Macht das Spiel schnell: Frankfurts Trainer Oliver Glasner sieht große Fortschritte bei seinem Team - früher als gedacht.
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Macht das Spiel schnell: Frankfurts Trainer Oliver Glasner sieht große Fortschritte bei seinem Team - früher als gedacht.

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Eintracht-Trainer Oliver Glasner überrascht: „Größeren Schritt getan als erwartet“

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Der Eintracht-Trainer ist von der Entwicklung des Teams selbst überrascht. Frankfurt will beim Champions-League-Kandidaten TSG Hoffenheim den vierten Bundesligasieg in Folge.

Frankfurt - Die ganze Woche über hat sich Sebastian Hoeneß, der Trainer der TSG Hoffenheim, Gedanken darüber gemacht, wie er und sein Team der frisch erstarkten Frankfurter Eintracht am heutigen Samstag (15.30 Uhr/ Sky) Paroli bieten kann. Am Ende schnurrten seine Überlegungen darauf zusammen: „In erster Linie versuche ich, über den vierten Offiziellen die Nachspielzeit zu reduzieren.“ Hoeneß hat damit elegant auf das spezielle Frankfurter Phänomen der jüngeren Vergangenheit hingewiesen, entscheidende Tore auf den allerletzten Drücker zu erzielen, bei fünf der letzten sechs Pflichtspielen erzielten die Hessen in letzter Sekunde, sogar jenseits der 94. Minute, ihre Treffer. Natürlich hat Hoeneß das im Scherz gemeint, aber mehr als ein Funken Wahrheit ist da schon dran, die Frankfurter Fähigkeit, niemals „Sand in den Kopf zu stecken“ (Timothy Chandler), bis zum Ende um den Sieg zu kämpfen und dabei eine erstaunliche Beharrlichkeit auszustrahlen, bereitet der sportlichen Führung im Kraichgau durchaus Sorgen.

Und Oliver Glasner, sein Pendant auf der Frankfurter Seite, hat natürlich weiterhin nichts dagegen, wenn der Siegtreffer in der meist üppigen Nachspielzeit fallen sollte, selbst „wenn wir uns darauf nicht eigens vorbereiten.“ Glasner macht aber auch kein Hehl daraus, dass er damit leben könnte, wenn seine Mannen die Partie schon deutlich vorher für sich entscheiden. Und mit dieser Vorgabe reist die hessische Entourage auch zum Geisterspiel nach Sinsheim: „Wir wollen dort gewinnen.“

Eintracht Frankfurt trifft auf die TSG Hoffenheim

Dass aufgrund der strengeren Regularien in Baden-Württemberg diese Partie vor leeren Rängen und ohne Atmosphäre über die Bühne gehen muss, empfindet der Fußballlehrer, logisch, als „schade“, Fans seien nun mal „das Salz in der Suppe“. Genau 750 Fans hätten laut der neuen Corona-Bestimmungen in die Arena kommen dürfen, das sei, sagte TSG-Geschäftsführer Frank Briel, „für uns natürlich gleichbedeutend mit der Rückkehr zu sogenannten Geisterspielen“. Derweil hat die Eintracht beim Frankfurter Gesundheitsamt beantragt, zu den letzten beiden Heimspielen in 2021 gegen Leverkusen (12. Dezember) und Mainz (18. Dezember) 15 000 Fans kommen zu lassen.

Vor dem Kurztrip nach Sinsheim, wo sich die Eintracht traditionell gut aus der Affäre gezogen hat, hatte Oliver Glasner noch die unerquickliche Aufgabe zu erledigen, acht Spieler aus dem Kader zu streichen. „Unangenehm“, urteilte der Österreicher. Tatsächlich sind bei Eintracht Frankfurt alle Spieler gesund, fit und spielbereit, selbst Christopher Lenz, der monatelang ausgefallen war, ist längst zurück. Das ist angesichts der Jahreszeit, der hohen Belastung des Kaders mit Spielen und Reisen durch Europa außergewöhnlich und spricht für eine gute Trainings- und Belastungssteuerung. Glasner und Staff legen großen Wert auf präventive Maßnahmen, seien dies das professionelle Verhalten der Akteure vor und nach dem Training, dem häufigen Besuch des Kraftraums, der richtigen Ernährung, mal einen zusätzlichen freien Tag, Yoga-Übungen und einem speziellen Fragebogen, den die Spieler täglich via Handy auszufüllen haben und in dem sie Auskunft über ihre aktuelle körperliche Verfassung geben. „Sie sind alle sehr diszipliniert.“

Zum Spiel:

Hoffenheim: Baumann – Posch, Grillitsch, Vogt – Akpoguma, Raum – Geiger, Samassekou – Kramaric – Bebou, Rutter.

Frankfurt: Trapp - Tuta, Hasebe, Ndicka - Chandler, Jakic, Sow, Kostic - Lindström, Kamada - Borré.

Und seit einiger Zeit zudem erstaunlich erfolgreich, von den letzten sechs Pflichtspielen wurde vier gewonnen, zweimal unentschieden gespielt. Platz fünf, den momentan die TSG Hoffenheim belegt, ist gerade mal zwei Zähler entfernt. Und Glasner ist von dieser Entwicklung selbst ein wenig überrascht. Noch vor drei Wochen hatte er gesagt, bis Weihnachten sei allenfalls mit klitzekleinen Schritten zu rechnen, im Grunde müsse man sich durchlavieren.

Eintracht Frankfurt: Großen Schritt getan

Die derzeitigen Auftritte seiner Mannschaft haben ihn Staunen gemacht. „Wie wir uns in den letzten drei Spielen entwickelt haben, hat mich sehr, sehr positiv überrascht“, lobte der 47-Jährige. Gerade im spielerischen Bereich und in der Balance habe die Mannschaft „einen größeren Schritt nach vorne gemacht als ich erwartet habe“. Sogar die lange gescholtene Offensive legt inzwischen eine Variabilität an den Tag, die den ehrgeizigen Trainer erfreut, auch in diesem Bereich sei man weitergekommen. Vieles spricht dafür, dass in Hoffenheim, gegen die die Eintracht zuletzt achtmal in Folge nicht verloren hat (dabei sechsmal siegreich), die gleiche Elf beginnt, die auch in den letzten drei Partien zum Anpfiff auf de Rasen stand.

Aber: Kein Trainer ist je restlos zufrieden. Also hebt auch Oliver Glasner warnend den Finger, fordert stete Konzentration und Disziplin ein und nennt die TSG eine Mannschaft, die seiner Meinung nach „um die Champions-League-.Plätze“ mitspielen werde. Gerade im Angriff verfüge das Team von Sebastian Hoeneß über „unglaublich viele unterschiedliche Waffen“.

Die Spätzünder freilich spielen auf Frankfurter Seite.

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