zu bekommen. Oder sollte Trainer Oliver Glasner seine taktische Ausrichtung verändern und es bald mit einer Viererkette probieren – Tuta, der David Alaba von Champions-League-Sieger Real Madrid als fußballerisches Vorbild nennt, wird zu den ersten Optionen für einen der beiden Innenposten zählen.

All diese Gedanken muss und wird sich Makoto Hasebe nicht mehr machen. Natürlich, der Japaner ist ehrgeizig, sonst würde er nicht weiterspielen, er versteht sich zusätzlich aber als Vater der Kompanie, will die Jüngeren von seiner Erfahrung profitieren lassen, lebt für den Klub, der sich mit dem dienstältesten Profi klugerweise auf einen Anschlussvertrag nach der Karriere einigte.

Nächstes Mal in der FR-Serie „Helden von Sevilla“: Daichi Kamada.

Auch interessant