HTTV-Präsident Andreas Hain klatscht den Weltranglistenersten Fan Zhendong ab, der 2019 bei den German Open Maberzells Neuzugang Quadri Aruna besiegt hat.
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HTTV-Präsident Andreas Hain klatscht den Weltranglistenersten Fan Zhendong ab, der 2019 bei den German Open Maberzells Neuzugang Quadri Aruna besiegt hat.

Interview

Quadri Aruna ist der „attraktivste Spieler der Welt“, sagt HTTV-Präsident und Neu-Maberzeller Andreas Hain

  • Angelika Kleemann
    vonAngelika Kleemann
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Erst stellt er den Kontakt zu Quadri Aruna her, dann wechselt er selbst zum TTC: HTTV-Präsident Andreas Hain ist seit Juni ein Maberzeller. Er sagt im Interview: „Die Saison sollte regulär starten.“

Wie kam Ihr Wechsel zum Verbandsligisten Maberzell III zustande?
Durch einen Geschäftskontakt zu Stefan Frauenholz (Vorsitzender des TTC, Anm. d. Red.), der mich in Zukunft steuerlich berät. Natürlich sprachen wir auch über Tischtennis. Maberzell hat noch jemanden für sein Verbandsligateam gesucht, und ich war offen, was anderes zu machen. Da mein Freund Quadri Aruna in Maberzells Bundesligateam spielt und ich deshalb sowieso öfters nach Fulda fahre, hat der Wechsel zudem Sinn ergeben. 
Gibt es nicht Futterneid bei den anderen Vereinen, dass der HTTV-Präsident jetzt ein Maberzeller ist?
Lassen sie es mich so erklären: Aus praktikablen Gründen müsste ich bei einem Verein in meinem Wohnort Bad Dürkheim spielen. Nur als hessischer Präsident sollte man auch in einem hessischen Verein spielen. Von daher war es letztendlich egal, wo. 
Was sind Ihre sportlichen Ziele?
Keine. Ich möchte beim Spiel Spaß haben und möglichst gewinnen. Wenn ich verliere, ärgere ich mich furchtbar. Da passe ich gut in die Maberzeller Mannschaft. Die kenne ich aus meiner Zeit bei Seligenstadt in der Dritten Liga. 
Wie halten Sie sich fit?
Ich wandere viel hier in der Gegend im Pfälzer Wald. Für mehr fehlt die Zeit.
Das Corona-Virus hat auch den Spielbetrieb im Tischtennis lahmgelegt. Glauben Sie an eine normale Durchführung der Saison 2020/21 in Hessen?
Ja. Wir werden in Hessen Ende Juni die ersten Wettkämpfe mit dem VR-Cup starten. Wenn die Maßnahmen aus dem Schutz- und Handlungskonzept, an dessen Erstellung ich maßgeblich beteiligt war, eingehalten werden, sollte es kein Problem geben, eine Verbandsrunde durchzuführen. Allerdings sieht es im Moment so aus, dass wir kein Doppel spielen können. Man muss die Entwicklung abwarten. Wenn wir im Herbst eine zweite Welle bekommen, dann wird es überhaupt keinen Sport geben. Geht es so weiter, wie es sich derzeit darstellt, dann wüsste ich nicht, warum man Großdemonstrationen zulässt, aber Tischtennis mit zwölf Leuten in der Halle nicht. Deshalb gehe ich fest davon aus, dass die Runde starten wird. 
Viele Vereine sehen ein Problem bei Fahrten zu Auswärtsspielen, wenn nur Personen aus zwei Haushalten in einem Auto sitzen dürfen und so mehr Fahrzeuge eingesetzt werden müssen.
In Rheinland-Pfalz ist diese Regelung bereits aufgehoben, und das sollte bis zum September auch in Hessen der Fall sein. Sehen wir mal vom Jugendbereich ab, bei den Erwachsenen fahren in der Regel sowieso meist nur maximal zwei Leute zusammen zum Auswärtsspiel, um flexibel zu sein. Und falls es nicht so sein sollte, reden wir vielleicht von 100 Euro Mehrkosten in der Saison. Da muss sich jeder fragen, ob ihm der Sport das nicht wert ist. Viel schlimmer finde ich den Verzicht auf Zuschauer. Sport ohne Zuschauer ist auf Dauer nicht vermittelbar.
Hessen stellt nach dem Aufstieg des TTC Bad Homburg nun zwei Bundesligisten und mit Timo Boll, Patrick Franziska und Ruwen Filus drei aktuelle Nationalspieler. Ist Hessen eine Tischtennishochburg?
