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Kostic-Ersatz: Pellegrini soll linke Eintracht-Seite beackern

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Von: Ingo Durstewitz

Luca Pelligrini zu Eintracht Frankfurt
Luca Pellegrini für Juventus Turin im Einsatz. (Archivfoto) © Nicolo Campo / Imago Images

Filip Kostic hinterlässt bei Eintracht Frankfurt einen großen Freiraum, den Christopher Lenz nicht alleine stopfen wird. Nun soll Luca Pellegrini helfen.

Frankfurt – Für Christopher Lenz war die Angelegenheit im Olympiastadion zu Helsinki eine arg schmerzvolle. Gleich zweimal ist der Eintracht-Linksverteidiger von Gegenspieler Dani Carvajal im Luftkampf abgeräumt worden und angeknockt zu Boden gegangen. Tut weh, kann aber passieren. Was nicht so wehtat, aber nicht passieren sollte: Real-Wildfang Carvajal traktierte den Frankfurter Abwehrmann noch ein drittes Mal, hinterrücks trat er ihm nach 37 Minuten von hinten in die Beine, der Ball war weit weg, eine Rote Karte wäre die einzig richtige Konsequenz gewesen.

Es passierte aber gar nichts. Lenz, das ehrt ihn, wollte nicht viel Aufhebens um die unschöne Szene machen. „Nur so viel: Ich fand es ein bisschen unnötig.“ Kann man so sagen.

Eintracht Frankfurt: Viel Lob für Christopher Lenz

Nach der 0:2-Niederlage ist Chris Lenz mit allerlei Lob überhäuft worden. Von „gut“ (Kapitän Sebastian Rode) bis „sehr gut“ (Trainer Oliver Glasner) reichte die Bandbreite, was beides ein wenig schöngefärbt ist, ohne dem rechtschaffenen Berliner zu nahe treten zu wollen. Lenz hat so performt, wie man es in etwa erwarten konnte: hinten solide und stabil, nach vorne so gut wie nicht existent. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was Vorgänger Filip Kostic auf dieser Position regelmäßig abgeliefert hat.

Schmerzhaft: Christopher Lenz (li.) und Dani Carvajal krachen ineinander - und landen unsanft.
Schmerzhaft: Christopher Lenz (li.) und Dani Carvajal krachen ineinander - und landen unsanft. © dpa

Christopher Lenz ist nicht genervt von den Vergleichen, aber er sagt relativ deutlich: „Ich bin nicht Filip Kostic, er hat unheimliches Potenzial, aber ich habe auch meine Stärken.“ Die liegen aber woanders, für dieses Dreierkettensystem braucht es einen Flügelspieler mit sehr viel mehr Drive nach vorne. Lenz interpretiert die Rolle, so gut er kann, und viel mehr darf man auch von ihm nicht erwarten. Er ist ein solider Verteidiger, der in der vergangenen Saison von Verletzungspech heimgesucht wurde und wenig Einsatzzeit hatte. Wie soll so einer im Supercup gegen Real einen Ausnahmespieler wie Filip Kostic eins zu eins ersetzen? Ein Ding der Unmöglichkeit.

Eintracht Frankfurt: Pellegrini bei Dreier- und Viererkette einsetzbar

Deshalb hat die Eintracht auch noch mal auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Der Neue wird Luca Pellegrini von Juventus Turin sein, der im Zuge des Kostic-Deals zunächst für ein Jahr auf Leihbasis kommt. Zu wenige Linksfüßer habe man bisher im Aufgebot gehabt, findet Glasner, Pellegrinis starker Fuß ist auf jeden Fall der linke, aber bei Juve hat der 23-Jährige sich nicht durchsetzen können. Der vormalige Abo-Meister zahlte im Sommer 2019 stolze 22 Millionen Euro für den gebürtigen Römer an AS Rom. Pellegrini wurde dann erst zu Cagliari Calcio und später nach Genua ausgeliehen. Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. Sein Marktwert magerte entsprechend ab.

Wie dem auch sei: Pellegrini soll Power nach vorne haben, aber auch die Viererkette spielen können. Dort sieht sich auch ein defensiv orientierter Spieler wie Lenz. Immer wieder mal wird nun ein Systemwechsel ins Spiel gebracht, von dem einen oder anderen Profi selbst, aber auch von Trainer Oliver Glasner. „Es kann sein, dass wir die Grundordnung ändern, um unsere Offensivpower auf den Platz zu bringen.“ Also auf eine Viererkette zu switchen, um vorne entweder drei Stürmer oder eine Doppelspitze aufzubieten.

Eintracht Frankfurt: Zu wenig Personal für außen

Die Krux an der Geschichte: In Routinier Timothy Chandler ist nur ein fitter Rechtsverteidiger im Aufgebot, der aber – wie Lenz auf der anderen Seite – den gestiegenen Ansprüchen der Eintracht nicht genügt. Sonst gibt der Kader für beiden Seiten wenig her, zumal Almamy Touré nach den gescheiterten Experimenten auf rechts außen eigentlich nur noch zentral verteidigen soll und Neuzugang Aurelio Buta nach einer Knieoperation weiterhin unpässlich ist. Noch einige Zeit gar.

Außerdem: Eintracht Frankfurt spielt seit Jahr und Tag mit der Dreierkette, ist in diesem System groß geworden und gewachsen. Eine andere Taktik hat Glasner bisher gar nicht proben lassen. Der Trainer selbst räumt auf Nachfrage ein: „Ich habe da auch noch ein paar Fragezeichen, lasst euch überraschen.“

Blöd, wenn ausgerechnet der entscheidende Mosaikstein herausgebrochen ist: Filip Kostic, nicht weniger als der beste Spieler. Ob Pellegrini es schafft, die Lücke zu schließen? Die Latte liegt hoch – für den Neuen aus Italien und auch für Chris Lenz, den tapferen linken Außenverteidiger. (Ingo Durstewitz)

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