Ragnar Ache im Training mit Cedric Teuchert.
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Will sich auf internationaler Bühne zeigen: Ragnar Ache (links), hier im Training gegen Cedric Teuchert.

Olympia 2021

Ragnar Ache: Neuer Anlauf bei Eintracht Frankfurt – mit Umweg Tokio

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht-Angreifer Ragnar Ache hat eine schwierige Zeit mit vielen Verletzungen hinter sich. Umso mehr freut er sich aufs unverhoffte Erlebnis Olympia 2021 in Tokio.

Der erste Testkick dieser Saison gegen den SV Wehen Wiesbaden lief für den bulligen Frankfurter Stürmer Ragnar Ache eher suboptimal. Einmal, nach einem langen Ball, blieb er im Rasen hängen und griff sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Leiste. Bei seiner opulenten Verletzungshistorie wäre eine neuerliche Blessur keine große Überraschung gewesen, der 22-Jährige rappelte sich aber auf und spielte tapfer weiter. Das machte er aber nicht gerade glücklich, einfache Bälle versprangen ihm, und nach einem wunderbaren Zuspiel von Makoto Hasebe zögerte er viel zu lange mit dem Abschluss, sein Schuss wurde abgeblockt. Großchance vertan. Das war’s, nach 45 Minuten war Schluss für ihn, das Wichtigste: Ragnar Prince Friedel Ache hatte sich nicht verletzt.

Denn nun wartet auf ihn das fußballerisch größte Erlebnis seiner noch jungen Karriere: Der Angreifer tritt mit der DFB-Auswahl bei den Olympischen Spielen in Tokio an. „Ein geiles Gefühl“, sagt der junge Mann, der am 28. Juli 23 Jahre alt wird.

Ragnar Ache: unverhofft zu Olympia

Als ihn Nationaltrainer Stefan Kuntz in der vergangenen Woche anrief, um ihm die frohe Kunde zu überbringen, „da wollte ich gerade schlafen gehen“, wie er vor dem Abflug nach Japan lachend erzählte. Ein Auge hat er danach erst mal nicht zugemacht. Natürlich ist er nur dabei, weil Niklas Dorsch wegen seines Wechsels zum FC Augsburg und Josha Vagnoman (Hamburger SV) verletzungsbedingt abgesagt hatten, aber das ist dem gebürtigen Frankfurter schnurzegal. Er ist rundum glücklich, seinen Traum leben zu können. „Er hat sich ein Loch in den Bauch gefreut“, bestätigt Trainer Kuntz.

Für Ache ist der Trip nach Fernost – im Gegensatz zu manch anderem Profi – etwas ganz Besonderes, das Highlight seiner Laufbahn. „Ich habe wegen meiner langen Verletzung gar nicht mehr an Olympia gedacht“, sagt der wuchtige Mittelstürmer, der viel Power und Dynamik mitbringt, aber an Technik und Spielverständnis arbeiten muss.

Olympia 2021: Ache wünscht sich Medaille um den Hals

Und Verletzungen hatte er einige, vor allem schwerwiegende. In der zurückliegenden Spielzeit, seiner ersten in der Bundesliga, klebte dem für zwei Millionen Euro von Sparta Rotterdam geholten Akteur das Pech am Stiefel. Gleich zwei Sehnenverletzungen im Oberschenkel und eine Operation warfen ihn meilenweit zurück, zweimal schuftete er in der Reha monatelang für sein Comeback. Eine frustrierende, bleierne Zeit. Die nüchternen Zahlen seiner Premierensaison in der Bundesliga: sieben Einwechslungen, Nettospielzeit 92 Minuten. Das ist dürftig. Immerhin endete die verkorkste Runde mit einem Happy End: Ache war es vergönnt, das letzte Tor der Saison zu erzielen, nach einer Flanke von Filip Kostic machte er in der Nachspielzeit den 3:1-Endstand gegen den SC Freiburg. Sein erstes Tor für die Eintracht, sein erstes Tor in Deutschland. Vorher war ihm übrigens schon mal eins geklaut worden, beim viel beachteten 2:1-Erfolg gegen den FC Bayern im Februar hätte Ache kurz vor Schluss gewiss das 3:1 gemacht, wenn ihm nicht Alphonso Davies in die Hacken gelaufen wäre und ihn zu Fall gebracht hätte. Kurioserweise wurde selbst der fällige Strafstoß verweigert.

Ragnar Ache, als Kind für die Spvgg 03 Neu-Isenburg am Ball, wird nun einen neuen Anlauf in Frankfurt nehmen – mit dem Umweg Tokio. „Ich bin fit, fühle mich gut. Ich will mich zeigen, das ist mein Plan“, sagt der frühere U-21-Auswahlspieler, der ein enges Verhältnis zu DFB-Coach Stefan Kuntz pflegt. Der 58-Jährige hatte den „Stürmer mit Tiefgang“ (Eintracht-Trainer Oliver Glasner) damals „in Holland ausgegraben“ und für die U21 nominiert, ehe der frühere Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic auf ihn aufmerksam wurde. „Seine Entwicklung ist eigentlich über dem Schnitt“, befindet Stefan Kuntz daher. „Ich bin froh, dass er bei uns ist.“

Keine Sekunde hat Ache gezögert, die Einladung zur DFB-Auswahl anzunehmen. Für ihn ist es eine Auszeichnung und Ehre. Schon damals, als er noch in Rotterdam lebte, hätte er sich nicht träumen lassen, mal für Deutschland spielen zu dürfen: „Daran habe ich nie gedacht.“ Und jetzt sogar das Mega-Event Olympia. „Ich wünsche mir eine Medaille um meinen Hals.“

Ragnar Ache hat sogar Japanisch gelernt

Auf die Idee, vielleicht besser die Vorbereitung in Frankfurt durchzuziehen und auf Olympia zu verzichten, ist er gar nicht gekommen. Und auch die Eintracht wollte dem Spieler den großen Traum nicht zerstören. „Sie haben sich für mich gefreut, sie wollen nur das Beste für mich.“ Zur Wahrheit gehört auch, dass dem schnellen Spieler in Frankfurt nicht die besten Chancen eingeräumt werden, groß durchzustarten. Von daher ist der Ansatz, ihm auf internationalem Parkett womöglich zu Spielpraxis zu verhelfen, sicher nicht verkehrt.

Die Zeit in Tokio möchte er einfach „genießen und Erfahrung sammeln“. Er freut sich auf die gewaltige Aufgabe, auch auf Kollegen wie Max Kruse, Nadiem Amiri oder Maximilian Arnold. „Das sind große Spieler, die ich im Fernsehen gesehen habe.“

Vorbereitet ist Ragnar Ache, er ist großer Anhänger der Animes, der japanischen Zeichentrickfilme. Und so hat er sogar ein paar Brocken Japanisch gelernt. „Dankeschön, gern geschehen. Wie geht’s? Gut.“ Olympia, gar keine Frage, kann kommen.

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