Hessen ist die Tischtennishochburg in Deutschland und das schon seit Jahrzehnten, das ist unstrittig. Wir sind der erfolgreichste Bundesstützpunkt in Frankfurt. Mit Blick auf unsere Nachwuchstalente sollte das in Zukunft so bleiben. 
Mit Fan Bo Meng ist ein Maberzeller Eigengewächs auf dem Weg nach oben. Was trauen Sie dem U 21-Nationalspieler zu?
Den Sprung unter die Top 50 in der Welt schafft er, da bin ich mir ziemlich sicher. Er wird einen ähnlichen Weg gehen wie Benedikt Duda oder Dang Qiu, die in diesem Bereich zu finden sind. 
Maberzells Neuzugang Quadri Aruna ist ein guter Bekannter von Ihnen und kam durch Sie zum TTC. Welchen Impuls kann er geben und auf was dürfen sich die Zuschauer freuen?
Quadri ist mit Sicherheit der vom Spielsystem her attraktivste Spieler in der ganzen Welt. So etwas haben die Zuschauer sicherlich noch nicht gesehen. Er spielt sehr Vorhand-orientiert und ist dementsprechend unglaublich schnell auf den Beinen, wodurch er mangelndes Aufschlag-Rückschlagspiel und Defizite in der Taktik kompensiert. Er zählt weltweit zu den beliebtesten Spielern, schafft es bei Turnieren mit seiner attraktiven Spielweise immer unter die Top-Ten-Ballwechsel und ist einmal für den weltbesten Ballwechsel des Jahres sowie als Spieler des Jahres ausgezeichnet worden. Aruna ist eine ganz große Nummer. 
Sie waren Vorsitzender des TTCSeligenstadt, sind Manager des Frauen-Bundesligisten und Deutschen Meisters Eastside Berlin. Wann übernehmen Sie einen Posten bei Maberzell? 
Das ist für mich völlig ausgeschlossen. 
Warum?
Zum einen ist der TTC Fulda-Maberzell im Vorstand hervorragend aufgestellt und besitzt mit Johannes Hodes einen jungen Kandidaten in der Hinterhand. Das ist die eine Geschichte. Die andere ist die Zeitfrage. Über mangelnde Ehrenämter muss ich mich nicht beklagen. Wenn ich ein Amt übernehme, dann gebe ich 100 Prozent. Das konnte ich in Seligenstadt die letzten zwei, drei Jahre nicht mehr machen und habe die Konsequenz gezogen. Und drittens bin ich Spezialist im Damen-Tischtennis. Im Herrenbereich weiß ich zwar mehr als ein normaler Tischtennisfan, aber bin nicht so involviert.
Maberzell träumt von einem nationalen Titel. Trauen Sie das dem Verein zu?
Grünwettersbach hat mit einer Mannschaft, die sicher nicht besser war, den Pokal geholt. Im Dreiermannschaftssystem ist alles möglich. Mit Quadri hat Maberzell so ziemlich das Beste geholt, was auf dem Markt auch finanzierbar ist. Das war schon ein Coup. Dass Fulda in seiner besten Zeit keinen Titel gewonnen hat, ist für mich völlig klar: Mit zwei Abwehrern konnte es nicht funktionieren. 
Sollte in der Bundesliga statt eines möglichen Doppels wieder ein fünftes Einzel kommen, wie es in dieser Woche bei den DTTL-Play-offs gehandhabt wurde, wäre das ein Vor- oder Nachteil für Maberzell?
Ganz klar ein Vorteil. Da kann man Fan Bo an Position drei stellen, wo seine Chancen 50:50 sind, und Ruwen Filus taktisch besser einsetzen. Die Mannschaft ist dadurch bestimmt 30 Prozent stärker. 

Zur Person

Andreas Hain ist seit 2016 Präsident des Hessischen Tischtennis-Verbandes und fungierte 13 Jahre als Vizepräsident Leistungssport. Der 53-Jährige ist zudem Präsident der Lobbyvereinigung der Tischtennisindustrie weltweit und berät beruflich Tischtennis-Firmen. Hain war lange Jahre Vorsitzender des TTC Seligenstadt, spielte mit dem Verein in der 3. Liga Nord und ist Manager des TTC eastside Berlin, dem erfolgreichsten Damentischtennisverein auf deutscher und Europaebene. Mit 53 Jahren geht er noch auf Punktejagd. Ein kurzes Gastspiel beim TV Rembrücken mit Corona-bedingt nur einem Spiel in der Kreisliga beendete er („Das war ein bisserl niedrig“) und schloss sich dem Verbandsligisten Maberzell III an. Hain wohnt in Bad Dürkheim, ist verheiratet und hat eine sechsjährige Tochter.

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