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Eintracht Frankfurt: Paxten Aaronson, der Rohdiamant aus Philly

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Von: Ingo Durstewitz

Schnell und wendig: Paxten Aaronson.
Schnell und wendig: Paxten Aaronson. © IMAGO/USA TODAY Network

Das erst 19 Jahre alte Talent Paxten Aaronson gilt als heiße Nummer im Fußballgeschäft und darf sich bei Eintracht Frankfurt an die Bundesliga gewöhnen.

Frankfurt - Der Junge aus Philly hätte sich auch einen schöneren Tag aussuchen können, um sich vorzustellen bei seinem neuen Klub, der gleichzeitig sein neuer Arbeitgeber sein wird. Eine dicke Suppe hing über dem Waldstadion und dem Eintracht-Campus, als das US-amerikanische Mittelfeldtalent sein erstes „Gude Fränkfört“ in den Nebel trötete. Vorhang auf für Paxten Aaronson, in New Jersey geboren, in Philadelphia zum Profi gereift, 19 Jahre jung und ab Januar neu im Fußballkosmos von Eintracht Frankfurt. „Ich bin total aufgeregt und super glücklich, hier sein zu dürfen“, sagte der US-Boy, der so aussieht, wie man sich einen US-Boy irgendwie vorstellt. Ein bisschen schmalbrüstig ist er noch, der juvenile Paxten, da wird er in den kommenden Monaten ein bisschen was draufpacken müssen, Muskeln natürlich.

Eine Überraschung ist es nicht mehr, dass der Europapokalsieger den flinken Techniker auf den alten Kontinent lotst. Der Transfer, der Eintracht Frankfurt rund vier Millionen Euro kosten wird, hatte sich in den vergangenen Wochen angebahnt und ist nach dem MLS-Finale zwischen dem FC Los Angeles und Philadelphia Union endgültig unter Dach und Fach gebracht worden.

Paxten Aaronson sollte erst im Sommer zu Eintracht Frankfurt kommen

Eigentlich sollte das wendige Leichtgewicht erst im Sommer nach Deutschland kommen, doch Eintracht Frankfurt sah auch durch den Einzug ins Achtelfinale der Champions League und damit garantierte Millioneneinnahmen jetzt die Gelegenheit, ihn nach Frankfurt zu holen und bis 2027 an sich zu binden. Denn überzeugt sind die Verantwortlichen von dem begabten Spieler, der in den Staaten als ganz heiße Nummer gilt, als Rohdiamant, der auf seinen Schliff wartet.

Doch Aaronson ist in Frankfurt nicht als Soforthilfe gedacht. „Er ist sehr begehrt und talentiert“, sagt Sportvorstand Marus Krösche. „Wir haben mit ihm einen klaren Plan und wollen ihn behutsam aufbauen. Er bekommt von uns die nötige Zeit, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen und sich bestmöglich zu entwickeln.“ Bekannt ist, dass sich junge Spieler, gerade aus dem Ausland, erst einmal an das andere Leben und den anderen Fußball gewöhnen müssen.

Eintracht Frankfurt: Geht Paxten Aaronson einen ähnlichen Weg wie Daichi Kamada?

Das dauert schon mal ein halbes Jahr, womöglich auch länger. Wie bei Daichi Kamada, der erst nach Belgien ausgeliehen wurde, um dann als sehr viel besserer Spieler zurückzukommen. Heute ist er in ganz Europa begehrt. Einen ähnlichen Weg könnte auch Paxten Aaronson gehen, das haben die hohen Herren zumindest ins Kalkül gezogen und wird davon abhängen, wie schnell er Fuß fasst und sich akklimatisieren kann.

Aaronson hat in seinen jungen Jahren schon ein bisschen was erlebt. Bei seinem Heimatklub aus Philadelphia unterschrieb er mit 16 einen Profivertrag, mit 17 debütierte er in der MLS, insgesamt kommt er auf 41 Pflichtspiele für die Union (vier Tore), im diesjährigen Finale, das L.A. hochdramatisch im Elfmeterschießen für sich entschied, wurde er kurz vor Ende der regulären Spielzeit eingewechselt.

Paxten Aaronson hat sich intensiv mit Eintracht Frankfurt befasst

In dieser Saison lief es für ihn nicht optimal, er kam zwar 23-mal zum Einsatz und schoss ein Tor, stand aber nur zweimal in der Startformation. Um Spielpraxis zu sammeln, wurde er auch im Farmteam eingesetzt (zehn Spiele, fünf Tore). Sehr viel besser ließ es sich da bei der Concacaf-Meisterschaft der U-20 an. Bei den wichtigen Titelkämpfen der nord- und zentralamerikanischen sowie der karibischen Verbände führte der offensive Mittelfeldspieler die USA in diesem Sommer zum Titel, erzielte in sieben Partien sieben Treffer und wurde nicht nur als bester Torschütze, sondern auch als bester Spieler des gesamten Turniers ausgezeichnet. Nun also der nächste Schritt in Europa.

Der auf dem Markt begehrte Akteur hat sich intensiv mit Eintracht Frankfurt befasst, lobt pflichtgemäß die Tradition und die Liebe der Fans zu ihrem Klub. Aber auch die Art und Weise, wie die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner auftritt und für was sie steht, hat ihn überzeugt. Die Philosophie sei deckungsgleich. „Die Eintracht spielt attraktiven Fußball, das passt zu meinem Stil.“ Er sei ein Fußballer mit viel Tempo, der sich in den Halbpositionen bewege und auf Umschaltmomente spezialisiert sei. „Ich suche so schnell wie möglich den Weg zum Tor. Und genau so versucht die Eintracht auch zu spielen. Das passt zu mir.“

Ganz zufrieden wäre er so generell, wenn er den Weg gehen könnte, den sein älterer Bruder Brenden beschritt: Der 22-Jährige wechselte vor knapp zwei Jahren erst nach Salzburg und diesen Sommer zu Leeds United auf die Insel. Kostenpunkt: 33 Millionen Euro. Bei der WM ist Brenden für die USA am Ball. Der jüngere Aaronson, gar keine Frage, wird ganz genau hinschauen.

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