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Eine Frage des Geldes

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Von: Ingo Durstewitz

Farbenwechsel? Filip Kostic steht bei Eintrachts Halbfinalgegner West Ham hoch im Kurs.
West Ham United buhlt derzeit um Filip Kostic von Eintracht Frankfurt © Imago

West Ham United ködert den Eintracht-Linksaußen Filip Kostic mit einem fürstlichen Gehalt - das lässt den 29-Jährigen grübeln.

Frankfurt/London – Es war nicht anders zu erwarten: Das Gezerre um Starspieler Filip Kostic entwickelt sich zu einer nicht enden wollenden Odyssee. Nachdem es in den vergangenen Wochen etwas ruhiger um den Flügelspieler geworden war und im Eintracht-Lager die Hoffnung wuchs, ihn in Frankfurt halten zu können, schrillen nun die Alarmglocken umso lauter. Denn verbrieft ist, dass der englische Premier-League-Klub West Ham United konkretes Interesse an einer Verpflichtung des serbischen Nationalspielers und auch schon ein Angebot bei Eintracht Frankfurt hinterlegt hat. Ganz offiziell.

Knapp 15 Millionen Euro bietet die Hammers für das Kraftpaket. Das ist der Eintracht zwar nicht genug, aber fürs Eröffnungsangebot schon eine gute, vielversprechende Basis. Der Poker ist eröffnet. Die Frankfurter streben eine Entschädigungssumme in Höhe von 20 Millionen Euro an, bei 18 Millionen wären sie unter gewissen Umständen (wie zusätzliche Bonuszahlungen für bestimmte Leistungen) auch bereit, den Akteur abzugeben – wenn dieser überhaupt will.

Eintracht Frankfurt: Ndicka, Kostic und Kamada – Verträge laufen 2023 aus

An der Gesamtkonstellation hat sich nichts geändert: Der Klub möchte vermeiden, dass Leistungsträger ablösefrei gehen – das wäre in einem Jahr bei Kostic möglich, aber auch bei den ebenfalls umworbenen Evan Ndicka und Daichi Kamada. Die Verträge enden allesamt im Sommer 2023.

Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche ist von diesem Dogma zuletzt ein wenig abgerückt, weil sich durch den Europa-League-Sieg und die Teilnahme an der Champions League andere Möglichkeit ergeben, aber grundsätzlich hat sich an der Haltung nichts geändert. Und auch nicht an der Tatsache, dass die Eintracht einen Transferüberschuss zu erwirtschaften hat, selbst wenn sie nicht auf Teufel komm raus Spieler verkaufen muss.

Filip Kostic von Eintracht Frankfurt
Farbenwechsel? Filip Kostic steht bei Eintrachts Halbfinalgegner West Ham hoch im Kurs. © Action Foto Sport / Imago Images

Krösche war es auch, der den wachsenden Optimismus vieler, wonach Kostic bestimmt in Frankfurt bleiben werde, nicht teilen konnte. Nicht weil er sicher ist, dass der verdiente Akteur eine neue Herausforderung suchen wird, sondern weil er die Usancen der Branche kennt und weiß, dass bis zum Ende der Transferperiode am 31. August alles passieren kann. 

Berichte, wonach Kostic sich schon mit West Ham auf ein Engagement geeinigt hat, hat die Frankfurter Führungsriege mit einiger Verwunderung aufgenommen, weil ihre Informationen andere sind. Demnach hat sich der Spieler noch nicht entschieden. Ein Verbleib ist nicht ausgeschlossen, genauso wenig wie ein Wechsel zu einem anderen Klub. Es ist offen, was passiert.

Klar ist, dass der Serbe selbst die Entscheidung darüber trifft, wie es mit ihm weitergeht. Die Eintracht würde ihm keine Steine in den Weg legen, wenn Kostic auf einen Wechsel drängen und der neue Klub eine angemessene Ablöse zahlen würde. Die Verantwortlichen wissen zu schätzen, was der Musterprofi geleistet hat. Einen letzten großen Vertrag würden sie dem 29-Jährigen nicht verbauen wollen.

Eintracht Frankfurt: West Ham lockt Filip Kostic mit fürstlichem Gehalt

Das genau ist der Knackpunkt: Kostic, zum besten Spieler der Europa League gekürt, wird für sich entscheiden müssen, für wie viel Geld mehr er die Eintracht, die auch ihm viel gegeben hat und in seinem Herzen verankert ist, verlässt. Denn anders als beim ebenfalls interessierten Topklub Juventus Turin kann West Ham „nur“ mit einem fürstlichen Gehalt locken. Das freilich wird mehr als doppelt so hoch wie jenes in Frankfurt sein, mehr als acht Millionen Euro.

Sportlich wäre ein Wechsel auf die Insel ein Rückschritt. West Ham, von der Eintracht im Halbfinale aus dem Wettbewerb katapultiert, zählt nicht zu den ruhmreichen Klubs, hat die Saison als Siebter abgeschlossen, tritt also in der Conference League an. Kostic würde die Champions League, für die er mit seinen famosen Auftritten selbst gesorgt hat, sausen lassen. Das will gut überlegt sein. Da ist eine Stange Schmerzensgeld nötig.

Eine eher untergeordnete, aber spannende Rolle spielt die belastete Beziehung zwischen den Vereinen. Die Eintracht-Delegation hat sich beim Gastspiel in London extrem schlecht behandelt gefühlt, zudem ist die Zahlungsmoral der Hammers in schlechter Erinnerung. Beim Wechsel von Sebastien Haller vor drei Jahren zahlten die Engländer erst verzögert und letztlich auch nicht den vollen Betrag, die vereinbarten 40 Millionen sind bei der Eintracht nie angekommen.

So oder so: Noch ist Kostic in Frankfurt, und er hätte auch am Samstag gegen Ajax Amsterdam im österreichischen Grödig gespielt, wenn der letzte Härtetest vor dem Pflichtspielstart nicht ausgefallen wäre. Corona-Fälle bei Gegner Ajax machten die Absage notwendig. „Das ist zwar schade und ärgerlich, aber alternativlos. Wir können uns jetzt, kurz vor dem Saisonstart, keinen Corona-Ausbruch in der Mannschaft leisten“, sagte Sportboss Krösche. Stattdessen absolvierte die Eintracht ein Trainingsspiel und flog am Samstagabend zurück nach Frankfurt. „Natürlich ist es nicht optimal, das Ajax-Spiel war ein wichtiger Gradmesser für uns“, befand Krösche. „Aber wir können es nicht ändern. Deshalb lamentieren wir nicht.“ (Ingo Durstewitz)

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