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Hellmanns mahnende Worte in Richtung Eintracht-Ultras

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Von: Ingo Durstewitz

Die Eintracht-Führung verfolgt die Entwicklung der Fanszene mit Sorge.

Frankfurt – Eine Invasion der „Bestia Blanca“, der weißen Bestie, wie Eintracht Frankfurt in Spanien seit der Barcelona-Demütigung ehrfürchtig genannt wird, ist in Helsinki ausgeblieben. Zwar bewarben sich Frankfurter Fans um insgesamt 18 000 Tickets für das Supercupfinale gegen Real Madrid, doch letztlich traten nur rund 8000 von ihnen die Reise in die finnische Hauptstadt an – was an den erschwerten Bedingungen lag, es gab schlichtweg nicht genügend Flüge nach Skandinavien. Alle anderen Wege waren zu aufwendig oder strapaziös. Also stornierten viele ihre Anfrage, sodass das Kontingent von 10 000 Eintrittskarten für die Eintracht-Seite gar nicht in Gänze ausgeschöpft wurde.

In der Überzahl waren die Frankfurter dennoch, Real Madrid brachte nur 1800 Fans mit nach Helsinki. Für die Spanier ist so ein europäischer Supercup aber auch nichts Besonderes, eher Beiwerk. Wer in den vergangenen zehn Jahren fünfmal den Henkelpott der Königsklasse geholt hat, kann sich für eine Partie gegen den Europa-League-Sieger nur schwerlich begeistern.

Blindflug: Eintracht-Fans vernebeln mal wieder das Stadion, zuletzt sogar ihr eigenes.
Blindflug: Eintracht-Fans vernebeln mal wieder das Stadion, zuletzt sogar ihr eigenes. © AFP

Eintracht Frankfurts Klubführung ist besorgt über Fanverhalten

Und vielleicht waren die Eintracht-Oberen ja ganz froh, dass auch einflussreiche Ultra-Gruppierungen den Weg nach Finnland gar nicht auf sich nahmen, zu viel Kommerz-Trallala seitens der UEFA, hieß es. So blieb es friedlich, in der Stadt und beim Fanfest am Kaiseniemen Puisto.

Die jüngsten Entwicklungen der Szene beobachtet die Vereinsführung nämlich mit einiger Sorge. Schon das Verhalten beim Pokalspiel in Magdeburg war bedenklich, da zündelten die Krawallbrüder mal wieder munter im Block, viel schlimmer waren aber die abgeschossenen Leuchtraketen aufs Publikum der benachbarten Tribüne. Da wird eine massive Gefährdung von Personen in Kauf genommen. Dahinter steckt kriminelle Energie.

Fans von Eintracht Frankfurt fielen auch bei ersten Bundesligaspiel negativ auf

Auch am Freitag bei der 1:6-Packung gegen die Bayern schossen die Ultras weit übers Ziel hinaus. Sie pfiffen erst die gesungene deutsche Nationalhymne aus, was bei vielen Menschen auf Empörung, zumindest aber Unverständnis stieß, dann zündelten sie sogar in der Nordwestkurve – also im eigenen Block, im eigenen Stadion. Doch eher eine Seltenheit. Und schließlich befreiten sie mittels Fausthieben einen Flitzer aus den Fängen der Ordner, dazu waren gleich mehrere Hartgesottene in den Innenraum auf den Rasen vorgedrungen. Rechtsfreier Raum Fußballstadion.

„Das war in vielerlei Hinsicht kein guter Freitag für uns“, sagte Vorstandssprecher Axel Hellmann während eines Empfangs am Dienstag. „Wir haben uns von der Hardcore-Fanszene angefangen bis hin zu dem, was wir sportlich abgeliefert haben, beschissen präsentiert.“ Hellmann und der nun für Fanbelange zuständige Vorstand Philipp Reschke sind aufmerksame Verfolger der Fanszene und auch im Dialog, zurzeit sehen sie einen Trend, der in die falsche Richtung geht. „Die Seite, die wir beeinflussen können, an die werden wir rangehen“, betont Hellmann. „Wir werden uns darum kümmern, dass ein paar Dinge begradigt werden, die sich offenbar in die falsche Richtung entwickelt haben.“ Strafverfolgung und Stadionverbote sollen angeschobenen werden.

Er, Hellmann, habe oft den Begriff des „energetischen Bandes“ benutzt, gerade auf der Zielgeraden der Euro-League-Tour. „Das energetische Band bedeutet aber auch, dass es eine Verpflichtung gibt gegenüber dem großen Ganzen, gegenüber der Mannschaft, dem Klub und der Wahrnehmung der Eintracht. Das hat mir am Freitag elementar gefehlt. Wir sollten alle darauf achten, dass das nicht verrutscht bei Eintracht Frankfurt.“ Auch die aktive Fanszene ist gespalten, selbst die Ultra-Führung heiße nicht alles gut, was da passiere. Die Auswüchse sind dennoch besorgniserregend. (Ingo Durstewitz)

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