Neuer Eintracht-Sportchef: Markus Krösche. Foto: dpa
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Neuer Eintracht-Sportchef: Markus Krösche.

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Neuer Eintracht-Sportvorstand: So tickt Markus Krösche

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche ist ein kluger und weitsichtiger Manager, der Julian Nagelsmann zu seinen engen Vertrauten zählt.

Den renommierten Sportjournalisten Ronald Reng hat irgendwann die Frage einfach nicht mehr losgelassen, wie zum Himmel es denn dieser „Kröschi“ einst gepackt hat, sage und schreibe 400 Fußballprofis zu ihrer wirtschaftlichen Lage zu befragen und auch noch seriöse Antworten zu erhalten. Um diesen Komplex drehte sich die Bachelorarbeit („Die finanzielle Situation von Fußballprofis nach der Karriere“) im Rahmen des BWL-Studiums von Markus Krösche, dem neuen Sportvorstand der Frankfurter Eintracht.

Buchautor Reng begab sich also für das Bundesligamagazin der DFL auf Spurensuche, und Krösche gewährte bereitwillig Einblicke. Das mit der Abschlussarbeit kam so: Im Laufe seiner Karriere habe er in nahezu jedem deutschen Verein einen Spieler gekannt, den er bat, die anonymen Fragebögen an die Mitspieler zu verteilen. Krösche kannte aber seine Pappenheimer und habe genau gewusst, dass das nur von Erfolg gekrönt sein würde, wenn die Spieler die Bögen sofort in der Umkleide ausfüllen und seinem Vertrauensmann zurückzugeben würden, sonst würden sie es verbummeln. Also legte er zu jedem Fragebogen einen Kugelschreiber in sein Paket. Es klappte. Ronald Reng war beeindruckt von Krösche, weil dieser vorausahnte, wie die Kollegen tickten: „Er wusste, er durfte ihnen keine Chance lassen zu sagen: Mache ich später.“

Besagtes Studium begann Markus Krösche, 40, im Alter von 28, da verdingte er sich noch als Fußballer beim SC Paderborn, für den er 13 Jahre kickte, dritte und zweite Klasse, meist mit einem Einjahresvertrag ausgestattet, weil es hätte ja vielleicht was kommen können, was ihn mehr reizen würde. Es kam nie. 2014 machte er Schluss, da war er längst Kult in Paderborn. Später managte er den kleinen Klub von der dritten in die erste Liga. Sein Meisterstück.

An Aufgaben gewachsen

Krösche, Vater zweier Töchter, ist rational, wägt Chancen gegen Risiken ab, und er hat schon als Spieler weiter gedacht als die anderen, sein Credo war: „Entweder du musst bis 26 mit dem Fußball genug Geld verdient haben, um nie mehr zu arbeiten. Oder du musst mit 26 beginnen, etwas für das Berufsleben danach zu tun.“ Er ging an die Uni, BWL, Abschlussnote: zwei.

Der Hannoveraner, als 18-Jähriger mit Werder Bremen A-Jugend-Meister, aber als Spieler nie in der Beletage zu Hause („War zu langsam, kein guter Schuss“), ging unter die Unternehmer, gründete eine Auto-Leasingfirma. Und doch sagt er: „Ich habe nie einen Masterplan für meinen Weg gehabt.“ Er probiert vieles aus, ist wissbegierig, verbindlich, hat einen hintergründigen Humor. Er frage sich: „Passt der Job, ist die Aufgabe reizvoll? Für mich – und nicht für das Prestige.“ Für die Aufgabe in Frankfurt brannte er.

So wie damals für die in Leipzig. „Der Sprung war groß von der zweiten Liga in die Champions League“, sagt er. Mehr Mitarbeiter, mehr Verantwortung, komplizierte Transfers. Und dann diese vielen Verhandlungen in fremder Sprache: „Am Anfang fühlte sich ein 20-Minuten-Gespräch auf Englisch anstrengend wie eine Acht-Stunden-Sitzung an.“ Er hat sich daran gewöhnt, und er ist an den Aufgaben gewachsen. So hat er komplexe Deals umgesetzt, den von Stürmer Alexander Sörloth etwa, der in zähen Verhandlungen zwischen RB, Crystal Palace und Trabzonspor geholt wurde. „Davon werde ich in 30 Jahren noch erzählen.“ Auch die Top-Transfers von Dani Olmo oder Angelino gehen auf sein Konto.

Und er hat in Leipzig mit seinem Vertrauten, Julian Nagelsmann, eine neue Unternehmenskultur eingeführt. „Die Basis jeden Erfolgs ist, dass sich die Menschen am Arbeitsplatz wohl fühlen“, sagt Krösche. „Da ticken Julian und ich gleich: Wir wollen, dass die Leute Spaß haben.“ Der ist ihm vergangen, die Chemie zwischen ihm und Boss Oliver Mintzlaff stimmte nicht, seine Kompetenzen wurden beschnitten, es herrschte Eiszeit. In Frankfurt waren sie froh darüber.

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